Rundschlag: Alle ein bisschen Blatter

Von Uwe Roth, 29.05.2015

Vielleicht sollte mal einer über den Fifa-Skandal schreiben, der von Fußball null, aber auch so gar keine Ahnung hat. Es sollte jemand sein, der über die Freunde dieser Sportart unbedarft denken darf, sind die nicht alle ein bisschen Blatter?

Es sollte endlich mal ein Ignorant über die Fifa berichten, der als Konsequenz aus dem x-ten Korruptionsvorwurf allen Fans den guten Rat gibt, boykottiert den Spitzenfußball! Warum habt ihr ihn so nötig? Es gibt so viele andere schöne Sportarten, bei denen nicht so viele unsportliche Auslaufmodelle mit Schmähbauch, aber gigantisch hohen Kontoständen in Fünf-Sterne-Superior-Hotellobbys die mafiösen Fäden ziehen und sich wie Halbgötter feiern lassen. Die das zum Teil illegal zugesteckte Geld aus dem Verkauf von Übertragungsrechten horten, verprassen oder in unsaubere Geschäfte investieren. Und jeder Fußballgucker hat ein paar Cent dazu beigesteuert.

Naiv soll der ahnungslose Journalist fordern dürfen: Definiere Nationalmannschaft in einem globalisierten Spielermarkt. Definiere Leistung eines 25-Jährigen, der viele Millionen verdient, ansonsten aber wenig zu bieten hat, was der Arbeitsmarkt brauchen könnte. Straffrei soll der Schreiber fragen dürfen, wie können fußballbegeisterte Menschen so süchtig nach traumhaften Spielzügen, Elfmetern und Siegen sein, dass sie den ganzen skandalösen Rest ausblenden?

Jemand, der keine, aber auch so gar keine Ahnung von Fußball hat, kann die derzeitige Aufregung über Blatter und seine Mannen nur als gekünstelt oder geheuchelt empfinden. Im besten Fall als naiv. Was an den Fakten ist neu? Wie sehen die Beweise konkret aus? Hat die Tatsache, die nächsten beiden Weltmeisterschaften werden in Russland und Katar stattfinden, nicht längst ausgereicht, um diesem Spektakel für immer und ewig eine (persönliche) Absage zu erteilen? Wer kann jetzt noch behaupten, Sport habe nichts mit Politik zu tun? Am Donnerstag hat Putin Blatter den Rücken gestärkt und behauptet, die USA hätten die Verhaftungen nur deswegen vollzogen, um Russland zu schaden.

Es sollte mal einer über den Fifa-Skandal schreiben, der von Fußball null, aber auch so gar keine Ahnung hat. Hiermit ist’s getan. Vielleicht aber haben die Nachwehen des Skandals doch ihr Gutes und mancher begreift, dass man als Fußballfan auch politisch handelt und nicht nur irgendwie hobbymäßig.

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