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Anhänger der Initiative zum Bau einer Surfanlage im Neckar im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim zeigen, wo die perfekte Neckarwelle entstehen könnte. Foto: Uwe Roth

Stoppt schlechtes Wasser Neckarwelle?

Südwest Presse, Uwe Roth, 22.03.2019

Schlechte Nachrichten für Surf-Fans: Das Gesundheitsamt hat Bedenken wegen der Wasserqualität.

Stuttgart. Der Bürgerhaushalt hat der Surf-Initiative vor zwei Jahren zu einer Welle des Erfolgs verholfen, da sich viele Stuttgarter hinter das Anliegen stellten. Nun möchte der Verein Neckarwelle – wieder mit Hilfe der Bevölkerung – seinem Projekt im nächsten Bürgerhaushalt neuen Schub geben. Mit dem Vorschlag „Surfen mitten in Stuttgart“ bitten die Vereinsvorstände den Gemeinderat im Doppelhaushalt 2020/21 die „Mittel für den Bau einer surfbaren Flusswelle im Neckar im Stadtbezirk Untertürkheim bereitzustellen“.

Die Idee landete nach den Voten zum Bürgerhaushalt 2018/19 auf Platz 20 von 3457 eingereichten Projekten. Das Ergebnis veranlasste den Gemeinderat, eine Machbarkeitsstudie zu finanzieren. Gutachter stellten fest, dass ein solches Bauwerk möglich sei. Doch nun hat das Landesgesundheitsamt wegen der Qualität des Wassers Bedenken angemeldet. Wer Wasser schlucke, könne sich mit Coli-Bakterien und Enterokokken infizieren, heißt es in der Bewertung.

Die Stadt nimmt dabei Bezug auf die Badegewässerverordnung des Landes, der eine EU-Richtlinie zugrunde liegt. Vereinsvorstand Volker Sellmeier sagt dazu: „Surfen ist ein Sport über und nicht im Wasser. Nach der Logik müsste die Stadt auch das Ruderbootfahren auf dem Neckar verbieten.“ Sellmeier sagt, in der Studie sei die Wasserqualität als „ausreichend“ eingestuft worden. Zwischen Juni und Oktober 2018 sind Proben gezogen worden. In über 70 Prozent sei die Wasserverschmutzung unter den Grenzwerten geblieben. In den anderen Fällen, so vermutet er, sei wegen starken Regens Wasser aus Klärbecken in den Neckar gelangt. Im Stuttgarter Rathaus ist gerade ein Meinungsbildungsprozess im Gange. Dazu stimmen sich verschiedene Abteilungen intern ab. Man werde dann mit den Initiatoren sprechen, teilt die Verwaltung mit.

Die über 160 Kommentare auf der Internetseite des künftigen Bürgerhaushalts zur Neckarwelle sollen vermitteln, dass die geschätzten Baukosten von 4,2 Millionen Euro gut angelegtes Geld seien. „Das Wasser im Neckar wird auch in 30 Jahren noch nicht trinkbar sein – macht es also nicht zum alles entscheidenden K.-o.-Kriterium“, schreibt ein Homepage-Besucher. Selbst am Eisbach im Englischen Garten in München sei das Baden untersagt, das Treiben an der Surfwellen werde aber von der Stadt geduldet. ⇥Uwe Roth

Erste Sitzung des Zweckverbands zum Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Zweckverband Breitband nimmt im Landkreis Ludwigsburg Arbeit auf

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 04.03.2019

Oberbürgermeister aus dem Landkreis, Bürgermeister und Landrat Dr. Rainer Haas trafen sich jetzt zur ersten Versammlung des Zweckverbands Kreisband Ludwigsburg (KBL). Der KBL hat eine eigene Geschäftsstelle, die die Verlegung der Glasfaserkabel zwischen den Kommunen koordiniert.

Alle 39 Kreiskommunen sind Mitglied. Bietigheim-Bissingen ist es noch nicht offiziell. Der Gemeinderat der Stadt wird am 12. März voraussichtlich einem Beitritt zum Zweckverband zustimmen. Landrat Rainer Haas nannte es „eine tolle Sache, dass es gelungen ist, alle Kreiskommunen ins Boot zu holen“.

Seine Erleichterung hatte Gründe: Der Gründung des KBL gingen hinter den Kulissen zum Teil schwierige Verhandlungen voraus. Denn der große Partner beim Ausbau ist die Deutsche Telekom, die in den Rathäusern nicht immer als verlässlich bei der Umsetzung von Vereinbarungen gilt. Ludwigsburg und Kornwestheim haben darüber hinaus ihre eigenen Vorbehalte. Ihre gemeinsame Stadtwerke GmbH verfolgt ein eigenes Programm zum Glasfasernetzausbau. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bieten schnelles Internet mit bis zu 500 Mbit pro Sekunde, Telefonie und Kabelfernsehen an. Sie sind somit direkte Wettbewerber zur Telekom, aber auch Unitymedia und Vodafone.

Gebündelte Breitbandinitiative in der Region Stuttgart

Der Breitbandausbau soll nicht nur im Landkreis, sondern in der gesamten Region beflügelt werden. Zu diesem Anlass sind auch in Stuttgart und den vier weiteren umliegenden Landkreisen entsprechende Zweckverbände entstanden. Bis Ende März wird auf regionaler Ebene die Gigabit Region Stuttgart GmbH gegründet mit dem Ziel, „als eine der ersten deutschen Regionen ein 5G-Mobilnetz“ zu erhalten. Außerdem soll das Mobilfunknetz verdichtet und beschleunigt werden. Insgesamt 179 Städte und Gemeinden in der Region mit rund 2,8 Millionen Menschen und etwa 140 000 Unternehmensstandorten sollen bis spätestens Ende 2030 ins Netz eingebunden werden. Vorrang bekommen Schulen und andere Bildungseinrichtungen.

Die großen Städte in der Region mit eigenen Stadtwerken wollten erst eigene Wege gehen und den Zweckverbänden fernzubleiben, um nicht in die Gefahr zu geraten, Anhängsel der Telekom zu werden, und um weiterhin eigene Ausbaupläne verfolgen zu können. Doch der Kommunikationskonzern ließ sich wohl auf Zugeständnisse ein. Noch am Mittwoch hatte Oberbürgermeister Werner Spec seinem Gemeinderat über die Vorbereitung einer Kooperationsrahmenvereinbarung mit der Telekom unterrichtet. Demnach wird die sich auf die Räume konzentrieren, die von den Stadtwerken nicht bearbeitet werden. In wenigen Wochen ist die Vereinbarung unterschriftsreif. Außerdem wurde der Stadt Ludwigsburg laut Spec ein „Gastsitz“ im Aufsichtsrat der Gigabit Region Stuttgart GmbH zugesagt.

Kooperationsabkommen mit der Deutschen Telekom

Mit der Absichtserklärung, dass sich Stadtwerke und Telekom nicht gegenseitig ins Gehege kommen, war für Ludwigsburg und Kornwestheim der Weg frei, noch vor der ersten Versammlung am Donnerstag Mitglied des Zweckverbands zu werden. Die Kommunalvertreter wählten in der Sitzung im Kreishaus Landrat Haas zum KBL-Verbandsvorsitzenden. Stellvertreter wurde Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath. KBL-Geschäftsführer ist Victor Kostic.

Laut dem Breitbandatlas des Bundes sind im Landkreis Ludwigsburg noch einige Flächen mit einer schlechten Abdeckung. Dazu gehören besonders Sersheim, Hohenhaslach, westliche Teile von Bietigheim-Bissingen sowie der Süden von Sachsenheim und der Ortsteil Ochsenbach. Teile von Besigheim und Bönnigheim sind ebenfalls noch unterversorgt.

Ioannis Sakkaros: „Die Grünen tragen Schuld an der Misere“

Südwest Presse, Uwe Roth, 29.01.2019

Ioannis Sakkaros wollte vor drei Wochen am Neckartor im Kreis von 250 Gleichgesinnten seinen persönlichen Frust über das Dieselfahrverbot in Stuttgart rauslassen. „Ich hatte und habe keine politischen Motive, sondern bin selbst vom Fahrverbot betroffen“, versichert der 26-Jährige am Samstag wenige Stunden vor seiner dritten Protestaktion. Bei der zweiten waren 700 gekommen.

Inzwischen ist Sakkaros ein Ereignis der Medien. Er wird als Ikone einer neuen Bewegung betrachtet und weiß nicht so recht, was er davon halten soll. „Mein Privatleben ist völlig zur Seite geschoben“, stöhnt er. Er gibt aber schon routiniert und sehr freundlich Interviews. Der junge Mann ist in seinem Element. Es mache ihm Spaß, Dinge zu organisieren, versucht er zu erklären, was ihn antreibt. Freunde schätzen an ihm, dass er die Clique beieinander halte. Ein positives Feedback sporne ihn an, beim nächsten Mal noch besser zu werden.

Neue Reibungsfläche für Wutbürger: Fahrverbote für Diesel

Die neue Clique: Am Samstag schwärmen 1200 Menschen auf den Wilhelmsplatz. Die wenigsten dürften Fahrer älterer Diesel sein. Unzufriedene Bürger haben offenbar eine neue Plattform gefunden. Nach Kritik an Stuttgart 21, an Euro und Flüchtlingen haben sie das Fahrverbot als Reibungsfläche entdeckt. Ihre Verachtung richtet sich nach wie vor auf die jeweilige Regierung und den dahinter stehenden Parteien.

Sakkaros arbeitet bei Porsche in Zuffenhausen und ist IG-Metall-Mitglied. Mit Politik will er nichts zu tun haben, beteuert er. Trotzdem ist es für ihn erwiesen, dass die Grünen sämtliche Schuld an der Misere mit den Fahrverboten tragen. Begründen kann er das allerdings nicht. „Man hätte um Stuttgart längst eine Straße legen können, um so die Durchgangsstraße zu entlasten“, argumentiert er. Dass andere Parteien zu ihrer Zeit ebenso hätten handeln können, lässt er nicht gelten. „Die Grünen sind sieben Jahre an der Regierung, ohne dass etwas passiert ist.“ Von seinem Feindbild lässt Sakkaros nicht ab.

Gelbe Warnweste: „Schnauze voll!“

Der Stuttgarter macht Politik, ohne es wahrhaben zu wollen. Er spricht von „Enteignung der Dieselfahrer“, Politiker, die zu blöd seien, richtige Standorte für Messstationen zu finden, und ist empört, dass sich Mitglieder der AfD und der rechten Arbeitnehmerbewegung „Verein Zentrum Automobil“ für ihn interessieren. Der Mechatroniker betrachtet sich und seine Sympathisanten als „unparteiische Bürgerbewegung“. Am Samstag lässt er es sich auch nicht nehmen, eine gelbe Warnweste mit der Aufschrift „Schnauze voll!“ überzuziehen – wie zahlreiche andere Demonstranten.

Bewusst erinnern sie an die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. Dass es in Paris zu Auseinandersetzung gekommen ist, „dies ist nicht mein Problem“, wehrt er ab. „Gewalt ist nicht in meinem Interesse.“ Doch für ihn ist klar, dass „das Versagen der Politik“ den Frust der Bürger habe so groß werden lassen, dass „sie austicken“. Sakkaros wird mit seinem „Projekt“ auch weitermachen.

Andreas Braun: Fristlose Kündigung war wohl falsch

Südwest Presse, Uwe Roth, 25.01.2019

Der in den Stuttgarter Klinikskandal mutmaßlich verwickelte Andreas Braun hat am Dienstag in der Verhandlung vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) einen kleinen Sieg errungen. Wie das Arbeitsgericht in der Vorinstanz ist die Berufungskammer zu der Ansicht gekommen, dass die Stadt Stuttgart dem ehemaligen Leiter der Auslandsabteilung des Klinikums nicht regelgerecht gekündigt hat und ihm daher noch Gehaltszahlungen zustehen.

Die Vorsitzende Richterin Heide Steer des LAG verkündete allerdings kein Urteil, sondern schlug einen Vergleich vor: Braun solle demnach von seiner früheren Arbeitgeberin noch etwas über 50 000 Euro erhalten.

Damit seien wechselseitige Forderungen der streitenden Parteien und somit „der vorliegende Rechtsstreit erledigt“, sagte die Richterin. Die Summe setzt sich aus sieben Monatsgehältern in Höhe von jeweils rund 8900 Euro zusammen, abzüglich einer geleisteten Vorauszahlung der Klinik über insgesamt 8400 Euro. Die Anwälte der Stadt deuteten an, sie könnten den Vergleich mittragen, wollten aber mit ihrer Mandantin Rücksprache halten. Sollte die nicht mitziehen, wird Richterin Steer ihr Urteil spätestens am 19. Februar verkünden und voraussichtlich die Entscheidung der ersten Instanz bestätigen. Braun signalisierte sein Einverständnis zum Vergleichsvorschlag, auch wenn er auf nach seiner Meinung offene Urlaubsgeldansprüche verzichten müsste.

Formaler Fehler der Stadt

Das Arbeitsgericht Stuttgart hatte im Februar vergangenen Jahres entschieden, dass es bei der fristlosen Kündigung seitens der Stadt am 1. März 2017 formale Fehler gegeben habe. Eine sofortige Entlassung sei nur möglich, wenn sie innerhalb von zwei Wochen nach Bekanntwerden einer gravierenden Verfehlung des Arbeitnehmers ausgesprochen werde, lautete die Begründung.

Die Stadt habe jedoch zu zögerlich gehandelt. Die wenige Tage später nachgeschobene ordentliche Kündigung zum 30. September des Jahres sei hingegen rechtens gewesen. Der Rechtsstreit konzentrierte sich auf die sieben Monate dazwischen. Die Stadt hatte gegen das Urteil des Arbeitsgerichts Widerspruch eingelegt. Somit kam es zu der Berufungsverhandlung, die selbst keine neuen Erkenntnisse brachte. Gegen den früheren Grünen-Landeschef Andreas Braun wird wegen möglicher Korruption und Bestechlichkeit in seiner Zeit als Verantwortlicher für die internationalen Geschäfte des Klinikums ermittelt. Über den Stand darüber wollte er vor dem Landesarbeitsgericht keine Auskunft geben.

Stuttgart 21: Turmforum zieht ans Gleis 16

Südwest Presse, Uwe Roth, 17.12.2018

Die Informationsplattform muss den Bahnhofsturm verlassen. Im kommenden Jahr entsteht für 3,4 Millionen Euro ein Neubau. Von Uwe Roth

Die Dauerausstellung zum Projekt Stuttgart 21 zieht ans Gleis 16. Die Deutsche Bahn, die Landesregierung, die Stadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart (VRS) haben insgesamt 3,4 Millionen Euro für ein neues Informationszentrum bewilligt. Am derzeitigen Standort oben im Bahnhofsturm kann das sogenannte Turmforum nicht bleiben: Denn der Bonatzbau wird von 2020 an in seinem Inneren komplett erneuert. Nur noch die Hülle des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1922 wird stehen bleiben.

Die Vorbereitungen zu den auf fünf Jahre angesetzten Umbauarbeiten beginnen Mitte 2019. Dann werden der Turm samt Aussichtsplattform, die auf 58 Meter Höhe einen grandiosen Blick auf die Stadt bietet, für Besucher geschlossen. Die Schau soll dann ab September 2019 in einem Neubau am östlichsten der 16 Bahngleise gezeigt werden.

Vier Millionen Gäste

Das derzeitige Turmforum war Mitte 1998, lange bevor Stuttgart 21 öffentliches Aufsehen erregte, eröffnet worden. In diesen 20 Jahren haben nach Angaben des Trägervereins rund 4,1 Millionen Menschen die Ausstellung der Projektgesellschaft besucht. Dazu kamen 12 000 Führungen durch die Ausstellung und über das Baustellengelände. Am Freitag war diese Bilanz in einem kurzen Festakt mit viel lokaler Prominenz und dem Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) als Vertreter des südlichen Endes des Bahnprojekts gefeiert worden.

Vorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordneter Georg Brunnhuber. Er schwärmt, das Turmforum gehöre zu den Stuttgarter Highlights wie der Fernsehturm, die Museen oder die Wilhelma. Es sei ein festes Ausflugsziel geworden.

Ausstellungsfläche schrumpft auf 300 Quadratmeter

Ein Besuchermagnet soll die neue Informationsstätte bleiben. Der Anspruch dürfte nicht einfach einzulösen sein. Die Ausstellungsfläche schrumpft von 500 auf 300 Quadratmeter. Das Gebäude wird wieder eine Ausstellungsplattform bekommen. Die ist dann lediglich 26 und nicht mehr knapp 60 Meter über dem Boden. Was an der Raumgröße fehlt, soll über die Präsentationstechnik ergänzt werden. Brunnhuber spricht von digitalen Informationsmedien, über die sich Besucher mit speziellen Brillen in virtuelle Welten begeben können.

In der Virtual Reality sehen die Besucher nicht nur Züge, die in den neuen unterirdischen Bahnhof einfahren oder mit hohem Tempo nach Ulm rasen. Im Gegensatz zur alten Ausstellung soll die neue Schau mehr Themen aufgreifen. Das dürfte den Geldgebern geschuldet sein. Das Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart geben jeweils eine halbe Million Euro zum Bau und für die neue Ausstattung. An der Verwaltungsspitze stehen jeweils Mitglieder der Grünen-Partei, die sich immer wieder kritisch zum Projekt S 21 äußern. Sie wollen nicht nur als Geldgeber auftreten, sondern beim Ausstellungskonzept mitbestimmen.

Stadt will eigene Ausstellung

Baubürgermeister Peter Pätzold kündigt an, dass die Stadt die Bevölkerung über das geplante Rosensteinquartier informieren möchte. „Die Stadt setzt auf die Inbetriebnahme 2025, damit wir endlich das Wohnen der Zukunft zeigen können“, sagte Pätzold. Auf einer 100 Hektar großen Fläche, auf der heute noch Gleise liegen, sollen nach Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs ab dem Jahr 2025 nach und nach etwa 5600 Wohneinheiten entstehen.

Gerd Hickmann ist Abteilungsleiter im Verkehrsministerium. In früheren Zeiten hat sich das Tübinger Kreistagsmitglied der Grünen offen gegen das Projekt gestellt. Heute sitzt Hickmann im Vorstand des Pro-S-21-Vereins und lobt die konstruktive Zusammenarbeit. Er äußert einen Sonderwunsch, mit dem einige Projektbefürworter im Verein ihre Probleme haben dürften: Für Hickmann wäre es „ein starkes Zeichen“, wenn die Ausstellungsmacher der Geschichte des Protests im künftigen Informationszentrum einen Platz einräumen würden. Bislang informieren die S-21-Gegner über ihre Sicht in einem Zelt am Ende der Königstraße.

Infos über S-Bahnen

Der Verband Region Stuttgart bringt ebenfalls 500 000 Euro ein. Dafür möchte der VRS besonders dem für die Region bedeutenden Nahverkehr Ausstellungsfläche widmen, kündigte Regionaldirektorin Nicola Schelling an. So soll über das ETCS informiert werden. Die elektronische Steuerung soll helfen, dass S-Bahnen, für die der VRS zuständig ist, in kürzeren Abständen fahren können. Mit der Tieferlegung des Hauptbahnhofs werden einige Bahnhöfe in der Region zu regionalen Knotenpunkten aufgewertet.

Am neuen Ausstellungskonzept werde bereits gearbeitet, sagt David Bösinger, der Leiter des Turmforums. Von der Medientechnik könne nicht viel mitgenommen werden, da sie veraltet sei. Das Info-Zentrum sei Vorbild für viele solcher Einrichtungen von Großprojekten in Deutschland geworden. Dieser Anspruch solle aufrechterhalten werden.

Neckar: Surfwelle kommt näher

Südwest Presse, Uwe Roth, 10.12.2018

Einer Flusswelle im Neckar in Untertürkheim stehen laut einer Studie keine ökologischen Einwände entgegen.

Stuttgart. Die hiesigen Surfsportler, die sich in dem Stuttgarter Verein „Neckarwelle“ zusammengeschlossen haben, feierten am Samstag ihr einjähriges Vereinsbestehen. Die Stimmung in ihrer Stammkneipe in der Geisstraße war ausgelassen. Dafür gab es allerdings neben dem Jubiläum noch einen weiteren Grund: Der Verein ist in der vergangenen Woche seinem Herzenswunsch ein Stück nähergekommen und damit dem Traum von einer surfbaren Flusswelle auf einem Seitenarm des Neckars in Untertürkheim.

Der Vereinsvorstand hat dem Sportausschuss des Gemeinderats eine von der Stadt bezahlte Machbarkeitsstudie vorgestellt. Darin kommt der Gutachter zum Ergebnis, dass einer Umsetzung des Projekts aus ökologischer Sicht nichts im Weg stehe. Vorstandsmitglied Matthias Bauer will nicht von einer Welle der Begeisterung nach der Präsentation sprechen.

Geschätzte Baukosten: 4,2 Millionen Euro

Die Reaktionen der Ratsmitglieder seien aber „sehr positiv“ gewesen, „teilweise sogar begeistert“ – trotz der prognostizierten Baukosten von über 4,2 Millionen Euro. Bedenken kämen zudem vom Landesgesundheitsamt, das Baden im Neckar wegen der Wasserqualität für bedenklich halte.

Bauer führt den Erfolg im Sportausschuss trotz solcher Eintrübungen darauf zurück, dass die Studie aus seiner Sicht fundiert und überzeugend gewesen sei. Der beauftragte Gutachter Gunther Matthäus ist ein für solche Aufgaben bekannter Spezialist. Dazu kommt, dass die Vereinsspitze aus Ingenieuren und Juristen besteht, die Input lieferten. Bauer selbst ist Architekt.

Die Beziehung zum Fluss

Die Neckarwelle ist eine unter der Wasseroberfläche liegende Rampe, die die Strömung um das Vierfache beschleunigt und somit ein Surfen auf dem Seitenarm des Neckars ermöglichen würde. Die Neckarwelle soll mit den Baunebenkosten etwa 3,1 Millionen Euro teuer werden.

Dazu kommen laut Verein Kosten von rund 460 000 Euro, unter anderem für Sanitäranlagen und eine Terrasse. Die Betriebskosten werden auf jährlich 135 000 Euro geschätzt. Diese sollen über Mitgliedsbeiträge aufgebracht werden. Aktuell hat der Verein 300 Mitglieder – Tendenz steigend.

Bauer gibt sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat noch im ersten Quartal 2019 grünes Licht gibt. Dann könne die Welle, wie beabsichtigt, 2020 in Betrieb gehen. „Ich denke, der Gemeinderat hat erkannt, dass die Surfwelle eine größere Dimension hat als eine reine Sportstätte“, sagte Bauer. Stuttgart sei dabei, den Neckar für sich zu entdecken. Eine solche Attraktion sei die Chance, eine weitere Beziehung zum Fluss aufzubauen. ⇥Uwe Roth

Fahrgastzahlen fordern den VVS heraus

Südwest Presse, Uwe Roth, 25.10.2018

Insgesamt 40 Jahre gibt es den Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) schon. Doch in die Vergangenheit wird kaum geblickt, sondern in die Zukunft. Am 1. Oktober 1978 waren die ersten drei S-Bahn-Linien von Stuttgart (S1), Ludwigsburg (S2) und Weil der Stadt (S6) in Betrieb gegangen. Was übersichtlich mit wenigen S-Bahn-Zügen Fahrt aufnahm, umfasst heute einen Fuhrpark aus etwa 1700 Personentransportmitteln – S-Bahn-Triebwagen, Stadtbahnen, Dieseltriebwagen, Oberleitungsbussen, Zahnradtriebwagen, Standseilbahnwagen und Omnibussen. Im vergangenen Jahr legten sie zusammen 382 Millionen Fahrten zurück.

In den kommenden Jahren wird sich der VVS-Fuhrpark stark vergrößern. Der Verkehrsverbund vollzieht 2019 einen Wandel, der durchaus vergleichbar ist mit dem Jahr 1993, als auf den Monat genau vor 25 Jahren der VVS-Tarif von der Schiene auf den Busverkehr ausgeweitet wurde. Wegen der Neuerungen sprachen die Redner beim Festakt zur 40-Jahr-Feier vor allem über die Zukunft. Drohende Fahrverbote und rasant steigende Fahrgastzahlen fordern den Verkehrsverbund heraus, der von der Landeshauptstadt und den vier umliegenden Kreisen getragen wird. Gehen die Pläne zum Ausbau des ÖPNV-Angebots nicht auf, droht der Verkehrskollaps.

Aus 52 werden fünf Tarifzonen im VVS

Im Zuge der Tarifreform werden am  1. April 52 Tarifzonen durch nur noch fünf Ringzonen ersetzt. Die Fahrgäste werden um 42 Millionen Euro entlastet, heißt es beim VVS. Vor allem die Stuttgarter und die Stuttgart-Pendler profitieren: Sie sparen im Zentrum eine Zone. Unzählige Ticketautomaten müssen umgestellt werden. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler gibt sich entspannt: „Im Moment sind IT und die Administratoren gefordert.“

Der Busverkehr steht für Stammler auf der Agenda weit oben. Er verweist auf den Erfolg, den die Ausschreibung der 50 Linienbündel nach EU-Wettbewerbsrecht gebracht habe. „In allen Landkreisen sind die Angebote dadurch deutlich ausgeweitet worden“, stellt er fest. Bislang habe es einen Leistungszuwachs von zehn Prozent im Vergleich zu 2015 gegeben. „Und es wird in der Zukunft besser werden“, ist er überzeugt. Damit zu den Hauptverkehrszeiten die Drängelei in den Stadtbahnen und S-Bahnen aufhört, werden von 2021 an S-Bahnlinien über den Tag im 15-Minuten-Takt verkehren.

Landkreis Göppingen kommt in den VVS

Das VVS-Gebiet hat sich seit der Gründung des Verbunds wenig verändert. 2014 kam der Landkreis Göppingen sozusagen auf Probe dazu. Die vollständige Aufnahme soll nach langen Verhandlungen zum Ende des Jahres erfolgen. Doch noch hat der Kreistag der Vollintegration nicht zugestimmt. Der Leiter des Amtes für Mobilität und Infrastruktur beim Landkreis Göppingen, Jörg-Michael Wienecke, sagt: „Die zentrale Frage vor der Abstimmung wird sein: Können wir uns das Ganze leisten?“ Der jährliche Kostenanteil, der von Göppingen an den Träger des VVS, den Verband Region Stuttgart, gehen würde, wird auf drei bis fünf Millionen Euro geschätzt.

Weitere Landkreise werden in den kommenden Jahren aller Voraussicht nach nicht hinzukommen. „Aber es gibt einzelne Kommunen, die Interesse daran haben, sich am VVS zu beteiligen“, sagt Stammler. Auch Städte, die bereits im Verbund sind, verlangen nach individuellen Lösungen. So gibt es in Ludwigsburg seit August ein Stadtticket. Es ist eine Tageskarte für drei Euro, die fürs Stadtgebiet gilt. Insgesamt 16 Städte in der Region hätten an solch einem Ticket Interesse bekundet.

Abgesehen von solchen Entwicklungen wird sich das VVS-Gebiet in den kommenden Jahren öffnen müssen und ein Stück weit Eigenständigkeit verlieren: Von 2021 an sollen nach den Plänen der Landesregierung Fahrgäste landesweit gültige Fahrkarten über die Grenzen der Verkehrsverbünde hinweg vom Start bis zum Ziel lösen können.

Oper Stuttgart: Suche nach neuem Standort

Südwest Presse, Uwe Roth, 04.09.2018

Man könnte meinen, laute Überlegungen zum Bau einer neuen Philharmonie seien spätestens seit Hamburg ein Tabu. Doch der CDU-Fraktionsvorsitzende in Stuttgart scheut sich nicht, für die Landeshauptstadt ein solches Großprojekt vorzuschlagen. Alexander Kotz sieht die Chance, nach Stuttgart 21 für die Stadt ein neues, positives Kapitel aufzuschlagen: „Hamburg hat mit der Elbphilharmonie gezeigt, welch positive Wahrnehmung ein einzelnes Bauwerk international auslösen kann“, lobt der Vizepräsident der regionalen Handwerkskammer.

Er schlussfolgert daraus: „Wir in Stuttgart müssen zeigen wollen, dass so etwas auch bei uns, selbstredend im Kontext der Stuttgarter Maßstäbe, machbar ist.“

Kotz ist überzeugt, dass Stuttgart ein solches Projekt ohne siebenjährige Verspätung bei der Fertigstellung und elffache Kostensteigerung hinbekommt, wie es in der Hansestadt der Fall war. Der CDU-Politiker geht davon aus, „dass hier Kosten- und Bauzeitplanung für die Projektumsetzung Bestand haben.“

Oper ist stark renovierungsbedürftig

Hintergrund seines Vorschlags ist, dass in der Landeshauptstadt eine äußerlich durchaus noch ansehnliche, aber im Innern stark marode Oper steht. Das über 100 Jahre alte Bauwerk ist stark renovierungsbedürftig. Dazu muss es allerdings mehrere Jahre geschlossen bleiben. So lange aber soll das Publikum auf Aufführungen nicht verzichten müssen.

Vor allem das weltberühmte Ballett soll auf einer repräsentativen Bühne ohne Unterbrechung weiter tanzen können. Die Compagnie ist ein Besuchermagnet und somit eine wertvolle Einnahmequelle. Im Gegensatz zum Schauspielhaus nebenan, das mit Besucherschwund kämpft.

Kaum Platz für neuen Standort

Die Opernsanierung wird laut einem Sanierungsgutachten aus dem Jahr 2014 auf rund 300 Millionen Euro geschätzt. Allein eine neue Bühnentechnik kostet demnach 18 Millionen Euro. Die Kosten, die sich zu gleichen Teilen die Stadt und das Land teilen, sind nicht so sehr das Problem, das bislang einen Projektstart verhindert hat.

Der Grund ist vielmehr die Kessellage der Stadt mit ihren beengten Platzverhältnissen. Eine Bühne mit Zuschauerraum wäre irgendwo als Interimslösung im Stadtkern unterzubringen, nicht aber ein Haus mit Werkstätten und Kulissendepot. Dazu müsste die provisorische Oper an den Stadtrand verlegt werden. Das jedoch findet die Intendanz nicht gut. Sie fürchtet einen Rückgang der Zuschauerzahlen.

Die Stadtverwaltung glaubte eine Zeitlang, das optimale Gelände gefunden zu haben, das zumindest einigermaßen innenstadtnah ist: Das Paketpostamt zwischen Gleisvorfeld und Rosensteinpark hätte mit 35 000 Quadratmetern Nutzfläche ausreichend Platz. Doch als die Planer ihre Berechnungen zum Umbau vorlegten, überwogen die Molltöne.

Um aus der Post eine Oper zu machen, müssten etwa 116 Millionen Euro investiert werden. Die CDU reagierte entsetzt: „Für unsere Fraktion ist klar, ein reines Interim mit Kosten jenseits der 50 Millionen Euro ist nicht zu vertreten“, so Fraktionschef Kotz. So entstand die Idee, die Interimsoper später durch eine Philharmonie weiter zu nutzen. „Dafür besteht eine echte dauerhafte Nachfrage“, ist er überzeugt.

Ministerpräsident macht Druck

Wo eine Interimslösung mit integrierter Nachnutzung gebaut werden könnte, das soll die „Task Force Oper“ herausfinden, die Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) im Mai eingerichtet hat. Sogar Ministerpräsident Winfried Kretschmann macht inzwischen Druck. „Es sind schwierige Fragen, die geklärt werden müssen. Unter anderem, ob die Ersatzspielstätte ein Provisorium ist oder eine Nachnutzung geplant ist“, sagte Kretschmann der Nachrichtenagentur dpa. Den nötigen Bauplatz für eine Zwischenlösung müsse Stuttgart liefern.

Die Task Force ist im Rathaus auf höchster Führungsebene angesiedelt. „Zwischenergebnisse gibt es noch nicht“, teilt eine Rathaussprecherin mit. Oberbürgermeister Kuhn kündigte an: „Im Herbst werde ich das Land, die Intendanten und den Gemeinderat über die Vorschläge der Task Force Oper informieren. Wir haben dazu viele bekannte und unbekannte Standorte untersucht.“

Es wird öffentlich spekuliert über Standorte wie ein Areal bei der Liederhalle, darunter ein Parkplatz vor dem Finanzamt am Rotebühlplatz und ein Grundstück, das bisher als Kohlelager am Kraftwerk Gaisburg diente. Nicht ausgeschlossen wird, dass die Oper ins Musicalzentrum nach Möhringen ziehen könnte.

Infokasten

Letzte Renovierung liegt schon Jahre zurück

Die Oper ist in den Jahren 1909 bis 1912 nach den Plänen von Max Littmann gebaut worden. Angeschlossen war ein Schauspielhaus, das im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde. Das Schauspiel erhielt 1962 ein separates Gebäude gleich nebenan. Es hieß Kleines Haus, die Oper Großes Haus. 2001 erfolgte die Umbenennung.

In den 1980er Jahre wurde die Oper mit 1400 Zuschauerplätzen letztmals grundlegend renoviert. Bekannt ist das Staatstheater wegen seines Balletts. Neben dem Staatstheater hat Stuttgart sechs große Privattheater und etwa 20 kleinere Häuser. Zusammen bieten Theater 700 Vorstellungen im Monat. uro