Wie realistisch ist ein Radschnellweg von Bietigheim nach Stuttgart?

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Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 07.07.2017

Eine Machbarkeitsstudie soll den Bau eines Radschnellwegs von Bietigheim nach Stuttgart untersuchen.


Bietigheim-Bissingen. Eine guter Radschnellweg ist vier Meter breit. Die Trasse ist getrennt von Straßen und Gehwegen. Kreuzungen sind die Ausnahme. Im besten Fall haben Radfahrer auch innerorts Vorfahrt. „Radschnellwege sollen vor allem den Radfahrern dienen, die längere Strecken zurücklegen, aber auch eine schnellere Fahrzeit erreichen wollen“, heißt es in einer Sitzungsunterlage des Kreistags von Ludwigsburg. Vorgeschlagen werden darin eine Route von Bietigheim-Bissingen, über Ludwigsburg und Kornwestheim nach Stuttgart sowie eine von Vaihingen in die Landeshauptstadt.

Die Stadt Bietigheim-Bissingen ist in der Situation, dass neben der Bundesstraße Richtung Ludwigsburg die alte Trasse noch offen ist und gut in einen Radschnellweg umgewandelt werden kann. Wie es in der Barockstadt weitergehen könnte, ist dagegen völlig offen. Chefverkehrsplaner Sascha Behnsen möchte nicht spekulieren, wo man sich durch die Innenstadt neben oder in der Nähe der B 27 eine Trasse vorstellen könnte. Erst wenn die Ergebnisse der größtenteils vom Land finanzierten Machbarkeitsstudien vorlägen, wolle die Stadt mit konkreten Planungen beginnen.

Stadt Kornwestheim wartet Studie ab

Mögliche Streckenverläufe werden auch in Kornwestheim nicht diskutiert.. Eine Rathaussprecherin betont zwar: „Wir haben uns in unserer Stellungnahme zum Regionalverkehrsplan dafür ausgesprochen, in die Planung von Radschnellwegen einzusteigen.“ Ob die Route entlang der B27 „ein sinnvolles Planungsszenario darstellt, oder ob es nicht bessere alternative Streckenführungen gibt“, werde erst das Ergebnis des Gutachtens zeigen.

Obwohl am Ende viele Radschnellwege nach Stuttgart führen sollen, teilt die Stadt die Euphorie der Kommunen im Umland scheinbar nicht. Als Begründung gibt Verkehrsplaner Stephan Oehler an, Stuttgart wolle sich zuerst auf den Ausbau der Radwege innerhalb des Stadtgebiets konzentrieren. Er gibt zu bedenken, dass es keine verbindlichen Standards gebe. Bislang seien dies nur Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV). Maximalforderungen bezüglich der Breiten und des kreuzungsfreien Ausbaus lassen sich nach seiner Überzeugung ohnehin kaum realisieren. Nach den FGSV-Vorgaben darf es aber höchsten bei 30 Prozent der Strecke Abweichungen von der Norm geben, damit ein Radschnellweg seinen Namen zu Recht trägt. Auf der 25 Kilometer langen Verbindung zwischen Bietigheim-Bissingen und Stuttgart dürften maximal 7,5 Kilometer abweichen.

Radschnellwege: Kompromisse nötig

Kompromisse müssten in jedem Fall hingenommen werden. Sicher sei, dass Stadt, Region und das Land „einiges Geld in die Hand nehmen müssen“, um die Trassen so anlegen zu lassen, dass sie den Vorstellungen eines Radschnellwegs möglichst nah kommen. Der ADFC sagte dazu auf Anfrage: „Die Kommunen müssen dieses Potenzial zunächst erkennen, damit die Umsetzung kraftvoll vorangetrieben werden kann.“ Ohne die notwendige Überzeugung gehe es in der Radverkehrsförderung nicht.

Radschnellwege müssten stets weiterentwickelt und Abweichungen von der Norm zu verringert werden. „Je mehr Menschen aufs Rad umsteigen, desto höher wird auch der Anspruch an die Radwegeinfrastruktur. Daher ist Weiterentwicklung stets wichtig und Kompromisse können nur temporär toleriert werden“, so die Position des ADFC.

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