Stuttgart: Der Nordost-Ring nun unterirdisch?

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Südwest Presse, Uwe Roth, 22.01.2020

Eine Initiative von Industrievertretern schlägt einen Tunnel zwischen Fellbach und Kornwestheim vor. Die Kosten werden auf 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Seit Jahren ist eine Nordumfahrung von Stuttgart, die die Bundesstraße 27 mit der B 14 verbindet, in der politischen Diskussion. Wegen gegensätzlicher Positionen der betroffenen Städte und fehlender Finanzierungsmittel verlief diese ergebnislos. Am Dienstag gingen die Konzerne Lapp Holding, Andreas Stihl, Trumpf und Robert Bosch in die Offensive, „um den gordischen Knoten doch noch zu durchschlagen“, wie Initiator Rüdiger Stihl in Waiblingen sagte.

Stihl schlug gemeinsam mit dem Architekten Hermann Grub Vertretern betroffener Kommunen den Nord-Ost-Ring als eine Variante vor, „die praktisch von der Oberfläche verschwinden soll“, so der Stihl-Gesellschafter. Damit sind nach ihrer Auffassung Gegenargumente wie Lärmbelästigung, Schadstoffbelastung und Landschaftsverbrauch hinfällig. Das Quartett der großen Arbeitgeber hat eine viertel Million Euro teure Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben.

Darin fordern sie, auf eine durchgängige Umfahrung keinesfalls zu verzichten. Die Gutachter kommen zum Schluss, dass die Tunnelvariante im Vergleich zur oberirdischen mit 1,2 Milliarden Euro sechsmal teurer sei. Für die Summe müsste größtenteils der Bund aufkommen. Das Bundesverkehrsministerium sieht die Kosten für einen konventionellen Ring bei 210 Millionen Euro. Bei einer Untertunnelung würden im Gegenzug aber 46,5 Hektar weniger Landschaft verbraucht.

Stihl hat seine Initiative mit „Landschaftsmodell Nord-Ost-Ring“ überschrieben, um zu unterstreichen, dass es nicht darum gehe, dem Verkehr mehr Fläche einzuräumen. „Das Konzept ist im Sinne der Nachhaltigkeit, um die Landschaft zu retten“, sagte er.

Trasse des Rings unter dem Neckar

Laut den vorgelegten Plänen verbindet eine elf Kilometer lange vierspurige Röhre die Städte Fellbach im Osten und Kornwestheim im Westen. Die vom Stuttgarter Büro Obermeyer erstellte Studie sieht vor, für knapp 360 Millionen Euro die Trasse unter den Neckar zu legen anstatt auf eine Brücke. Die Trasse kommt in Waiblingen, Waiblingen-Hegnach und in Remseck kurz an die Oberfläche, um örtliche Straßen anzuschließen. Käme eine Nordumfahrung zustande, wäre das Remstal ab Schwäbisch Gmünd durchgängig vierspurig mit dem Autobahnanschluss Stuttgart-Zuffenhausen verbunden. Gegner des Nordostrings argumentieren, dass der Ring Verkehr anziehe.

Stihl berichtete, dass das Projekt bei einem Treffen mit Oberbürgermeistern und Bürgermeistern „auf eine positive Resonanz“ gestoßen sei. Im Staatsministerium habe es ebenfalls ein gutes Gespräch gegeben, an dem ein Vertreter des Verkehrsministeriums dabei gewesen sei. Auf Anfrage äußerte sich ein Sprecher des Ministerium zurückhaltend: „Das ist ein neuer aber auch sehr teurer Vorschlag. Gleichwohl werden wir ihn in unseren Faktencheck einbeziehen.“ Am Montag hatte Minister Winfried Herrmann (Grüne) angekündigt, „die zentralen Fragen des Verkehrsraums im Nord-Osten von Stuttgart“  einem „öffentlichen Faktencheck“ zu unterziehen.

Positive Resonanz

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart bewertet den Vorstoß als positiv, wie es in einer Mitteilung heißt. Die neue Variante könne die Diskussion positiv beleben, so die Präsidenten der IHK Bezirkskammern Ludwigsburg und Rems-Murr, Albrecht Kruse und Claus Paal. Die Präsidentin der IHK Region Stuttgart, Marjoke Breuning, betont, dass diese Frage auch innerhalb der Mitgliedsunternehmen der IHK ein kontrovers diskutiertes Thema sei.

Städte hoffen auf Entlastung

Die Initiative Landschaftsmodell führt einige Vorteile des Nord-Ost-Rings an.

Stuttgart zählt zu den staureichsten Regionen Europas: 44 Stunden verbrachten Autofahrer im Großraum Stuttgart im Jahr 2017 zu Stoßzeiten im Stau.

60 Prozent aller Beschäftigten in Stuttgart sind Pendler; ihre Zahl ist in den vergangenen zehn Jahren um 15 Prozent auf 235 000 Personen gestiegen.

Gemeinden nördlich und südlich der geplanten Verbindung sowie Stuttgart profitieren von einer Verkehrsentlastung: Remseck (minus 16 000 Fahrzeuge in 24 Stunden), Waiblingen (minus 3500) und Fellbach (minus 3000). uro

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.