Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec bei seiner Abschiedsrede. Foto: Uwe Roth

Verabschiedung OB Spec in Ludwigsburg mit großen Gesten

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 26.07.2019

Mit viel Beifall für seine geleistete Arbeit ist Oberbürgermeister Werner Spec am Donnerstag vor großer Kulisse aus seinem Amt verabschiedet worden. Im Reithaus des Film- und Medienzentrums ist dem 61-jährigen Kommunalpolitiker in einer zwei Stunden langen Feier mit musikalischer Umrahmung und stehendem Applaus am Ende so viel Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie er sie lange vermisst haben dürfte.

Spec ist vor einem Monat von den Bürgern abgewählt worden. Sein Nachfolger wird Matthias Knecht, der im Publikum in der zweiten Reihe saß. Zahlreiche Redner würdigten Spec’ großes Engagement, Ludwigsburg zu einer innovativen Stadt geformt zu haben, die in vielem für Deutschland Vorbild sei. Erster Bürgermeister Konrad Seigfried, der den Abend moderierte, bedankte sich als erstes für die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit.

„Werden Sie je müde?“

Beim Amtsantritt schwächelt die Stadt

Der Oberbürgermeister habe die Verwaltungsgeschäfte gelenkt – „und wie!“ Seigfried deutete mit seiner Bemerkung an, dass Spec im Rathaus oftmals ein Tempo vorgelegt habe, dem seine Mitarbeiter nicht immer hätten folgen können. „Werden Sie je müde?“, habe er manchmal gefragt. „Ich habe ihm vor Jahren geraten, manchmal innezuhalten, damit andere aufschließen können“, sagte Seigfried. Genützt hat der Ratschlag des älteren Kollegen wenig. Die Bilanz gebe dem scheidenden Stadtoberhaupt in seiner Umtriebigkeit aber Recht, sagte der erste Stellvertreter von Spec. Denn Ludwigsburg habe sich in seiner 16-jährigen Amtszeit prächtig entwickelt, wie alle Redner lobten.

Bei seinem Antritt 2003 habe die Stadt geschwächelt. Daran erinnerte die ehemalige Stadträtin Elke Kreiser (CDU) in ihrer Ansprache stellvertretend für den Gemeinderat. Das Ladensterben im einstigen Marstall-Center sei für die Bevölkerung ein sichtbares Zeichen dafür gewesen. Wo heute im Westen der Stadt junge Firmen gute Umsätze machten, sei damals Gewerbebrache gewesen. Die Zeichen standen auf Einwohnerschwund. Nun ist Ludwigsburg kurz davor, die Einwohnerzahl von 100 000 zu erreichen. Und mittlerweile gibt es ein zweites Einkaufszentrum in der Innenstadt. Die Filmakademie Baden-Württemberg und die Akademie für darstellende Kunst machen den Namen der Stadt deutschlandweit und darüber hinaus bekannt.

„Vielleicht hat man die Leistungen aus der Ferne mehr erkannt als in der eigenen Stadt“

Keine Liebesbeziehung zum Städtetag

Trotz solcher Errungenschaften hat der Ruf des Machers in den vergangenen Jahren zunehmend gelitten. „Vielleicht hat man die Leistungen aus der Ferne mehr erkannt als in der eigenen Stadt“, spielte Seigfried auf die nationalen und internationalen Auszeichnungen an, die Ludwigsburg insbesondere für Klima- und Technikprojekte erhalten hat.

Gudrun Heute-Bluhm vertrat als geschäftsführende Vorständin den baden-württembergischen Städtetag. Sie deutete als einzige an, woran es gelegen haben könnte, dass Spec seinen Erfolg nicht in Wählerstimmen habe ummünzen können: Eine gute Kommunikation, sagte die ehemalige Oberbürgermeisterin von Lörrach sei heutzutage unabdingbar. „Spec und der Städtetag sind nicht immer eine Liebesbeziehung gewesen“, gestand Heute-Bluhm in voller Offenheit.

Lob aus dem Innenministerium

Die Landkreisverwaltung und Spec sind ebenfalls keine Liebesbeziehung. Die Auseinandersetzung über das richtige öffentliche Verkehrsmittel hat Gräben hinterlassen. Landrat Dr. Rainer Haas hatte es deshalb vorgezogen, seinen Stellvertreter Jürgen Vogt zu schicken. Ein Grußwort von ihm war nicht vorgesehen. Stattdessen sprach Ministerialdirektor Stefan Krebs, der Digitalbeauftragte im Innenministerium. Er lobte Spec dafür, dass Ludwigsburg immer bereit gestanden habe, wenn sein Ministerium eine Kommune für ein Pilotprojekt gesucht habe.

Werner Spec hatte kein Manuskript zu seiner Verabschiedung mitgebracht. „Ich muss mich anstrengen, nicht sentimental zu werden“, unterbrach er an einer Stelle die Beschreibung seiner beruflichen Karriere. Er habe „eine wundervolle Zeit gehabt“. Nun habe er die Chance, „wieder ein normaler Mensch zu werden“ mit sehr viel mehr Zeit für das Privatleben. „Ich habe nun die Lust und Neugier, etwas Neues zu beginnen.“

Vorschusslorbeeren für den Nachfolger

Wie zu hören ist, möchte er freiberuflich Kommunen bei seinen Lieblingsthemen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Digitalisierung beraten. Gutes sagte er zum Schluss über seinen Nachfolger: „Matthias Knecht hat das ganze Zeug, ein richtig guter Oberbürgermeister zu werden. Unterstützen Sie ihn.“ Dieses Lob sorgte im Publikum für sehr viel Beifalls.

Für eines seiner Hobbys, das Spielen der Trompete, hat er nun wohl auch mehr Zeit. Dass er das Instrument ganz gut beherrscht, bewies Werner Spec beim gemeinsamen Auftritt mit der Brenz-Band zum Abschluss des offiziellen Teils seines Abschieds. Zum letzten Mal blies Spec den Ludwigsburgern lautstark den Marsch.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.