Zwist um Stadtbahn spitzt sich im Landkreis Ludwigsburg zu

SWP Uwe Roth 09.07.2018

Nahverkehr Ludwigsburg will keinen Anschluss an das SSB-Netz. Sechs Kommunen aus dem Kreis hoffen aber darauf.

Ludwigsburg. Sechs Städte und Gemeinden im Kreis Ludwigsburg hoffen auf einen Anschluss an das Stadtbahnnetz der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Angedacht ist ein Ringschluss im Norden des Netzes, der die Endhaltestelle der U 12 in Remseck mit Ditzingen im Süden des Kreises verbinden könnte. Die SSB plant dort ihren vierten Betriebshof, der teilweise auf Ditzinger Gemarkung liegen würde. Dass die Kommune darüber einen Stadtbahnanschluss erhalten wird, gilt als wahrscheinlich. Dies wiederum hat Begehrlichkeiten bei den Nachbarn geweckt: Korntal-Münchingen und Schwieberdingen würden gern wichtige Gewerbegebiete mit der Stadtbahn vernetzen. In Schwieberdingen hat Bosch einen Standort mit 6000 Arbeitsplätzen, der schlecht angebunden ist.

Landrat Rainer Haas hatte am Freitag zu einem ÖPNV-Gipfel ins Landratsamt eingeladen. Hintergrund ist ein sich verschärfender Konflikt zwischen ihm und Ludwigsburgs OB Werner Spec (parteilos) um das bessere Nahverkehrskonzept. Spec will allenfalls eine Niederflurbahn in seine Stadt lassen. Die SSB-Stadtbahnen lehnen er und sein Gemeinderat ab, weil diese wegen ihrer erhöhten Bahnsteige nicht ins Stadtbild passten. Der OB favorisiert eine schienenlose Straßenbahn (BRT), die es so in Deutschland aber noch nicht gibt.

Landrat Rainer Haas kontra OB Werner Spec

Nach einer Vereinbarung mit der Stadt hat sich der Kreis um die Planung einer Niederflurbahn zu kümmern. Doch nach den neuesten Entwicklungen hin zu einem Ringschluss hat sich Haas umorientiert, wie er mitteilte. Auch Stuttgarts OB und Aufsichtsratschef Fritz Kuhn (Grüne) habe ihm mehrfach versichert, dass die SSB „bereit und hochinteressiert“ sei, weiter in den Kreis zu expandieren. Das Landratsamt hat bereits 2017 einen Förderantrag beim Bundesverkehrsministerium gestellt. Ob Nieder- oder Hochflurbahn sei dabei egal, so Haas. Er erwartet einen Bescheid in den nächsten Wochen. Fällt er positiv auf, werden nach seinen Angaben 80 Prozent der etwa 200 Millionen Euro Investitionskosten von Bund und Land übernommen.

Mit ihrem Niederflur-Favoriten saßen die Vertreter der Stadt Ludwigsburg am Ende des ÖPNV-Gipfels ziemlich alleine da. Die Stadt will die Bahnstrecke Markgröningen-Ludwigsburg reaktivieren und darauf einen Brennstoffzellenzug fahren lassen. Nun aber wollen sowohl Markgröningen als auch Möglingen lieber die gelbe Stadtbahn, wie die beiden Bürgermeister klarstellten. Und die Stadt Remseck ist sowieso auf Seiten der SSB, wie OB Dirk Schönberger (parteilos) bekannte. Uwe Roth

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