Virtuelle Stadtbesichtigung in Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Stadtführungen jetzt auch virtuell

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 05.02.2020

Ludwigsburg in einer einzigen Stadtführung zu erkunden, ist fußläufig nicht möglich. Das romantische Schloss Monrepos oder die renaturierten Zugwiesen am Neckar sind schöne Orte, die die Stadt auszeichnen. Doch beide touristischen Highlights sind von ihrer geografischen Lage her betrachtet etwas ab vom Schuss. Für eilige Tagesgäste hat der städtische Eigenbetrieb Tourismus und Events Ludwigsburg nun zehn 3D-Brillen angeschafft. Mit virtueller Realität (VR) erweitern Touristen in aller Kürze ihren Horizont über den Stadtkern hinaus.

Endet die geführte Tour beispielsweise auf dem Marktplatz, wird die Hightech-Maske an die Teilnehmer verteilt. Man stülpt sich diese über den Kopf. Vor den Augen erscheinen nun auf einen Klick der Neckar oder die Domäne Monrepos. Man schwebt wie in einem Aufzug virtuell aus dem Schlosshof hinüber zu den angepeilten Orten. Den Kopf kann man wenden, wie man möchte, um die Umgebung zu betrachten. Die gespeicherten Aufnahmen einer 360-Grad-Kamera machen den Rundumblick möglich.

Der gemeinsam mit der Filmakademie Baden-Württemberg entwickelte Inhalt für die VR-Brille ist für die Stadt ein doppelter Werbeträger: Die Fotos der Sehenswürdigkeiten sollen Gäste anregen wiederzukehren, um Schloss Monrepos oder die Neckarlandschaft zu einem späteren Zeitpunkt real zu besuchen. Zum anderen bietet die Brille Einblicke in regelmäßig stattfindende Großveranstaltungen, zu denen die Stadt Gäste anlocken möchte. Dazu gehören die alle zwei Jahre stattfindende Venezianische Messe, die Kürbisausstellung oder der über die Landesgrenze hinaus bekannte Weihnachtsmarkt.

Ausleihe der VR-Brille für Gruppen gegen eine Gebühr

Wem’s gefällt, kann sich die Termine merken. Das nächste Kostümfestival findet übrigens vom 11. bis zum 13. September statt. Wie es sich anfühlt, mit der VR-Brille vor den Augen auf dem Weihnachtsmarkt im Kinderkarussell mitzufahren oder in einen Kostümball im Residenzschloss einzutauchen, kann dies am 21. und 22. März zwischen 12 und 15 Uhr in der Tourist-Info ausprobieren. An diesem Wochenende ist „Märzklopfen“. Künftig können die Brillen gruppenweise gegen eine Gebühr und in Begleitung eines Fremdenführers ausgeliehen werden.

Stadtführungen blühen im Tourismusgeschäft der Barockstadt, sagt Tourismusmanager Elmar Kunz. Im vergangenen Jahr nahmen bei 510 Stadt- und Erlebnisführungen 9200 Menschen teil. „Das waren so viele wie noch nie“, stellt Kunz fest. In der Statistik werden nur Stadtführungen festgehalten, die über das Tourismusbüro gebucht wurden. Mit den Anfragen, die direkt an die Stadtführer gingen, schätzt er die Zahl der Teilnehmer auf knapp 20 000. Vor zehn Jahren boten gerademal zehn bis zwölf Stadtführer ihre Dienstleistung an. Inzwischen sind es mehr als 50, von denen einige mehrsprachig Gruppen führen. Sogar Mandarin und Russisch sind im Angebot.

Zahlreiche neue Themenführungen durch Ludwigsburg

In diesem Jahr kann man aus 38 verschiedenen Führungen an 196 Terminen wählen. Diese sind in zwei Broschüren zusammengefasst, die kostenlos in der Tourist-Info erhältlich sind. Konzentrierten sich die Themenführungen auf die Barockzeit, liegt nunmehr ein weiterer Schwerpunkt auf die Zeit um 1900. So gibt es eine neue Kostümführung mit der Fabrikantenfrau Cäcilie Wagner. Ihr Mann produzierte in der Uhlandstraße erfolgreich Vogelkäfige. Sie berichtet von den Entwicklungen der Belle Epoque in ihrer Stadt und aus ihrem Leben in der gehobenen Gesellschaft (erstmalig 5. April).

Ebenfalls aus dem bürgerlichen Leben berichtet Kerstin Bamler bei ihrer neuen Führung „Pillen, Perlen, Pergament“. Themen sind historische Maschinen, denkmalgeschützte Gebäude, Patente und traditionelle Herstellungsmethoden. Speziell für Kinder (ab einem Alter von vier Jahren und in Begleitung eines Erwachsenen) ist die Stadtführung „Ludo“. Das ist ein kleiner Hund, mit dem die Kleinen einmal quer durch die Stadt auf Koffersuche gehen. Manuela Priber von Tourismus und Event betont, dass man beim neuen Programm besonders an Kinder gedacht habe.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.