Remstal: Stolpersteine zur Gartenschau 2019

ZVW Uwe Roth 08.12.16

Matthias Klopfer bleibt dennoch optimistisch: „Für 205 Tage verwandelt sich das Remstal in einen unendlichen Garten“


Matthias Klopfer ist Aufsichtsratsvorsitzender der Remstal Gartenschau 2019 GmbH. Die Geschäftsstelle ist in seiner Stadt angesiedelt. In dieser Funktion sieht er sich in einer doppelten Verantwortung und deswegen als Kümmerer, wenn es in einer der beteiligten 16 Kommunen entlang der Rems zwischen Essingen (Ostalbkreis) und Remseck (Landkreis Ludwigsburg) hakt. Der Oberbürgermeister bedauert, dass derzeit überwiegend Negativschlagzeilen das Bild der Gartenschauplanungen prägten und gut laufende Projekte nach seiner Auffassung zu wenig im Fokus stehen. In Schorndorf jedenfalls sei „der Gemeinderat sehr gut unterwegs“, und alle wichtigen Projekte seien beschlossen.

Bereits gescheiterte oder auf der Kippe stehende Projekte könnten den Erfolg nicht gefährden, ist sich Klopfer sicher. In der Gesamtbilanz wird nach seiner Meinung die gemeinsame Gartenschau „als innovativ und sehr erfolgreich“ dastehen. Für ihn herausragend sind die entstehenden Rad- und Wanderwege. Bis zur Eröffnung soll eine durchgängige Route vom bayerischen Nördlingen durchs Remstal bis Heilbronn entstehen. Im Tagestourismus sieht er für die beteiligten Kommunen den nachhaltigen Nutzen.

Meistens sind Gemeinderäte die Bedenkenträger

Zu den spektakulär gescheiterten Vorhaben gehören bislang in Kernen der Bau eines Aussichtsstegs im Naturdenkmal Sieben Linden, die Renaturierung der Rems bei Winterbach, die Beteiligung von Remshalden an einer durchgängigen Kanuroute oder auch geplante Kunstbeiträge der Gemeinden Korb und Urbach. Meistens sind Gemeinderäte die Bedenkenträger, die Geldausgaben infrage stellen. In Kernen waren es Bürger, die den Steg aus Naturschutzerwägungen und Gründen allgemeinen Misstrauens ablehnten.

In einer Selbstdarstellung der Organisatoren vom Februar 2016 heißt es: „Von der Quelle bis zur Mündung verwandelt sich das Remstal für 205 Tage in einen unendlichen Garten.“ Ist dieses Ziel angesichts eines zu erwartenden Flickenteppichs realisierter Attraktionen noch erreichbar?

Waiblingens Oberbürgermeister Andreas Hesky bestätigt die Einschätzung seines Schorndorfer Kollegen und sagt dazu: „Das Gesamtziel wird erreicht werden können. Die bisherigen Abstriche können verschmerzt werden. Man sollte nun aber vor allem die Freude an der Gartenschau wecken.“ Aber er schränkt ein. Ohne Beteiligung der Bürgerschaft und Vereine und ohne die Überzeugung der Bevölkerung, „dass die Gartenschau ein schönes und wichtiges Projekt für unser Remstal ist, wird sie nur schwer gelingen können“.

Stefan Breiter, Bürgermeister von Remshalden, bedauert, dass sich die Gemeinde nicht an der Kanuroute beteiligt. Er verweist stattdessen auf den Bürgerpark und stellt fest: „Wir sind stolz darauf, dass es uns zusammen mit einer sehr engagierten Bürgerschaft gelungen ist, ein gut durchdachtes, zukunftsorientiertes Konzept für einen neu entstehenden Bürgerpark zu entwickeln, welches jetzt schon einen großen Rückhalt in der Bevölkerung genießt.“ Die einzelnen Bausteine seien zusammen mit Bürgern entwickelt worden. Letztlich habe das „zu einem sehr harmonischen Miteinander in unserem kommunalen Planungsprozess geführt“.

Rems-Renaturierung ist ein Sorgenkind

Der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller sagt, die Rems-Renaturierung sei das Sorgenkind. Eine Bürgerbeteiligung könne es aus Zeitgründen nicht geben. „In Winterbach gibt es keine Highlight- Projekte. Jedes Projekt steht für sich und soll auch entsprechend Anerkennung finden“, stellt er fest. Alles in allem lautet seine Prognose: Ich bin der festen Überzeugung, dass das ursprüngliche Ziel der Remstal-Gartenschau nicht gefährdet ist und weiterhin erreicht wird.“ In einem Projekt wie diesem sei es „ganz normal, dass vieles angedacht, geplant und teilweise auch wieder verworfen wird, bis dann am Ende alles steht und entsprechende Mehrheitsbeschlüsse in einen demokratischen Prozess gefasst wurden.“

Auf die Frage, welche Projekte gut laufen, antwortet Hesky: „Was heißt gut … aus Sicht der Verwaltung laufen alle Projekte sehr gut.“ Für die Umgestaltung der Talaue habe das Landratsamt grünes Licht gegeben. Nach wie vor gäbe es aber Einwendungen von privater Seite oder von Natur- und Umweltschutzverbänden, die sich mit den Veränderungen an der Talaue schwertäten.

In einem sind sich die befragten Rathauschefs einig: Die Zusammenarbeit unter den Kommunen läuft gut. Aber leise Kritik ist auch herauszuhören. Winterbach bedauert, dass Remshalden die Gemeinde mit aus dem Kanuprojekt geworfen hat. OB Hesky sagt trotz seiner Überzeugung, dass die Gartenschau ihre selbst gesetzte Ziellinie erreiche: „Leider können nicht alle Maßnahmen, die interkommunale Strahlkraft entwickeln sollen, umgesetzt werden, da die Gemeinderäte mancher Kommunen diese nicht beschließen.“

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