Foto: AVM

Wie kommunale Unternehmen nachhaltig Bilanz ziehen

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DEMO Uwe Roth Februar 2017

Ein Leitfaden des Verbandes Kommunaler Unternehmen (VKU)
hilft Betrieben der Abfallwirtschaft beim Einstieg in das Thema.

Für kapitalmarktorientierte Unternehmen ab einer bestimmten Größe werden Nachhaltigkeitsberichte in genormter Fassung vom Jahr 2017 an Pflicht. Kommunale Betriebe sind davon zwar ausgenommen, doch auch sie beschäftigen sich in einem zunehmenden Maß mit dem Thema. Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) hat zur Orientierung einen Leitfaden für die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung herausgegeben. Eine vollständige Bestandsaufnahme zu erstellen, ist eine komplexe Aufgabe. Zum Jahresende soll ein Leitfaden für die Energiewirtschaft folgen.

Ruf nach festen Vorgaben Helga Seitz weiß nur zu gut, wie herausfordernd  eine solche Aufgabe ist. Die Nachhaltigkeitsmanagerin beim Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) hat diese gerade erfolgreich hinter sich gebracht. Zum zweiten Mal schon. Im Jahr 2014 gab das Unternehmen seinen ersten Bericht heraus; den für 2016 hält sie Mitte Januar druckfrisch in den Händen. Das mehr als 100 Seiten starke Buch ist eine Kombination mit dem Geschäftsbericht 2015.

Datenerhebung „sehr aufwendig“

Der Wunsch, die Nachhaltigkeits-Aktivitäten des städtischen Unternehmens zu dokumentieren, sei im Jahr 2011 aufgekommen, berichtet die AVM-Mitarbeiterin, die der Unternehmenskommunikation angehört. Die notwendige Datenerhebung sei damals „sehr aufwendig“ gewesen. Zeitweise haben ihr als Projektleiterin zehn Kolleginnen und Kollegen als Vertreter jeder Abteilung zugearbeitet. Dazu kam ein externer Dienstleister.

Nachhaltigkeit ist nicht nur öko. Der Begriff wird ebenso wie sein englisches Pendant inflationär gebraucht. Das ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Schlagwort fehlt in kaum einer Rede über kommunales Handeln oder einer Imagebroschüre. Dabei bleibt der Begriff schwammig und das Ergebnis nachhaltigen Wirkens oft schwer überprüfbar. Folglich wird der Ruf nach Kriterien lauter, die in einer Nachhaltigkeitsbilanz
erfüllt werden müssen, damit diese den Namen zu Recht trägt. Solche Vorgaben macht die Global Reporting Initiative (GRI) mit Indikatoren für Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Branchengrößen haben mitgearbeitet

Den Leitfaden dazu gibt es seit dem Jahr 2002. Er ist Grundlage für den AVM-Bericht. Den auf die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung zugeschnittenen Leitfaden für einen Nachhaltigkeitsbericht hat der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) Mitte vergangenen Jahres veröffentlicht. Eineinhalb Jahre ist redaktionell daran gearbeitet worden, berichtet VKU-Projektleiterin Beatrice Strübing. „Der Leitfaden soll insbesondere kleineren Unternehmen der Branche den Einstieg ins Thema erleichtern“, hieß es bei der Veröffentlichung. In den Leitfaden sind allerdings nur die Erfahrungsberichte  von Branchengrößen aufgenommen worden: Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe gehören beispielsweise dazu, die Abfallwirtschaftsbetriebe Köln, die Stadtreinigung Hamburg, die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH oder auch der Abfallwirtschaftsbetrieb München, für den Helga Seitz im VKU-Arbeitskreis war.

AWM: Doppelstrukturen vermeiden

Zu den Themen, die nach diesem Leitfaden abgearbeitet und mit umfangreichem Faktenmaterial belegt werden müssen, gehören Transparenz, Schließung der Stoffkreisläufe, Klima- und Umweltschutz, Stadtsauberkeit und Winterdienst, Abfallvermeidung und Kundenorientierung.

Hinzu kommen vier weitere Themen, die alle Betriebe betreffen: wirtschaftliche Leistung, Compliance, Mitarbeiterorientierung und Transformationsrolle der Branche. Die Autoren des Leitfadens beruhigen: „Anwender werden schnell erkennen, dass sie viele der benötigten Informationen bereits im Unternehmen vorliegen haben.“ Zugleich zeige sich aber, wo noch Lücken bestünden, Abweichungen erklärt werden müssten, und wo künftig ein systematisches Vorgehen nötig sei.

Beitrag zur Suche von Fachleuten

Für Nachhaltigkeitsmanagerin Seitz war es eine Herausforderung, die unternehmerischen
Aktivitäten zu kanalisieren, um Doppelstrukturen zu vermeiden. Denn betrieblichen Umwelt- und Klimaschutz gab es schon, als von Nachhaltigkeit noch niemand gesprochen hat. Aber die Anstrengungen lohnen sich, ist Seitz überzeugt. Besonders hebt sie die Nachhaltigkeitskriterien für den Personalbereich hervor. In der starken Wirtschaftsregion
München, in der Fachkräfte rar seien, Nachweise guter Mitarbeiterführung würden bei der Suche und Bindung von Arbeitnehmern helfen.

Beatrice Strübing vom VKU bestätigt, so ein Bericht sei „schon nicht ganz unaufwendig.“ Aber es lohne sich, das Profil des Unternehmens zu schärfen. Eine Kosten-Nutzenanalyse sei schwierig. Bei einem Geschäftsbericht werde in der Regel auch nicht gefragt, ob sich die Kosten dafür lohnten.

Weitere Informationen www.vku.de