Wohnen am Killesberg: Pläne, aber keine Bauten

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SWP, Uwe Roth, 04.06.2019

2007 ist in Stuttgart die Landesmesse vom Killesberg auf die Fildern gezogen. Der Ex-Parkplatz Rote Wand ist nach wie vor ein Provisorium.

Stuttgart. Die Landeshauptstadt braucht dringend Wohnraum. Auf dem ehemaligen Messeparkplatz Rote Wand am Killesberg will die Stadt rund 110 Wohneinheiten schaffen, Platz für etwa 300 Menschen. Obgleich die Messe schon 2007 auf die Filder gezogen ist, ist seither im Stuttgarter Norden wenig passiert. Sieben Jahre später entschied eine Jury über einen städtebaulichen Wettbewerb. „Es wäre schön wenn wir 2017, also zehn Jahre nach dem Umzug der Messe an den Flughafen, das Wohngebiet fertigstellen könnten“, versprach damals der Erste Bürgermeister Michael Föll (CDU). Doch noch immer liegt das Gelände brach. Zwischenzeitlich dient es als Aufstellfläche für Wohncontainer, in denen noch bis Sommer 175 Flüchtlinge untergebracht sind.

Wann Bagger tatsächlich die ersten Baugruben ausheben, kann die Stadt nicht mitteilen. „Der Bebauungsplan ist aktuell noch in der Aufstellung, ein Bauantrag liegt noch nicht vor“, teilt ein Rathaussprecher mit. Die Grundstücke für Baugemeinschaften und das Grundstück für das „Bündnis für Wohnen“ seien inzwischen ausgeschrieben. Das Bündnis ist ein Zusammenschluss privater Interessenvertreter und der Verwaltung. Das Grundstück gehört der Stadt. Sie strebt eine Förderquote von 53 Prozent an. Davon soll der Anteil an Sozialmietwohnungen 39 Prozent betragen und der an Mietwohnungen für mittlere Einkommensbezieher 14 Prozent. 27 Prozent der Wohnflächen soll an Baugemeinschaften vergeben werden.

Schon haben sich junge Familien zusammengefunden in der Hoffnung, gemeinsam günstig bauen zu können. Aber so einfach ist es nicht: Nach dem Beihilferecht der EU darf eine Kommune eigene Grundstücke nicht unter dem Marktwert verkaufen. Doch auf dem Gelände der ehemaligen Messe ist am Rand des Killesbergparks in den vergangenen Jahren teuer gebaut worden. Laut Bodenrichtwertkarte liegt der Quadratmeterpreis Baugrund bei mindestens 2200 Euro. Knapp sechs Millionen Euro würde die Stadt beim Verkauf an Baugemeinschaften erlösen.

Die Straße am Kocherhof liegt zwischen dem bereits bebauten Gelände am Park und dem künftigen Bauland. Dort kann es laut werden, weil über die Strecke auchüberörtliche Straßen erreicht werden. Eine Reihenhauszeile soll die Gebäude in zweiter Reihe vor dem Verkehrslärm schützen. Dahinter kommt erst eine attraktive Parklandschaft. Doch in der Nachbarschaft regt sich Widerstand gegen die Bebauung. Dort steht die Brenzkirche, die zum Ärger des Pfarrers und der Gemeinde die Ein- und Ausfahrt zur Tiefgarage direkt vor die Kirchentüre bekommen soll. Mit den Protesten will sich die Stadt später beschäftigen. Uwe Roth