THW-Helfer Tobias Hilbers. Foto: Uwe Roth

THW-Helfer Tobias Hilbers

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 17.06.2017

Tobias Hilbers ist mit Leib und Seele Helfer beim THW. Der 23-Jährige kümmert sich um die Jugend- und die Öffentlichkeitsarbeit. Von Uwe Roth

Tobias Hilbers ist seit er 16 Jahre alt ist, Mitglied beim THW-Ortsverband Ludwigsburg. Heute ist der 23-Jährige zuständig für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit. Foto: Uwe Roth
Tobias Hilbers ist seit er 16 Jahre alt ist, Mitglied beim THW-Ortsverband Ludwigsburg. Heute ist der 23-Jährige zuständig für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit. Foto: Uwe Roth

Seine Visitenkarte beeindruckt: Oben links stehen der Bundesadler, daneben ein schmaler Balken in den Deutschlandfarben und die Aufschrift „Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)“. Seit 2016 ist Tobias Hilbers beim THW in Ludwigsburg „Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit“. So steht es auf seiner Karte. Außerdem ist er stellvertretender Ortsjugendleiter. Dafür hat er eine eigene Visitenkarte.

In seiner Doppelfunktion ist der 23-Jährige häufig auf dem THW-Gelände anzutreffen. Neben seinem Beruf als Fachinformatiker investiert Tobias Hilbers etwa 120 Stunden monatlich in sein Ehrenamt. „Damit bin ich ein Ausreißer nach oben“, stellt er klar, um Interessenten an einer Mitarbeit in seiner Organisation nicht abzuschrecken. Familienväter könnten ihr Engagement beim THW mit dem Privatleben durchaus vereinbaren, sagt er. Hilbers braucht darauf keine Rücksicht zu nehmen. Er ist Single.

Guter Ausgleich zum Bürojob

Tobias Hilbers ist Fachinformatiker. In seiner Freizeit engagiert er sich beim THW Ludwigsburg und ist dort für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Foto: Uwe Roth
Tobias Hilbers ist Fachinformatiker. In seiner Freizeit engagiert er sich beim THW Ludwigsburg und ist dort für die Jugend- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Foto: Uwe Roth

„Helfen, wenn andere in Not sind.“ Das ist, seit er 18 Jahre ist und mit zum Einsatz darf, sein Motiv. Außerdem sei die körperliche Arbeit beim THW ein guter Ausgleich zu seinem Bürojob. Wenn ein Alarm kommt, muss sein Arbeitgeber ihn ziehen lassen, ohne seine Abwesenheit vom Urlaubsanspruch abziehen zu dürfen. Eine halbe Stunde braucht Hilbers von seiner Firma bis zur Einsatzzentrale nach Grünbühl.

In Ludwigsburg ist der THW-Ortsverband an der Grenze des Stadtteils Grünbühl zu Pattonville in einer altmodischen und eher unpraktischen Militärbaracke untergebracht. Daneben entsteht zurzeit ein Neubau, auf dessen Einweihung sich alle von der Ortsgruppe freuen.

Hierarchisch betrachtet ist die Einsatzzentrale eine kleine Außenstelle des Bundesinnenministeriums. Es hat die oberste Aufsicht über das, was an der THW-Basis passiert. „Und das Geld kommt vom Steuerzahler“, sagt Tobias Hilbers, und zeigt auf die Garage, in der die blauen Einsatz- und Spezialfahrzeuge sowie diverse Gerätschaften im Wert von mehreren Hunderttausend Euros untergebracht sind. Deutschlandweit unterhält der Bund 728 solcher Technischen Züge, die von rund 80 000 THW-Helfern Einsatzbereit gehalten werden.

In Ludwigsburg sind es 50 aktive Helfer und 20 Jugendliche. Der Nachwuchs trifft sich jeden Dienstag, die Älteren alle zwei bis dreimal im Monat. Manchmal häufiger.

2016 fünf Einsätze

Eine Alarmierung kommt seltener, als man annimmt. 2016 hatte das THW Ludwigsburg fünf nennenswerte Einsätze. Im Dezember überbrückte die auf Elektroversorgung spezialisierte Fachgruppe einen Stromausfall im ICE-Tunnel „Langes Feld“ zwei Tage mit einem Notstromaggregat. Zur Routine gehören beispielsweise nächtliche Polizeikontrollen ins Scheinwerferlicht oder einen umgekippten Lkw wieder auf die Räder zu stellen. Feuerwehren melden Unterstützungsbedarf, wenn sie für die Räumung einen Bagger oder Radlader benötigen. Hilbers längster Einsatz war 2015 beim Mühlenbrand in Lobenhausen, bei dem Löschwasser die Jagst vergiftete. Tagelang pumpten er und seine Kameraden Wasser aus dem Fluss und dann wieder hinein, um mit neuem Sauerstoff die Jagst zu reanimieren.

Die Ludwigsburger sind für solche Fälle spezialisiert. Alle Pumpen zusammen schaffen 36 000 Liter in der Minute. Geschlafen wurde an der Jagst im Freien und, als es kühler wurde, in der Feuerwache auf Feldbetten. Schnelle Einsätze mit Blaulicht und Martinshorn sind aber eher die Ausnahme.

Auslandseinsätze mit Zusatzqualifikation

Abenteurer kommen beim THW auf ihre Kosten, so Hilbers, wenn sie sich nach entsprechender Ausbildung zu Auslandseinsätzen melden. In einem Erdbebengebiet nach Überlebenden zu suchen, sei aber nicht jedermanns Sache, gibt Hilbers zu bedenken. Er fühlt sich in seiner aktuellen Funktion als Jugendbetreuer und Öffentlichkeitsarbeiter auf einem kleinen Spezialgebiet des Bundesinnenministeriums ganz offensichtlich wohl.

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