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Ludwigsburg: „Abgefahren – nachhaltig unterwegs“

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 29.04.2019

Das Interesse der Passanten an Zweirädern war am Samstagvormittag in Ludwigsburg definitiv größer als das an Vierrädern. Die zum Mobilitätstag entlang der Mathildenstraße präsentierten Elektroautos verschiedener Händler fanden allenfalls mäßiges Interesse.

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Fahrassistenzsysteme in einem Lkw. Foto: uwe Roth

Lkw-Fahrer und ihre Vorbehalte gegen Fahrassistenzsysteme

BG Verkehr „Sicherheitsprofi“, Uwe Roth, 01.03.2019

Fahrerassistenzsysteme haben bei manchen Profi-Lkw-Fahrern leider immer noch einen schlechten Ruf. Ein Fahrlehrer berichtet, wie er von Anfang an Überzeugungsarbeit leistet.

Manchmal brauchen Trucker drastische Bilder, um nachdenklich gestimmt zu werden: „Stellen Sie sich einen Feuerwehrmann vor“, sagt Fahrlehrer Rainer Sofka seinen Kursteilnehmern. „Der hat eine volle Ausrüstung und stürmt trotzdem nur in Unterhose bekleidet in ein brennendes Haus.“ Verständnislose Blicke. Sofka erklärt: Dieses unsinnige Verhalten sei vergleichbar mit einem Lkw-Fahrer, der seinen Notbremsassistenten abschalte, weil er sich von diesem Gerät fremdbestimmt fühle. Ein Zuhörer bekennt, dass er sich mit der in seinem Lkw verbauten Technik bis jetzt nicht im Detail beschäftigt habe.

Fahrerassistenzsysteme entmündigen nicht

Jörg Hartmann sagt im anschließenden Gespräch, es sei Quatsch, dass solche Systeme Fahrer entmündigten. Hartmann ist Chef der gleichnamigen Fahrschule in Plochingen südlich von Stuttgart, Marktführer in Baden-Württemberg für Aus- und Weiterbildung von Lkw- und Busfahrern. „Der Fahrer kann jederzeit das Geschehen kontrollieren“, bekräftigt er. „Das System greift erst aktiv ein, wenn der Fahrer bis kurz vor dem Aufprall nicht reagiert. Bis dahin wird der Fahrer optisch und akustisch vor einer drohenden Gefahr gewarnt.“

Vorurteile bei Lkw-Fahrer abbauen

Hartmann muss es wissen. Zu seinem aus sieben Lkw und zwei Bussen bestehenden Fuhrpark gehört ein Mercedes-Benz Actros 2540, der über einen Notbremsassistenten verfügt, der stehende Fahrzeuge und auch Fußgänger erkennt. Es ist der Active Brake Assist 4. Neben einem Abstandsregeltempomaten und Spurhalteassistenten gehört zudem ein Abbiegeassistent zur Ausstattung. Hartmann war in Deutschland der Erste, der Sensoren am Fahrschul-Lkw hatte, die Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel registrieren und dies mit einem schrillen Piepton dem Fahrer melden. „Jeder unserer Fahrschüler wird an diesen Systemen ausgebildet“, sagt er. „Wir wollen ihnen zeigen, was der Markt kann.“

Im Theorieunterricht allerdings werde insbesondere der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control/ACC) von manchem Kursteilnehmer immer noch „hinterfragt.“ Die dagegen vorgebrachten Gründe nennt der Chef der Fahrschule „fadenscheinig“. Die Schüler kennen seiner Beobachtung nach oft die neueste Technik nicht, dafür aber längst beseitigte Anfangsschwächen. So werde fälschlicherweise argumentiert, dass der Lkw jedes Mal automatisch bremse, wenn vor ihm ein Fahrzeug einschert. Der Assistent bremst aber nur, wenn der eingestellte Abstand dauerhaft unterschritten wird und nicht, wenn das eingescherte Fahrzeug beschleunigt oder die Fahrbahn verlässt.

„Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“

Jörg Hartmann

Jüngere Fahrer sind weniger skeptisch Die Akzeptanz von Assistenzsystemen ist in vielen Fällen vom Alter der Kursteilnehmer abhängig, beobachten die Fahrlehrer. Besonders in Weiterbildungskursen, an denen ältere Lkw-Fahrer teilnähmen, die sich selbst als sehr erfahren bezeichneten, werde die Technik gerne kritisiert. Jeder Dritte verzichte sogar auf den Sicherheitsgurt, um das vermeintliche Gefühl der Truckerfreiheit zu spüren. Der Elektronik die Regelung der Geschwindigkeit zu überlassen, werde als Gängelung empfunden, die wertvolle Fahrzeit koste. „Die Zeiteinsparung wird maßlos überschätzt“, hält Hartmann dagegen. „Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“ Lkw- und Busfahrer unterscheiden sich seiner Erfahrung nach in diesem Punkt kaum.

Junge Leute mögen keine Technik von gestern

Häufig hänge die Aufgeschlossenheit davon ab, welche Systeme ein Fahrschüler in seinem Privatwagen nutze. „Wer ein modernes Auto hat, ist gegenüber Assistenzsystemen aufgeschlossener“, sagt Fahrlehrer Franz-Peter Dick. Mancher Fahranfänger sei schlicht überfordert, wenn ein Hebel drei Funktionen habe. „Zu Beginn ist der Fahrschüler mit der Größe seines Fahrzeugs beschäftigt.“ Da werde es subjektiv als Erleichterung empfunden, sämtliche Assistenzsysteme abschalten zu können – sogar die vorgeschriebenen. Wer jedoch mit der Playstation aufgewachsen sei, „der hat die Technik schnell im Griff“. Hartmann bestätigt: „Je jünger, umso affiner. Junge Leute mögen keine Technik von gestern.“

Technisch auf dem neuesten Stand Die Fahrschule Hartmann hat einen mobilen Fahrsimulator. Fast 900.000 Euro hat der Lkw-Anhänger mit der gesamten Computertechnik gekostet. Die Software kann Notfallsysteme simulieren. Gefahrlos testen die Fahrschüler aus, was die Technik in extremen Situationen kann und was passiert, wenn sie ausgeschaltet ist. „Das öffnet manchem die Augen.“

Fahrer sind ein „großer Schatz“

„Die großen Hersteller bieten ausgereifte Systeme an, die auch nicht die Welt kosten“, sagt Dick. Ein Auffahrunfall sei teurer. Hartmann ergänzt, früher sei für einen Unternehmer der Fuhrpark „sein größter Schatz“ gewesen. „Heute sind es seine Fahrer.“ Der Verlust eines guten Fahrers „tut unendlich weh“. Was das bedeutet, können die Fahrschüler an diesem Tag in den Nachrichten hören. Zwei tragische Unfälle hat es am Morgen im Raum Stuttgart gegeben, in die zwei Lkw verwickelt waren und bei denen ein Fahrer starb. In einem Fall knallte das Fahrzeug auf der Autobahn auf ein Stauende. Ein moderner Notbremsassistent hätte den Lkw mit Sicherheit rechtzeitig zum Stehen gebracht. Uwe Roth Journalist

Berufspendler nutzen die S-Bahn. Quelle: VVS

Schienenverkehr: Im Stuttgarter Netz drohen Probleme

Südwest Presse, Uwe Roth, 21.02.2019

Von Juni an soll die private Bahn Abellio Strecken übernehmen. Doch die neuen Züge werden nicht rechtzeitig geliefert.

 

Auf der Internetseite von Abellio Rail Baden-Württemberg ist noch alles im Zeitplan: Am 19. Juni, heißt es da, werden drei Strecken jeweils von Stuttgart nach Bad Wildbad, Heidelberg und Bruchsal in Betrieb genommen. Noch im Dezember wird das Liniennetz bis Mannheim erweitert, kündigt das Tochterunternehmen der niederländischen Staatseisenbahn am Donnerstag an. Ein halbes Jahr später, also im Juni 2020, soll die Übernahme der DB Region-Strecke von der Landeshauptstadt nach Tübingen abgeschlossen sein. Die Linien (siehe Grafik) werden im Regionalnetz Neckar verkehren. 52 Elektrotriebzüge des Typs Talent 2 vom Eisenbahnhersteller Bombardier sind dafür eingeplant.

Europäische Normen machen Probleme

Doch ob Abellio in Baden-Württemberg so schnell die „Qualitätsführerschaft auf der Schiene“ erreicht, wie es in der Eigenwerbung heißt, darf bezweifelt werden. Denn Bombardier hat Probleme bei der Lieferung bestätigt: „Bedauerlicherweise stehen im Juni nicht die für die erste Lieferung vereinbarten 16 Fahrzeuge zur Verfügung stehen“, sagt Unternehmenssprecher Andreas Flórez. Es sei aber geplant, „mindestens zehn Züge betriebsbereit zu übergeben“. Als Gründe nennt er Probleme mit der Software. Neue europäische Normen in die Computerprogramme einzubinden, sei zu einer komplexeren Aufgabe geworden als erwartet.

Flórez versichert, dass an einem Aufholprogramm gearbeitet werde. Im Juli sollen zehn der geplanten 16 Züge geliefert werden. Das teilte Dietmar Knerr, Geschäftsführer Abellio Rail Baden-Württemberg, in einer Pressekonferenz mit. Man rechne damit, dass die restlichen Fahrzeuge zwei bis drei Monate später auf die Schienen können.

Übergangslösungen mit Ex-Betreibern

Bis dahin muss Plan B, wie ihn Knerr nennt, greifen. Abellio führe Gespräche mit anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Leihfahrzeugen, so Abellio-Sprecherin Hannelore Schuster. „Zudem stehen wir im Austausch mit der Deutschen Bahn und prüfen verschiedene Optionen. So auch die Möglichkeit, dass DB Regio den Betrieb auf der Verbindung Stuttgart-Mühlacker-Pforzheim/Bruchsal-Heidelberg kurzzeitig fortführt.“ Wie die Übergangslösung konkret aussehen kann, muss geklärt werden. Auch die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft soll Abellio unter die Arme greifen.

Sollte Plan B so klappen, wie es sich alle Beteiligten vorstellen, dann seien Fahrgäste kaum von den Lieferproblemen betroffen. „Zum Beispiel für die Fahrt von Pforzheim nach Stuttgart hatten wir eigentlich einen Zug mit 326 Sitzplätzen eingeplant“, so Knerr. Solange die neuen Fahrzeuge noch nicht da sind, werden in dem Ersatz-Zug nur 273 Plätze zur Verfügung stehen.

Hersteller Bombardier hat Lieferprobleme

Verkehrsminister Winfried Hermann hörte auf einer Dienstreise im kanadische Waterloo im letzten Jahr schon mal von den Lieferproblemen bei Bombardier. „In Waterloo hatten sie ein komplettes neues Netz aufgebaut, aber mussten ein Jahr lang auf die Züge warten. Die Kanadier haben das aber locker weggesteckt“, erzählt er. Damals habe er noch darüber gewitzelt, jetzt steckt das Land selbst in der Patsche.

Wieso hat sich Abellio für einen Hersteller entschieden, der sich bisher nicht als zuverlässig erwiesen hat? „Bombardier hat behauptet, alle Fahrzeuge rechtzeitig zu liefern“, sagt Knerr. Erst im Januar, als kein Plan über den Baufortschritt geliefert wurde, machte sich das Unternehmen Sorgen. Auf Anfrage habe Bombardier dann die Hosen heruntergelassen, wie Knerr sagt. Für die Hersteller-Wahl habe damals bei der Ausschreibung auch das wirtschaftlich beste Angebot von Bombardier gesprochen.

Man habe den Prozess bei Bombardier stets eng begleitet, fügt Hermann hinzu und wehrt sich damit gegen eine Behauptung des verkehrspolitischen Sprechers der SPD-Landtagsfraktion, Martin Rivoir.  Er wirft Hermann vor, er habe wegen mangelnder Kontrolle des Lieferanten versagt.

Bei Go-Ahead läuft alles reibungslos ab

Der zweite neue Betreiber in Baden-Württemberg, die Go-Ahead Verkehrsgesellschaft, kann hingegen im Juni wohl pünktlich mit seinen Fahrzeugen an den Start und auf die Schienen gehen. Von Lieferverzug ist nichts bekannt.

Die Züge befahren die Strecken Stuttgart-Crailsheim und Stuttgart-Geislingen-Ulm sowie Stuttgart-Würzburg und Stuttgart-Aalen.

Statt auf Bombardier setzt das britische Tochterunternehmen auf den Schweizer Schienenfahrzeug-Hersteller Stadler. uwo

Foto: Uwe Roth

CMT: Radtourismus ist der Renner

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 14.01.2019

Tagesausflügler und Radreisende lassen den Tourismus im Landkreis Ludwigsburg wachsen. Auf der Urlaubsmesse CMT, die am Samstag in der Landesmesse am Stuttgarter Flughafen begonnen hat, werben die Kommunen kräftig um solche Kurzzeitgäste. In der Gastronomie und Hotellerie gehören eine Lademöglichkeit fürs Pedelec inzwischen zu einem selbstverständlichen Service wie freies W-Lan.

Für den Tagestourismus ist ein Anschluss an einen regionalen Radwanderweg von ebenso großer Bedeutung geworden wie eine Haltestelle im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS). Ins 3B-Land kommen Gäste zudem über den Karlsruher Verkehrsverbund (KVV). Erneut haben die 3B-Kommunen Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim und Besigheim in der Baden-Württemberg-Halle 6 einen Gemeinschaftsstand zusammen mit dem Kraichgau-Stromberg Tourismus und der Stadt Bruchsal. Eigentlich müsste es jetzt 3B-und-F-Land heißen: Freudental hat sich zum Jahresbeginn der Tourismus-Kooperation angeschlossen.

Das 3B-Tourismus-Team wird von Eric Reiter geleitet. Er ist am Eröffnungstag ebenfalls am Stand und stellt fest, dass vermehrt Tagestouristen aus ganz Baden-Württemberg das Gebiet an Enz und Neckar ansteuern. Die kommen immer öfter auf zwei Rädern statt mit dem Auto. „Radfahren ist wahnsinnig angesagt“, sagt der Tourismuschef. Besigheim profitiere wegen der Kreuzung zweier Landesradfernwege sowie seiner exponierten Lage besonders. Abseits der Flusstäler nimmt der Radtourismus ebenfalls zu. Der Elektroantrieb bringt ältere Radfahrer in höhere Lagen, die sie zuvor mit einem konventionellen Rad oder zu Fuß nie erreicht hätten. So profitieren nach seiner Beobachtung Freudental und Bönnigheim ebenfalls vom Boom der Tagesausflügler.

1000 Schnäpsle am Tag

In Bönnigheim können sie zum Beispiel das Schnapsmuseum besuchen. Was es dort zu probieren gibt, zeigt Museumsleiter Kurt Sartorius am Samstag: Acht verschiedene Schnäpse und Liköre hat er zum Stand gebracht. Etwa 1000 Proben, so schätzt er, gehen über den Tag weg. Der Renner sei ein Pflaumen-Sahne-Likör, der allein wegen seiner knallpinken Farbe die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Dass Erlebnisangebote Touristen anziehen, weiß man auch in der Stadt Vaihingen. Dort sind Stocherkahnfahrten „der absolute Renner“, wie Isolde Dürr vom Kultur- und Touristikbüro sagt. Solche Touren auf der Enz bringen ganze Gruppen in die Stadt – sehr zur Freude der Gastronomie. Die Tourismusmanagerin hat zum ersten CMT-Tag die Bonbonfabrik Jung „mitgebracht“. Dass es ein Bonbonmuseum gibt, macht die Stadt für Familien attraktiv, deren Kinder kein so großes Interesse an der Erkundung der historischen Altstadt haben.

Da hat es der Erlebnispark Tripsdrill einfacher. Er ist traditionell ebenfalls mit einem kleinen Stand auf der Messe vertreten. Wenn der Park am 6. April Saisoneröffnung hat, wird es einen neuen Erlebnisspielplatz geben. „Er wird eine Größe von 1400 Quadratmetern haben und ein Angebot auch für kleinere Kinder sein“, sagt Alexander Portmann vom Marketing. Auf der CMT zieht ein Glücksrad die Besucher an. So muss sich Tripsdrill neben dem großen Baden-Württemberg-Freizeitpark Rust nicht verstecken.

Die Stadt Ludwigsburg hat es etwas schwerer, Messebesucher auf ihren Stand aufmerksam zu machen. Blickfang ist erwartungsgemäß das Barockschloss. Doch das wird schon kräftig und großflächig am Stand der Schlösser und Gärten beworben. Sabine Lein und ihre Kollegin Tabea Müller vom Stadtmarketing werben besonders für die Stadtführungen. Neu ist die Stadtführerin Fräulein Henriette, die viel über die Geschichte der Bärenwiese zu erzählen hat. Neu ist ebenfalls eine kombinierte Führung durchs Schloss und durch die Innenstadt. Die B27 ist das größte Hindernis zwischen den beiden Barockattraktionen. Ein solches Angebot könnte helfen, die Gäste nach einem Besuch des Blühenden Barocks auf den Marktplatz zu locken. Ein neues Tourismuskonzept, das die Blicke der Tagestouristen verstärkt auf die Innenstadt lenken möchte, will die Stadt Ende des Monats vorstellen.

Die Urlaubsmesse CMT findet in diesem Jahr vom 12. bis 20. Januar auf dem Stuttgarter Messegelände statt und ist für die Besucher wochentags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende von 9 bis 18 Uhr, geöffnet.

In den kommenden Tagen werden noch weitere Repräsentanten am 3B-Stand anzutreffen sein. Die Weingärtnergenossenschaft Stromberg-Zabergäu wird am 17. und 18. Januar vor Ort sein, die Felsengartenkellerei Besigheim am 19. und 20., das Bietigheim-Bissinger Weingut Stephan Muck am 14. sowie die Weinkellerei Kölle aus Bönnigheim am 15. und 16. Januar.

Die Stadt Sachsenheim wir sich am Sonntag, 20. Januar, in der Halle 6 (Oskar-Lapp-Halle) am Stand 6F36 des Kraichgau Stromberg Tourismus (KST) präsentieren. Die Stadt wird in diesem Jahr repräsentiert durch die Weinbaubetriebe Keller aus Hohenhaslach und Vollmer aus Spielberg. bz/uro

Fahrverbote für Diesel – Ungewissheit bei Händlern

Zeitungsverlag Waiblingen, Uwe Roth, 12.01.2019

Waiblingen. Wer sich einen neuen Diesel anschaffen möchte, muss sich an der aktuellen Abgasnorm Euro 6 d Temp orientieren: Nur damit ist er vor Fahrverboten einigermaßen dauerhaft sicher. Seit Januar gelten im Stuttgarter Stadtgebiet Verbote für Dieselmotoren der Schadstoffklassen 1 bis 4, Klasse 5 soll im nächsten Jahr folgen. Autohändler im Kreis sprechen ungern über die Lage.

Die Verfügbarkeit moderner Dieselfahrzeuge ist bei den Autohändlern im Landkreis ein heißes Eisen. Nur wenige angefragte Händler wollen Auskunft geben, ob Modelle mit der neuesten Abgasnorm Euro 6 d Temp derzeit überhaupt lieferbar sind und was sie von der Möglichkeit zur Nachrüstung der nicht mehr so aktuellen Dieselmotoren halten.

Die Hahn-Gruppe mit Sitz in Fellbach ist der größte VW-Händler in der Region. Wie es um den aktuellen Dieselfahrzeug-Bestand in den Ausstellungsräumen steht, war nicht zu erfahren.

„Kaufen! Das ist die richtige und zukunftssichere Botschaft“

Marcus Stein, Geschäftsführer Opel staiger

Weniger zögerlich zeigen sich Opel-Häuser. Geschäftsführer Marcus Stein vom Stuttgarter Autohaus Staiger Opel sieht sich in einer komfortablen Situation: „Opel hat sehr früh und sehr gründlich die Hausaufgaben erfüllt“, sagt er. Seine Kundenberater in der Waiblinger Filiale geben Neuwagen-Interessenten jedenfalls eine klare Botschaft: „Kaufen! Das ist die richtige und zukunftssichere Botschaft“, lautet die Anweisung des Geschäftsführers.

84 verschiedene Modelle quer durch die gesamte Opel-Palette seien derzeit verfügbar, so die Information an die Kunden. Bereits im Mai haben nach seinen Angaben 54 Opel-Modelle die Norm erfüllt. Als Beispiele zählt Stein auf: Karl, Adam, Corsa, Astra, Insognia, Cascada, Mokka X, Crossland X, Grandland X und den Combo.

In der Ausstellung stehen schon Fahrzeuge mit neuer Norm

Auch Mercedes-Händler wollen mögliche Käufer nicht enttäuscht nach Hause schicken. Während das Handelsunternehmen Burger-Schloz-Automobile in Schorndorf die Fragen nach der Verfügbarkeit unbeantwortet lässt, ist das Autohaus Lorinser in Waiblingen weniger verschlossen. Verkaufsleiter Julian Koerver stellt fest: „Bei Mercedes-Benz wurden nahezu alle Fahrzeuge bereits nach Euro 6 d Temp zertifiziert.“ Diese Modelle seien bestellbar und würden ausgeliefert. „In der Ausstellung haben wir bereits viele nach Euro 6 d Temp zertifizierte Fahrzeuge stehen.“ Alle kommenden Fahrzeuge seien zertifiziert. Nach dem Gesetzgeber müssen ab dem 1. September 2019 alle neu zugelassenen Pkw die Abgasnorm Euro 6 d Temp erfüllen. Neuwagen mit Euro 6 b dürfen seit dem 1. September vergangenen Jahres nicht mehr zugelassen werden.

Bei der Nachrüstung ist noch vieles unklar

Das Thema Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit älterer Euro-Norm bereitet den Händlern dagegen Kopfzerbrechen. Opel-Autohausgeschäftsführer Stein sagt: „Herstellerübergreifend ist das ein sehr komplexes Thema. Wir wünschen uns die Möglichkeit einer Nachrüstung alle sehr. Sie gibt es aber nicht. Und sie wird es vorläufig nicht geben“, ist er überzeugt.

Bisher gebe es nur Prototypen für eine Handvoll Fahrzeugmodelle. „Es gibt keinerlei Langzeittests. Die Prototypen wurden nicht von den Herstellern, sondern von Drittanbietern entwickelt.“

Problematisch seien insbesondere Gewährleistungsfragen. Um es zu verdeutlichen, formuliert er die Frage nach der Haftung so: „Wer wäre bei einem Motorschaden zum Beispiel nach neun Monaten nach Einbau einer Nachrüstlösung haftbar?“ Die Darstellung, die Hersteller drückten sich vor dieser Aufgabe, nennt er „wirklich Quatsch“. Die Entwicklung, die notwendigen Tests und die Validierung benötigen nach seinem Wissen mindestens 18 bis 24 Monate.

Diesel für Vielfahrer weiterhin erste Wahl

Im Mercedes-Autohaus Schloz fällt die Auskunft darüber knapp aus: „Sobald es Nachrüstmöglichkeiten gibt, werden die Kunden entsprechend informiert“, so Koerver. Der Verkaufsleiter ist sich sicher, dass der Diesel weiter gefragt sein wird. Für Vielfahrer sei der Diesel immer noch „meistens die erste Wahl“.

Geschäftsführer Stein sieht es für Opel ähnlich: „Grundsätzlich hängt die Wahl des Antriebs sehr vom persönlichen Nutzungsverhalten ab. Für Vielfahrer sind die modernen Diesel – auch ökonomisch – noch immer die richtige Wahl“, sagt er.

Für Fahrleistungen unter 20 000 Jahreskilometern kommen nach Einschätzung von Stein eher Benziner infrage – für die Mobilität in urbanen Bereichen dagegen rät er eher zu Hybridantrieb oder einem Elektroauto. „Sofern der Kunde eine Lademöglichkeit schaffen kann.“

ÖPNV: Beschluss ohne Gegenstimmen

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 10.01.2019

Zahllose Sitzungsstunden mit zeitweise heftigen und zermürbenden Diskussionen um den besten öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) für die Stadt liegen hinter den Ludwigsburger Gemeinderäten.

Nun ist am Dienstag in einer Sondersitzung des Bauausschusses ein entscheidender Beschluss in völlig harmonischer Stimmung und ohne Gegenstimme über die Bühne gegangen: Die Stadt wird gemeinsam mit dem Landkreis in die konkrete Planung für eine Niederflurbahn sowie ein BRT-System einsteigen. Dafür ist in letzter Minute ein Beschlussvorschlag erarbeitet worden, der inhaltsgleich am Montag in den Umwelt- und Technikausschuss des Kreistags eingebracht wird (die BZ berichtete). Da die Kreistagsfraktionen in die internen Vorberatungen der Gemeinderäte einbezogen waren, wird damit gerechnet, dass das Kreisgremium der Vorlage ebenfalls zustimmen wird.

Danach wäre tatsächlich der Weg frei, dass sowohl der Gemeinderat als auch der Kreistag in ihren nächsten Sitzungen einen Schlusspunkt hinter die 20 Jahre dauernden Vorberatungen setzen können.

Zahlreiche Bürger anwesend

In dem vergleichsweise kleinen Sitzungsaal im Rathaus, in dem zahlreiche Bürger die entscheidende Abstimmung verfolgten, herrschte eine geradezu feierliche Stimmung. Es fielen die gängigen Begriffe, die die Tragweite eines Ereignisses unterstreichen sollten: Vom Gordischen Knoten, der nun gelöst sei, war in der Stellungnahme des Grünen-Ratsmitglieds Armin Haller die Rede. Der Meilenstein, der nun erreicht sei, wurde mehrmals von den Rednern bemüht.

Konfrontation wird zu Einigung

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec sah „die historische Chance für Ludwigsburg“. Die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins schien nicht so recht zu glauben, was in den wenigen Tagen zwischen totaler Konfrontation mit dem Landkreis und der jetzigen Einigung passiert ist: „Die abgestimmten Vorlagen sind eine tolle Sache. Vor Jahresende habe ich mir nicht vorstellen können, dass es dazu kommt“, sagte sie.

Liepins zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass es weiterhin „heftige Diskussionen geben wird“. Auch in den Beiträgen der anderen Fraktionen klang bei genauerem Hinhören Skepsis an. Grünen-Politiker Haller wollte dem OB sogar ein Versprechen abringen, dass dieser „die Stadtbahn aktiv unterstützen wird“. Spec gilt bei den Grünen und der SPD als klammheimlicher Kritiker einer Schienenlösung für die Stadt. „Betrachten Sie uns Grüne nicht als Gegner“, beschwor Haller den Rathauschef. So lange Spec sich an die Absprachen halte, könne er sich auf die Grünen verlassen.

CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann, der zugleich Kreistagsmitglied ist, deutete an, dass mit dem Beschluss beim Landkreis längst nicht alles in trockenen Tücher sei: „Der Kreis tritt in die Planung ein – nicht mehr und nicht weniger“, äußerte er sich in der Ausschusssitzung am Dienstagabend. Auch bei den Kosten werde die CDU den Verantwortlichen in den Verwaltungen genau auf die Finger schauen, kündigte Herrmann an, und „gegebenenfalls gegensteuern“. Die Verdoppelung der Kosten für die Strohgäubahn auf über 50 Millionen Euro sei ein warnendes Beispiel.

Stadtticket-Erfolg weckt Interesse weiterer Gemeinden

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 18.12.2019

Ein günstiges Stadtticket wie in Ludwigsburg könnte den Bürgern in Bietigheim-Bissingen ebenso gefallen. Im Workshop der Stadt zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor zwei Wochen hätten Teilnehmer den Wunsch nach einer Flatrate fürs Busfahren geäußert, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich scheint das für einen Tag gültige Stadtticket, das in der Kreisstadt nach langer und zäher Diskussion im August eingeführt worden war, zu einem Erfolg zu werden.

Nach Angaben des VVS ist das Ludwigsburg-Ticket zwischen August und September rund 70 000 Mal verkauft worden. Das sei beachtlich, da diese Ferienmonate gewesen seien und zudem wenig Werbung für den neuen Tarif gemacht worden sei. Im Zeitraum von August bis Oktober hätten die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Fahrgastzuwachs von elf Prozent verzeichnet. Etwa 45 000 zusätzliche Fahrgäste seien seither gezählt worden. Das wird vor allem auf die Preissenkung für Stadtfahrten zurückgeführt.

Zuschuss über 700.000 Euro

Die SPD-Fraktion im Ludwigsburger Gemeinderat, auf deren Initiative die Einführung zurückgeht, hatte ursprünglich ein Ein-Euro-Ticket gefordert. Daraus sind drei Euro geworden. Das Gruppenticket für bis zu fünf Personen kostet jetzt sechs statt wie vor der Einführung 12,30 Euro. Bislang hält es einen Anteil von fünf Prozent am Stadtticket-Verkauf. Die Vermarktung wird über den VVS gesteuert.

Zwar ist das Ticket am Automaten und ebenso über die VVS-App erhältlich, doch fast alle Fahrscheine werden direkt beim Busfahrer gekauft, beobachtet man beim VVS. Da der Verkauf trotz der Fahrgastzuwächse nicht kostendeckend ist, schießt die Stadt im kommenden Jahr laut ihrem Haushaltsplan bis zu 700 000 Euro zu.

Die Gestaltung des Stadttickets hat sich inzwischen zum Ludwigsburger Modell entwickelt, das immer mehr Interessenten findet. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler stellt fest: „Es gibt inzwischen viele Städte in der Region, die für ihre Gemarkung einen eigenen Stadttarif anbieten und ihren innerstädtischen Busverkehr für ihre Bürger noch attraktiver machen wollen. Wir finden das gut.“

Ziel: Autoverkehr reduzieren

Dadurch werde zum einen der Autoverkehr auf den meist stark befahrenen Straßen reduziert. Zum anderen entlasteten Tagestickets den Busfahrer beim Verkauf. Die Schlangen würden kürzer, und der Bus könne pünktlicher weiterfahren. „Künftige Stadttickets sollten nach demselben Muster wie Ludwigsburg gestaltet werden“, bekräftigt Stammler nach den Erfahrungen der vergangenen fünf Monate.

Im Landkreis Ludwigsburg besteht nach Kenntnissen des VVS neben Bietigheim-Bissingen unter anderem in Besigheim, Kornwestheim und Remseck Interesse an einem solchen Tarif. In Bietigheim-Bissingen, wo die SPD-Gemeinderatsfraktion im Jahr 2015 einen ersten Antrag für die Einführung eines solchen Tickets – erst einmal ohne Erfolg – gestellt hat, ist nun wieder der Gemeinderat am Zug, wie die Rathaussprecherin mitteilt. Der müsse nach den Workshops und der Aufbereitung aller Ideen durch die Experten entscheiden, was konkret unternommen werde. Dazu zähle eine Entscheidung über „ein wie auch immer geartetes Stadtticket“. Außer Ludwigsburg gebe es in Reutlingen das 365 Euro-Jahresticket. Diese Modellprojekte seien zeitlich begrenzt und stünden seitens der Stadt unter Beobachtung. „Wir führen mit dem VVS Gespräche, was solche Modelle in Bietigheim-Bissingen kosten würden“, heißt es im dortigen Rathaus.

Um eine Entscheidung treffen zu können, sei es ausschlaggebend, die Höhe der Zuschüsse aus dem Haushalt zu kennen. Das werde parallel zu den Beratungen des Verkehrsentwicklungsplans 2030 (VEP) vorbereitet, sagt die Rathaussprecherin.