Strenge Sicherheitsvorschriften bei Veranstaltungen

Demo (Vorwärts) Uwe Roth 14.07.2017

Sommerzeit – Zeit vieler kultureller Events. Veranstalter beklagen schärfere Vorschriften und häufigere Kontrollen. Die Aufsicht liegt bei den Kommunen.
 

Sicherheitsauflagen bringen Vereinsvorstände gehörig ins Schwitzen – besonders wenn sie die Kosten einer Großveranstaltung kalkulieren. Ohne externe Dienstleister sind mittlerweile sämtliche Vorschriften kaum einzuhalten. Seit die Terrorgefahr wächst, muss zumindest in größeren Städten Wachpersonal bezahlt werden. Der Gesetzgeber stellt zudem hohe ­Anforderungen an den Brandschutz, die Sicherheit des Bühnenaufbaues sowie der Ton- und Lichttechnik. Das zu gewährleisten, kostet Geld.

Seit dem Love-Parade-Unglück vor sieben Jahren in Duisburg wird vielerorts strenger kontrolliert, sagen diejenigen, die viel mit Veranstaltungsorganisation zu tun haben. Die Aufsicht haben die Kommunen. Es liegt damit regelmäßig in der Hand der verantwortlichen Mitarbeiter in den Behörden, ob ein Kulturevent zustande kommt – selbstverständlich ohne Regeln zu umgehen. Manche ehrenamtlichen Organisatoren haben indes angesichts des Zeit- und Kostenaufwandes nicht selten verzagt aufgegeben.

Härtere Auflagen für Veranstalter

Hartmut Eßig ist Geschäftsführer des Blasmusikverbandes Baden-Württemberg und ein erfahrener Veranstaltungsprofi. Er steckt mitten in den Vorbereitungen zum Landesmusikfestival, zu dem 3000 Teilnehmer erwartet werden. Die gastgebende Stadt in diesem Jahr ist Horb am Neckar. Eßig wirkt leicht angespannt, als es um das Thema Sicherheitsauflagen geht. Es sei schwieriger geworden, die Aufsicht zufriedenzustellen, ist er überzeugt. Sein Verband habe es zu spüren bekommen: Über Jahrzehnte sei das Akademiehaus in Kürnbach (Landkreis Karlsruhe) in Betrieb gewesen. Mit einem Mal hätten dort aus Brandschutzgründen keine Kurse mehr stattfinden dürfen.

„Es kommt auf die Verhältnismäßigkeit an. 100 Prozent ­Sicherheit gibt es aber nicht“ (Hartmut Eßig)

„Es liegt doch im Eigeninteresse der Verantwortlichen, dass nichts passiert“, stellt er klar. Manchmal aber habe er den Eindruck, Kontrolleure unterstellten Vereinen, sie seien nicht in der Lage, für die notwendige Sicherheit zu sorgen, oder sie würden Vorschriften umgehen. „Es kommt auf die Verhältnismäßigkeit an“, sagt Eßig – die nach seiner Überzeugung nicht immer gewahrt ist. „100 Prozent ­Sicherheit gibt es aber nicht“, bekräftigt er. Es existiert viel Ermessensspielraum für die Auslegung der Auflagen. Deshalb sei nach seiner Überzeugung „ein guter Dialog“ mit der Behörde am Ende entscheidend dafür, ob es eine Genehmigung gibt. „Darüber muss man reden.“

Die Firma Lautmacher Veranstaltungstechnik in Ludwigsburg profitiert davon, dass Vereine und andere kleine Veranstalter professionelle Unterstützung benötigen. Daniel Wöber ist Betriebsleiter und bestätigt, dass es eine Unzahl von Vorschriften gibt, die zudem von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Ein Beispiel: Ab einer bestimmten Größe einer mobilen Bühne muss diese nach dem Aufbau von Fachleuten der Kommune abgenommen werden. Das allein kostet den Veranstalter zwischen 100 und 250 Euro.

Finanzieller Druck für Vereine

„Die Vorschriften gibt es schon sehr lange. Nur wird erst seit einigen Jahren darauf geachtet, dass sie eingehalten werden“, sagt Wöber. Die Vereine „waren Narrenfreiheit gewöhnt“, weil sie jahrelang nicht kontrolliert wurden. Sie sind erstaunt, wenn jetzt ein Fachmann mit Messgerät auftaucht und ein in Eigenregie verlegtes Starkstromkabel abmontieren lässt. Eine Veranstaltungstechnik, die den Sicherheitsstandards entspricht, müsse meistens angemietet werden. Das verteuere ein Vereinsfest oder Konzert, von denen sich Vereine immer Gewinne erhoffen, aus denen sie ihre Arbeit finanzieren. „Bei Firmenveranstaltungen werden solche Kosten überhaupt nicht infrage gestellt. Bei kleineren Vereinen wollen wir in einem offenen Dialog eine Lösung finden“, sagt der Betriebsleiter.

Keine Subventionierung

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel (SPD) ist der Jahreszeit entsprechend momentan zu vielen Freiluftveranstaltungen eingeladen. Er kennt den finanziellen Druck, unter dem Vereine als Veranstalter stehen. Sein Sprecher Anton Knittel stellt klar: „Die Stadt subventioniert die Umsetzung von Sicherheitsauflagen nicht.“ Die Veranstalter hätten die Möglichkeit, die notwendigen Kosten über Eintrittspreise oder Getränkeverkauf hereinzuholen.
„Wenn dies entsprechend kommuniziert würde, wäre unseres Erachtens die Bereitschaft der Besucher da, die Mehrkosten dann auch zu bezahlen.“ Allerdings werde seitens der Stadt darauf geachtet, „dass zwischen den nötigen Sicherheitsanforderungen für die Besucher und dem Kostenaufwand für die Veranstalter ein angemessener Ausgleich besteht“. Er stellte jedoch klar: „Die Sicherheit der Besucher geht vor.“

Siehe auch:

http://journalistroth.eu/scala-ludwigsburg-finanzielle-sorgen-nicht-geloest/

http://journalistroth.eu/stadtjubilaeum-300-jahre-ludwigsburg-wird-gross-gefeiert/

Die Veröffentlichung in der kommunalen Fachzeitung Demo

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