S-Bahnzüge der Region Stuttgart. Foto: Uwe Roth

Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) feiert 40-jähriges Bestehen – Fahrgastzahlen mehr als verdoppelt

SWP Uwe Roth 15.01.2018

Der Verkehrsverbund Stuttgart feiert sein 40-jähriges Bestehen vor allem mit Gutscheinaktionen für die Kunden. Ein weiteres Baustellenjahr wird befürchtet. Von Uwe Roth

Der eigentliche Jahrestag ist bereits vorbei: Am 19. Dezember 1977 war nach jahrelangen Vorbereitungen gemeinsam von der Deutschen Bahn und der Stuttgarter Straßenbahn AG (SSB) der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart gegründet worden – der damals fünfte Tarifverbund in Deutschland. Es dauerte weitere zehn Monate, bis am 1. Oktober 1978 die S-Bahnen von Stuttgart nach Ludwigsburg, Plochingen, Weil der Stadt und wieder zurück zum Hauptbahnhof fuhren.

Für die Fahrgäste war neu, dass sie mit einem Ticket die Linie, also auch zwischen S- und Straßenbahn, wechseln konnten. Es war der Beginn des VVS-Gemeinschaftstarifs, der heute die Landeshauptstadt sowie die Nachbarlandkreise Böblingen, Esslingen, Rems-Murr, Ludwigsburg und seit 2014 teilweise den Kreis Göppingen umfasst. Vor 25 Jahren wurden die Linienbusse in den Tarifverbund aufgenommen. Seither ist das VVS-Ticket in der Region die erste Wahl im öffentlichen Personennahverkehr.

Täglich 1,4 Millionen Fahrgäste im VVS

Innerhalb von 40 Jahren hat sich die Zahl der Fahrgäste von 180 auf 380 Millionen mehr als verdoppelt. Täglich sind im Verbund 1,3 Millionen Menschen unterwegs, die dem VVS einen jährlichen Umsatz von etwa einer halben Milliarde Euro bescheren. Der VVS gilt bundesweit als Erfinder des Kombitickets aus Eintrittskarte für eine Veranstaltung und Fahrschein.

VVS-Geschäftsführer Horst Stammler hat am Samstag vor den Medienvertretern eine Erfolgsbilanz gezogen und gleichzeitig angedeutet, um den runden Geburtstag nicht viel Tamtam machen zu wollen. Am 1. Oktober werde es nicht die große Feier mit Prominenz geben. „Wir wollen stattdessen übers gesamte Jahr mit unseren Fahrgästen feiern.“

Jubiläum soll Tourismus im VVS anfeuern

Im Wesentlichen will der VVS seinen Kunden kleine Geschenke in Form von Rabattaktionen anbieten, die zu Ausflügen mit Bus oder Bahn animieren wollen. Das Jubiläumsprogramm wurde auf der Touristikmesse CMT vorgestellt, wo der VVS mit einem Stand vertreten ist. Die 40-Jahr-Feier soll den Tourismus in der Region ankurbeln. Bis Ende Januar bekommen VVS-Kunden beispielsweise einen vergünstigten Eintritt in Badezentren wie dem Filderado, dem Oskar-Frech-Bad oder dem Mineralbad Leuze. Im Februar, März, Juni und November gibt es verbilligte Eintritte in einigen Museen. Dazwischen Rabatte beim Besuch großer Veranstaltungen wie dem Frühlingsfest oder dem Internationalen Trickfilmfestival.

Zudem hat der VVS zum Jubiläum eine Broschüre mit 40 Ausflugszielen herausgegeben (siehe Infokasten), die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind. Es ist eine Auswahl von Lieblingszielen, die Fahrgäste „in großer Zahl“, so Stammler, als Vorschläge eingereicht haben. Geheimtipps sind in die Broschüre nicht aufgenommen worden, dafür populäre Glanzlichter wie Schloss Ludwigsburg, der Limes in Welzheim, das Märklin Museum in Göppingen oder der Pomeranzengarten in Leonberg.

VVS hat Tarifreform im Visier

Das Jahr 2018, da ist sich der zweite VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger sicher, wird in weiten Teilen weniger vom Jubiläum geprägt sein, sondern „wieder ein Baustellenjahr werden“. Verspätete und überfüllte Bahnen werden die Feierlaune auch in der Geschäftsstelle vermiesen. Die geplante Reform der VVS-Tarife gelte es in diesem Jahr ebenfalls noch zu stemmen, sagten die beiden Geschäftsführer. Klappe sie, wäre dies ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Verkehrsverbunds.

Familientouren mit dem VVS

Literatur Zum 40. Geburtstag des VVS ist im Silberburg-Verlag das Wanderbuch für die Region Stuttgart des Autoren Dieter Buck erschienen. Alle Ziele sind mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar.

Autoren Buck hat die Texte gemeinsam mit seiner Tochter Melanie geschrieben. Sie machte sich Gedanken darüber, wie Kinder während den Wanderungen und Besichtigungen bei Laune gehalten werden können. „Zusätzlich zur Tourbeschreibung haben wir uns für jedes Ziel kindgerechte Rätsel, Geschichten oder Spielanregungen ausgedacht“, sagte Melanie Buck bei der Buchvorstellung auf der CMT.

Ziele Die bis zwölf Kilometer langen Touren reichen von Stuttgart über Esslingen bis Lorch, Geislingen und nach Herrenberg. Dieter und Melanie Buck: Auf geht’s Kinder – Familientouren mit dem VVS, 160 Seiten, 14,90 Euro. ⇥uro

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