Solarthermie-Anlage: In etwa zwei Jahren gibt es Warmwasser von der Wiese

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 22.01.2018

Der Plan zum Bau einer Solarthermie-Anlage der Stadtwerke am Römerhügel wird konkret. Baubürgermeister Michael Ilk drängt auf den Beginn. Von Uwe Roth

Wenn Baubürgermeister Michael Ilk an den Mai vergangenen Jahres zurückdenkt, wird es ihm immer noch warm ums Herz. Das war am Donnerstag deutlich zu spüren, als er im Bauausschuss des Gemeinderats mit einiger Begeisterung den Tagesordnungspunkt „Solarthermische Anlage der Stadtwerke am Römerhügelwerk“ einleitete.

Damals war der Rathausspitze im Rahmen eines Festakts ein Förderbescheid des Bundes über 10,4 Millionen Euro überreicht worden. Es ist genug Geld, um damit eine der größten Solarthermie-Anlagen Deutschlands zu bauen und ohne damit den städtischen Haushalt groß zu belasten. Hieß es vor einem Jahr noch, die Gesamtkosten beliefen sich auf 13 Millionen Euro, sprechen jetzt die Stadtwerke Ludwigsburg (SWLB) von 14 Millionen Euro. Der Zuschuss aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative decke damit aber immer noch 80 Prozent der Investition ab, betonte Geschäftsführer Bodo Skaletz vor dem Gemeinderatsausschuss.

3700 Tonnen CO2 spart die Solarthermie-Anlage  im Jahr

Das technische Prinzip ist einfach: Die Sonne erwärmt Wasser, das in Kollektoren zirkuliert. Wenn es mindestens 80 Grad warm ist, kommt es in einen Speicher. Von dort wird es in das bis dahin fünf Kilometer lange Fernwärmenetz eingespeist, das die Haushalte mit Heizungswärme versorgt. Die Sonne als Energiequelle hilft, jährlich 3700 Tonnen CO2 einzusparen, rechnete SWLB-Projektleiter Steffen Kurz vor.

Nachteil der Technologie ist aber: Es wird eine große Fläche benötigt. Da trifft es sich, dass Ludwigsburg am alten Wasserturm im Süden der Stadt über ein ehemaliges Deponiegelände verfügt, das brach liegt, weil die Entgiftung des Bodens teuer wäre. Nun soll es 40 Zentimeter über dem Boden mit Kollektoren bedeckt werden, die zusammen eine Fläche von 10 000 Quadratmeter haben. Das sind etwa eineinhalb Fußballfelder. Das Gelände selbst ist mehr als doppelt so groß.

Der Geschäftsführer und sein Projektleiter waren auf Antrag der fraktionslosen Elga Burkhardt im Ausschuss erschienen. Weil die im Rathaus zuständige Fachbereichsleiterin Ulrike Schmidtgen wusste, wo der Interessenschwerpunkt der Gemeinderätin liegt, nahm das Thema Artenschutz im Vortrag einen breiten Raum ein. „Bis auf Zaun- und Mauereidechsen werden keine gefährdeten Arten beeinträchtigt“, lautete das Fazit der in Auftrag gegebenen Gutachten, das den Ausschussmitgliedern vorgetragen wurde. Die in ihrem Bestand gefährdeten Amphibien werden laut Schmidtgen neben den Kollektoren ein Refugium von 7500 Quadratmeter erhalten; das entspricht einem Viertel des Geländes.

Steg für Spaziergänger führt durch Solarthermie-Anlage

Das soll für Spaziergänger über einen höher gelegten Steg durchgängig begehbar sein. Besucher werden durch Schautafeln über den ökologischen Nutzen der Anlage informiert. Der Solarthermiepark ist zudem Bestandteil des grünen Rings, der nach und nach um Ludwigsburg entstehen soll. Die Gemeinderatsmitglieder signalisierten durchweg Zustimmung, teilweise auch Begeisterung. Sie taten es sehr zur Erleichterung des Baubürgermeisters. Zeitverzögernde Diskussionen kämen der Stadt ungelegen. Denn am 31. Mai 2020 muss die Anlage in Betrieb gehen. Andernfalls will der Bund seine Millionen zurück, wie Ilk warnte.

Im nächsten Schritt soll der Bebauungsplan verabschiedet werden. Gemeinderätin Burkhardt gab sich mit dem Vortrag jedoch nicht zufrieden. Sie verlangt von der Verwaltung eine schriftliche Stellungnahme. Diese wolle sie mit dem BUND diskutieren, kündigte sie an.

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