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Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Blühendes Barock: Tulpen auf dem Kartoffelacker

Südwest Presse, Uwe Roth, 23.03.2019

Das Blühende Barock hat zwei Anlässe zum Feiern: die 65. Ausgabe der Gartenschau und der 60. Geburtstag des Märchenparks. Der Direktor setzt auf ein bewährtes Programm mit Neuheiten. Von Uwe Roth

Die Natur ist im Jubiläumsjahr vorgeprescht. „Fast zu schnell“ haben aufgrund der warmen Vorfrühlingstage Tulpen und Narzissen ihre Blüten geöffnet, befand Volker Kugel, Direktor des Blühenden Barocks, bei der 65. Saisoneröffnung in Ludwigsburg. Allein vor der Südfassade des Barockschlosses blühen bereits seit Tagen 60 000 Pflanzen in voller Pracht. Sie haben ihre ersten Wochen im Gewächshaus verbracht und hätten sich mit dem Öffnen der Blütenblätter für die kommenden Besucher etwas mehr Zeit lassen können. Doch die Sonne war zu verlockend.

Im Jubiläumsjahr erinnern die Veranstalter an die Anfangszeiten: In der Nachkriegszeit war der heute prachtvolle Südgarten ein Kartoffel- und Gemüseacker. Die hinteren Ecken des weitläufigen Schlossparks waren ein Dickicht wild wuchernder Eschen und galten damals als Rückzugsgebiet lichtscheuer Gestalten. In den Wirtschaftswunderjahren wurden diese Teile des Parks in eine neue landschaftsgärtnerische Ordnung gebracht.

Drei Kilometer lange Rundwege

Kugels Vorgänger Albert Schöchle, der zugleich Direktor der Stuttgarter Wilhelma war, machte aus der städtischen Wildnis eine Landesgartenschau, die am 23. April 1954 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die erste Gartenschau Deutschlands ist zu einer Dauereinrichtung geworden. Fünf Jahre später, am 16. Mai 1959, wurde sie mit dem Märchengarten um viele Attraktionen erweitert. Somit feiert die „Blühendes Barock Gartenschau Ludwigsburg GmbH“ in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen.

Was in den Anfangsjahren für Besucher überschaubar war, verteilt sich heute auf über 30 Hektar, die auf einem drei Kilometer langen Rundweg erkundet werden können. Die Gärtner haben in den vergangenen Wochen das Parkgelände zum Saisonstart mit über 350000 Frühlingsblühern bestückt.

Blühendes Barock lockt mit bewährtem Jahresprogramm

2018 haben es 600 000 Tagesgäste besucht. Dazu kamen 43 000 Dauerkartenbesitzer. Gartenchef Kugel zeigte sich überzeugt, diese Zahlen in diesem Jahr wieder zu erreichen. Er setzt dabei auf ein bewährtes Jahresprogramm mit Kürbis-Ausstellung, Straßenmusikfestival, Sandkunst und Musikfeuerwerk.

Saisoneröffnung 2019: Frühlingsblumen vor der Südfassade des Barockschlosses Ludwigsburg. Nach dem Krieg wuchsen dort Kartoffeln. Foto: Uwe Roth
Saisoneröffnung 2019: Frühlingsblumen vor der Südfassade des Barockschlosses Ludwigsburg. Nach dem Krieg wuchsen dort Kartoffeln. Foto: Uwe Roth

Aus Heilbronn war Oberbürgermeister Harry Mergel in den Schlossgarten gekommen. Seine Anwesenheit bei der Jubiläumseröffnung sei als Zeichen zu verstehen, dass die Bundesgartenschau, deren Eröffnung am 17. April ist, keine Konkurrenzveranstaltung sei, wie er betonte. Das Blühende Barock und die Bundesgartenschau verstünden sich als Ergänzung. So böten Veranstalter von Busreisen in Touren an, die Sehenswürdigkeiten von Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn miteinander verbinden.

Der Kinderzuwachs in der Bevölkerung bringt insbesondere dem Märchengarten immer neue Besucher. Vor 60 Jahren begann es mit neun nachgestellten Märchenszenen. Inzwischen sind es über 50, „ohne den eigentlichen Charme des Märchengartens zu verändern“, wie Kugel feststellte. Obwohl es kein eigentliches Märchen ist, sind Max und Moritz dort ziemlich präsent: Zum Jubiläumsjahr sind weitere Szenen in Betrieb genommen worden. Eine Neuheit heißt „Tumult im Märchenwald!“ und ist in Zusammenarbeit mit der Filmakademie Ludwigsburg entstanden. Sie ist interaktiv: Besucher steuern Märchenfiguren auf Zuruf.

Hauch von Japan im Barockgarten

Das Parkgelände hat schon viel ertragen. In den vergangenen 300 Jahren wurden dort mehrere 100 000 Kubikmeter Erde bewegt, ganz so wie es den herzoglichen, später königlichen und heute staatlichen Gartenbesitzern gefiel. Und immer mal wieder war es Nutzgarten: Wilhelm I. lies Mostobstbäume pflanzen, als die Hungersnot seiner Untertanen groß war. Als es den Menschen besser ging, wurde an der Nordseite Tennis gespielt. Die Mostobstbäume sind längst abgeholzt. Stattdessen stehen im Japangarten am östlichen Rand des Parks Zierkirschenbäume.

Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth
Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Klimawandel: Blühendes Barock wird mediterraner

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 24.10.2019

Die anhaltende Hitze ist für die am 4. November zu Ende gehende Saison des Bühenden Barocks (Blüba) „Fluch- und Segen zugleich“ gewesen. So bilanziert der Direktor des Blüba, Volker Kugel, die vergangenen Monate. Diese seien durch einige Extreme geprägt gewesen. An den besonders heißen Tagen mit Temperaturen bis zu 35 Grad Celsius seien weniger Besucher als gewöhnlich gekommen. Dafür sei der Zulauf wegen des anhaltenden Sommerwetters mit milderen Temperaturen bis in den Oktober hinein ungewöhnlich hoch geblieben.

Unterm Strich zeigt sich der Blüba-Chef mit der Saison 2018 sehr zufrieden: Während des Vorverkaufs im März waren rund 38 000 Dauerkarten verkauft worden. Bis Mitte Oktober sind nach seinen Angaben weitere rund 6000 Karten hinzugekommen. Nach seiner Einschätzung wird dieser Verkaufsrekord jedoch kaum noch zu steigern sein. „Der Zenit ist wohl erreicht“, so Kugel.

600000 Tageskarten

Wie häufig die etwa 44 000 Dauerkartenbesitzer das Blüba besucht haben, wird statistisch nicht erfasst. Wiederum gesichert ist, dass es laut den Blüba-Zahlen mit etwa 600 000 verkauften Tageskarten einen Rekord gegeben hat. Im vergangenen Jahr waren 30 000 Einmaltickets weniger verkauft worden. Mit 240 000 Karten hat sich erneut die Kürbisausstellung als ein starker Besuchermagnet erwiesen. Sie endet am 1. Novemberwochenende mit dem traditionellen Kürbisschlachtfest.

Auch ansonsten ist die Blüba-GmbH mit dem Interesse an ihren zahlreichen Veranstaltungen zufrieden. So waren während des Straßenmusikfestival-Wochenendes 28 000 Tagesgäste gezählt worden.  Als der Circus Roncalli drei Wochen im Juli und August im Südgarten gastierte, litten nicht allein die Zirkuskünstler unter der Tropenhitze, sondern auch die Besucherzahlen. Im Vorfeld haben die Betreiber mit mehr Zirkusgästen als vor zwei Jahren in Ludwigsburg gerechnet. Gekommen seien dann etwa so viele wie 2016. Dass Roncalli in zwei Jahren erneut kommt, gilt als weitgehend gesichert. Laut Kugel gibt es bereits eine Absichtserklärung.

„Der Klimawandel ist spürbar“

Blüba-Chef Volker kugel

Obwohl es seit April nach den Blüba-Aufzeichnungen lediglich ein Viertel der üblichen Menge geregnet hat, habe die Trockenheit zu weniger Problemen geführt als erwartet: „Wir haben erstaunlich wenig zusätzliches Wasser benötigt“, sagt der Direktor. Die Ausgaben fürs Wasser seien von 30 000 auf 50 000 Euro gestiegen. Einige Rasenflächen seien allerdings nicht bewässert worden. Andernfalls wären die Wasserkosten auf bis zu 150 000 Euro angestiegen. In den nächsten Jahren werden in den Beeten des Blühenden Barock automatische Bewässerungsanlagen installiert, die nachts in Betrieb gehen, wenn die Erde Wasser am besten aufnehmen kann. „Der Klimawandel ist spürbar“, erläutert Kugel. Zug um Zug würden hitzeempfindliche Pflanzen und die mit hohem Wasserbedarf durch Trockenpflanzungen ersetzt. Das Blühende Barock werde mediterraner.

Vorbereitungen für 2019 laufen bereits

Nach der Saison ist vor der Saison. Die Blüba-Macher stecken bereits in den Vorbereitungen für 2019. Zumal im nächsten Jahr zwei Jubiläen anstehen: So wird der Märchengarten 60 und die Kürbisausstellung 30 Jahre alt. Mit der Filmakademie wird derzeit ein Hightech-Spiel entwickelt. So werden die Motive des Sandkunst-Festivals und der Kürbisausstellung Märchen und Fantasiefiguren sein. Am 22. März wird die nächste Saison eröffnet.

Ben aus England hat sich spontan entschlossen, bei der Kürbisregatta im Blühenden Barock Ludwigsburg mitzumachen. Foto: Uwe Roth

Kürbisregatta: In letzter Minute zur Meisterschaft der Kürbiskanuten

dpa/lsw Uwe Roth 16.09.2017

In Ludwigsburg haben am Samstag die 14. Deutschen Meisterschaften im Kürbisbootrennen begonnen. Auch Ungeübte sind unter den 60 Teilnehmern. Vor allem junge Leute aus dem Ausland haben einen Riesenspaß an dem feuchten Spektakel.

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