U6-Verlängerung: Künftige Endhaltestelle am Stuttgarter Flughafen. Foto: Uwe Roth

U6-Verlängerung in Stuttgart liegt im Zeitplan

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SWP, Uwe Roth, 26.07.2019

Die Verlängerung der Linie U6 in Stuttgart soll Ende 2021 fertig sein. Der Projektleiter der SSB rechnet allerdings mit höheren Kosten. Von Uwe Roth

Steffen Schäfer ist Projektleiter der SSB für die Verlängerung der Stadtbahn zum Flughafen. Sein eigentlicher Job ist aber der eines Kümmerers abseits der Baustellen, wie er bei einem Rundgang für Medienvertreter feststellt. Schäfer hält Kontakt zu Landwirten auf den Fildern („ich kenne alle“), verhandelt mit Naturschützern, geht ins Landratsamt Esslingen und informiert Hoteliers im Bereich der Endhaltestelle, wann mit Baulärm zu rechnen ist. Die erste Frage wiederhole sich in den Gesprächen immer, sagt Schäfer: „Ist die SSB im Zeitplan?“ Der Projektleiter kann beruhigen: „Wir sind im Plan.“

Der Zeitplan sieht eine Inbetriebnahme des Streckenabschnitts zwischen dem Fasanenhof und Flughafen für Ende 2021 vor. Das sind etwas mehr als zwei Jahre verbleibende Bauzeit. Von 2022 an können dann Fahrgäste mit der U6 von der City die Terminals oder auch die Landesmesse in einer halben Stunde erreichen. Das dauert kaum länger als die Fahrt mit der S-Bahn, die seit 1993 die Landeshauptstadt mit dem Airport verbindet.

Von der heutigen Endhaltestelle Schelmenwasen kann man den Flughafen am Horizont fast schon erkennen. Doch die drei Kilometer dazwischen haben es planerisch in sich: Gutes Ackerland wird von der Autobahn und von Bachläufen unterbrochen. Die Trasse der Stadtbahn muss sämtliche Hindernisse überwinden und dabei so wenig landwirtschaftliche Flächen verbrauchen wie nötig. Um der Vorgabe zu folgen, fährt die Stadtbahn nicht in direkter Linie aus Stuttgart über die Felder an den Endhaltepunkt.

Die Gleise werden vielmehr platzsparend parallel zur Bundesstraße 27 verlegt, um den Eingriff gering zu halten. Weil der Grund zum Teil weich ist, muss das Bauwerk mit 800 Säulen stabilisiert werden, die acht Meter tief in die Erde gerammt werden. Der Erlengraben ist ein kleines Gewässer. Dennoch muss nicht nur eine Brücke gebaut, sondern auch ein Jahrhunderthochwasser mitbedacht werden. Auch den Bau eines Regenrückhaltebeckens schreiben die Genehmigungsbehörden zu diesem Zweck vor.

Auf den Illustrationen der Planer ist das Ergebnis vorweggenommen: Die gelbe Stadtbahn gleitet durch eine intakte Landschaft und fährt über eine elegant geschwungene Brücke. Die Autobahn darunter ist fast nicht wahrzunehmen. Die Realität ist noch eine andere. Etwa 300 Arbeiter verteilen sich auf sieben Baustellen. Die Schneise für den Trassenverlauf ist zu erkennen. Betonteile ragen aus dem Erdreich. In einigen Abschnitten liegen schon Schienen.

Das große Ganze erkennen bislang nur Ingenieure. Der trockene Boden vergrößert das sichtbare Ausmaß der Baustellen. Die Lastwagen wirbeln riesige Staubwolken hoch.  Bewegungen der Bauarbeiter verursachen weiteren Staub. Hitzefrei gibt es nicht. Im Mai muss alles vorbereitet sein, um eine über hundert Meter lange Netzwerk-Bogenbrücke über die für einige Stunden gesperrte Autobahn zu legen.

Wertvolle Grundstücke

Die größte Teilbaustelle verläuft allerdings zwischen der Landesmesse und dem Flughafengelände. In offener Bauweise werden fünf Tunnel gegraben. Nicht jeder wäre nötig. Doch entlang der Messehallen sollen möglichst viele Flächen erhalten bleiben. „Das sind Filetstücke“, weiß Schäfer. Auch im Fasanenhof steigen die Kosten für Gewerbeimmobilien. Wenige Minuten zum Flughafen steigern den Wert. „Es geht hier um viel Geld.“

Für die Verlängerung der Stadtbahn sind 100 Millionen Euro eingeplant. Doch der Finanzrahmen wird wohl nicht gehalten werden. Eine Kostenüberschreitung von 25 bis 30 Prozent sei möglich, formuliert es Schäfer vorsichtig. Die SSB leidet darunter, dass Bauunternehmen angesichts des Booms aktuell nur hochpreisige Angebote oder gar keine abgeben. Bis Ende September sollen laut Plan sämtliche Vergaben abgeschlossen sein. Bis Mitte kommenden Jahres sollen die Gleise auf ihrem Bett liegen. „Wir sind im Plan.“ Der Projektleiter lässt keinen Zweifel.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.