Rundschlag: Immer mehr Gefahrenzonen

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ZVW Uwe Roth 18.02.2015

Heute an Aschermittwoch über verkaterte Leser herzuziehen, wäre billig. Machen wir nicht. Abgesehen von einfach gestrickten Hat-wer-ne-Aspirin?-Und-bitte-heut-nicht-so-laut-Klischees, die wir ablehnen, dürften gestern nicht allzu viele den Faschingsausklang in Trinklaune wahrgenommen haben. Dafür war die fünfte Jahreszeit in diesem Jahr viel zu ernst. Klar, Fasching ist eine ernste Sache. Gut, zugegeben, das ist ein Klischee. 

Aber im Ernst. Allein die Jahr für Jahr strengeren Sicherheitsanforderungen in den Mehrzweckhallen reglementieren schon lange die Ausgelassenheit der Narren. Alles im Festsaal ist dreifach abgesichert, Kabelbinder statt Girlanden, die Bühne ein Hochsicherheitstrakt, von Notausgängen und Sicherheitsleuten flankiert, Tüv-zertifiziert, Gema-durchgeregelt, Lärmschutz optimiert und mit genauen Zeitfenstern fürs Gute-Laune-Haben versehen. Den Begriff Open end kennt doch kaum noch einer. Es fehlt noch die Vorschrift, dass Musik nach standardisierten Notenblättern gespielt werden muss, Tonabweichungen normunzulässig sind. Zugegeben, das wäre eine sinnvolle Regel.

Um aber auf 2015 zurückzukommen: In diesem Jahr war ein neuer Gefahrenpunkt auf die Tagesordnung der Vereine gekommen: „Mögliche Terrorbedrohung und Gegenmaßnahmen. Eingeladen dazu Vereinskamerad und Polizeimeister Müller“. Dieser Tagesordnungspunkt war für den Verlauf des jährlichen Narrenabends durchaus hilfreich. Man konnte zuerst laut überlegen, eine Büttenrede oder einen Umzugswagen dem gewagten Thema Islamismus und Karikaturenstreit zu widmen. Das hörte sich zumindest mutig an (Werbung!). Kurz vor den närrischen Tagen konnte man sich fürsorglich geben und verkünden, aus Sicherheitsgründen habe der Vereinsvorstand das Thema gestrichen (Werbung!). Applaus und Verständnis insbesondere von dem Vereinsmitglied, das sich dazu hätte etwas einfallen lassen müssen.

Der Backnanger SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange war in Sachen Gefahrenzone ein klein wenig mutiger. Er berichtete uns am Dienstag von einer Einladung in eine Berliner Synagoge, die er nach dem Anschlag in Kopenhagen erhalten habe – und er ist tatsächlich reingegangen, spontan, wie er uns schreibt.