Rundschlag: Völlig umsonst geschrieben

ZVW Uwe Roth 06.06.2015

Es ist heiß draußen. Höchste Zeit, mal wieder über den Klimawandel zu schreiben. Das ist ein Thema mit Hitzepotenzial.

Zum Beweis: Die ZEIT hat den Klimawandel in dieser Woche zum Titelthema gemacht. Allerdings hat die Redaktion der Wochenzeitung schnell gemerkt, dass es kaum noch eine Erkenntnis gibt, die in diesem Zusammenhang nicht längst schon journalistisch aufgeschrieben und veröffentlicht wurde. Seit 20 Jahren schafft es der Klimawandel regelmäßig auf die Titelseiten der großen Magazine – und das weltweit. Das Dumme bloß: G’schichten über den Klimawandel schaffen keinen Wandel in den Köpfen der Menschen. Zumindest lassen CO2-Zunahme und Erderwärmung immer noch so viele Politiker und Wähler kalt, dass Öl, Kohle und Erdgas immer noch der Burner (Brenner) sind – und das weltweit.

So ist das halt. Klimawandel ist irgendwie blöd, zuständig aber sind die Politiker, und die sind bekanntlich ja auch blöd. Und so hat sich der Konsument eine Erklärung für die unwiderrufliche Präsenz des Klimawandels geschaffen. Er gehört zum Alltag wie die Sonne, die morgens aufgeht und abends wieder, ganz richtig, untergeht. Übers Jahr schwitzt man ein bisschen öfter als früher, der Regen fällt ein wenig stärker aus, und der Wind pfeift halt ein bisschen heftiger um die Ecke. Lange Trockenperioden beklagen höchstens die Bauern, sonst aber auch niemand. Solange der Biergarten noch Getränke hat, bleibt niemand auf dem Trockenen sitzen.

Bei schlechtem Wetter kann man sich ins Auto flüchten. Dort ist es trocken, windgeschützt und im Sommer schön kühl, dank Klimaanlage. Selbstverständlich fährt man dann auch. Die Straßen sind proppevoll. Es wird getankt, als stünde der Literpreis fürs Benzin wieder bei 56 Pfennig.

Es steht zu befürchten, dass dieser Rundschlag mal wieder völlig umsonst geschrieben wurde. Wie auch die Titelgeschichte in der ZEIT. Es wird keinen Rucker in den Köpfen tun.

Klar, es gibt Leser, die jetzt nachdenklich dreinschauen, obwohl sie nichts Neues erfahren haben, weil sie sich länger schon für das Thema erwärmt haben und die Folgen ernst nehmen. Wenn der Rundschlag sich irgendwann wieder mit dem Klimawandel beschäftigen wird, freut er sich besonders auf diese Leser. Schwitzen und frieren Sie nicht allzu sehr bis dahin.

Print Friendly, PDF & Email