Ersten Spatenstich macht Franz Untersteller an der Brenz

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Staatsanzeiger Ausgabe 31/2011 Uwe Roth

Der Umweltminister kann sich dank beschlossener Energiewende auf seine Fachthemen konzentrieren

Stuttgart. Der erste Spatenstich. Jeder politische Repräsentant muss da durch – auch ein grüner Umweltminister. An der Hürbemündung bei Hermaringen im Landkreis Heidenheim ist es soweit: Franz Untersteller setzt den ersten Spatenstich in die Uferwiese. Seinen allerersten überhaupt, wie der 54-Jährige die Umstehenden aufklärt. Mit Wucht rammt der Minister aus Stuttgart die Schaufel ins Erdreich. Der Ministerneuling ist konzentriert, die geübten Kommunalpolitiker und der Regierungspräsident an seiner Seite geben sich mehr routiniert. Die Symbolik zählt, nicht die Eleganz: Die Brenz kann nach diesem Spatenstich um einen weiteren Kilometer mit Landes- und EU-Hilfe renaturiert werden.

Ein Landschaftsplaner spricht über die Flussrenaturierung

Fachlich betrachtet ist der Termin im Unteren Brenztal für Franz Untersteller eine Fingerübung: Die Renaturierung einer Flusslandschaft soll aus Landessicht kommentiert werden, und der Umweltminister ist studierter Landschaftsplaner. Das passt. Die Kommunalpolitiker haben in ihren Grußworten nach ein paar Sätzen Schwierigkeiten, den Ministerworten noch etwas Nachhaltiges hinzuzufügen. Dafür punkten sie in der Kategorie Bühnenpräsenz, Neudeutsch Performance. Untersteller liest seine Rede vom Blatt, die Fotografin der Lokalzeitung hat Schwierigkeiten, sein Gesicht zu erhaschen.

Man ist neugierig auf den neuen Minister. Nach dem Spatenstich bittet man ihn auf die neue Brücke über der renaturierten Brenz. Es gilt, im Zwiegespräch weitere Landesmittel zu sichern, die Brenz ist lang, der Landkreis groß, und von der engen Brücke gibt es kein Entkommen. Die Kommunalpolitiker scheinen zu frieden. „Hier kam das Amt zum richtigen Mann“, schwärmt Landrat Hermann Mader mit Blick auf die beruflichen Wurzeln des Ministers. Die Lokalpolitiker haben die grünen Zeichen der Zeit erkannt. Bei der Landtagswahl wählten über 20 Prozent der Hermaringer grün.

Grundsätzlich hat Franz Untersteller viel Verständnis für die ländlichen Gegenden. Er ist im April 1957 in Ensheim geboren, heute der östlichste Stadtteil von Saarbrücken, knapp zehn Kilometer vom Stadtkern entfernt. Mit den Begrifflichkeiten seiner Herkunft sollte man vorsichtig sein: „Ich bin kein Saarbrücker. Darauf lege ich Wert.“ Letzteres betont er überraschend laut und erklärt dann: „Diese Gemeinde wurde zwangseingemeindet gegen den Widerstand von 99 Prozent der Bevölkerung.“ Das war 1974, er war 17. „Die Leute leiden bis heute darunter. Ich auch!“ Das ist fast 40 Jahre her. Damals hat der Saarländer wohl eine gewisse Bockigkeit gegen Zwangsverordnungen von oben entwickelt.

Minister ist froh, dass er über das Wie und nicht über das Ob diskutiert

Das dokumentiert auch seine Diplomarbeit, die er im Ministerbüro deponiert hat. Sie trägt den sperrigen Titel „Die Bedeutung der Rheinaue zwischen Wyhl und Weisweil aus der Sicht der Regionalplanung und deren mögliche Gefährdung durch eine Industrieansiedlung“. Das war 1982. „Mit Industrieansiedlung war das geplante Atomkraftwerk gemeint. Aber ich durfte den Begriff nicht verwenden.“ Das war an der Fachhochschule Nürtingen, und seine Stimme klingt heute noch leicht verschwörerisch.

Franz Untersteller hat sich mit seiner Politikerkarriere viel Zeit gelassen. Der Abgelegenheit des Saarlandes entkommen, blieb er nach dem Studium in Baden-Württemberg hängen, wie er sagt. Nach kurzen Aufenthalten am Ökoinstitut Freiburg und als Stipendiat in Kolumbien wurde er 1983 Parlamentarischer Berater der Grünen im Stuttgarter Landtag. Erst vor fünf Jahren bekam er ein Landtagsmandat. Und nun ist er Minister für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Für Untersteller läuft es wegen der äußeren Umstände seither richtig gut. Der Atomausstieg ist fix, die Energiewende beschlossene Sache, und die Bürger sind begeistert von den erneuerbaren Energien. Seine ersten Gespräche mit der Opposition im Landtag und dem CDU-Wirtschaftsrat seien gut verlaufen.

„Es macht ehrlich gesagt auch Spaß, mich mit anderen über Wege zu streiten und nicht mehr über das Ob oder Ob-nicht“, sagt der Minister. Im Gegensatz zu seinem Ministerkollegen vom Verkehrsressort muss er nicht mehr ideologisch um ein Großprojekt streiten, sondern kann sich auf seine Fachkompetenz in der Energiewirtschaft konzentrieren, an der bislang niemand Grund zu zweifeln fand.

Mit Spatenstichen wird der Minister in den nächsten Jahren noch Zeit verbringen. Viele Windräder sollen errichtet werden, Solarfelder wachsen und die Baustarts jeweils lokal gefeiert werden. Den ländlichen Raum will Untersteller nicht vernachlässigen, zumal er sich mit dem Älterwerden mit seiner eigenen Herkunft befasst. An zwei Büchern über die Ortsgeschichte Ensheims war Untersteller beteiligt. Im Gegensatz zur Atomkraftzeit ist das Leiden um die Zwangseingemeindung noch nicht abgeschlossen. (uro)

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.