Foto: Uwe Roth

Qualität und Infrastruktur: Der Gewerbepark der Zukunft

Print Friendly, PDF & Email

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 15.03.2017

Welche Anforderungen Unternehmen an zukunftsfähige Gewerbeparks stellen, haben Fachleute in einer Veranstaltung des Energetikoms in Ludwigsburg diskutiert.

Der Verein Energetikom – Energiekompetenz und Ökodesign hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen und Kommunen zu beraten, wie sie Energie einsparen, die Wirtschaftlichkeit verbessern und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Diesem Thema war ein Großteil der Veranstaltung mit dem Titel „Gewerbepark der Zukunft – Chancen für Unternehmen und Kommunen“ gewidmet. Jochen Lang, Vorsitzender des Vereins, wies zu Beginn darauf hin, dass das Gewerbe über 40 Prozent der gesamten Energie verbrauche. Folglich läge dort ein immenses Einsparpotential. Dieses sei umso beachtlicher, wenn nicht einzelne Unternehmen, sondern ein ganzes Gewerbegebiet auf Energieeffizienz ausgerichtet werde.

Fachliche Unterstützung dazu bieten das Land und die Wirtschaftsfördergesellschaft der Region Stuttgart (WRS). Die Gesellschaft ist Sitz der „Kompetenzstelle Energieeffizienz“. Deren Fachleistung wurde in der Fachtagung mit Planern, Unternehmensvertretern, aber auch Kommunalpolitikern in den Räumen der IHK Ludwigsburg vorgestellt. Das Konsortium, dem unter anderem die IHK Region Stuttgart und die sechs Kreisenergieagenturen der Region angehören, bündelt für seine Beratungstätigkeit die langjährige Erfahrung im Bereich Energieeffizienz, von der dann die Kunden besonders profitieren könnten, hieß es. Dass es auf dem Gebiet der Energieeffizienz immer wieder interessante Innovationen gibt, auch darauf wurde verwiesen.

Cradle-to-Cradle-Prinzip

Zu solchen Innovationen gehört das sogenannte Energienetz. Es funktioniert im Prinzip gleich wie ein Netz für Fernwärme oder Nahwärme, außer dass es mit einer niedrigen Temperatur – nicht weit entfernt von der Umgebungstemperatur – betrieben wird. Bereits 15 Grad Celsius reichen zur Wärme- oder Kältegewinnung. Zum nachhaltigen Umgang mit Rohstoffen und Energie gehört wiederum das Cradle-to-Cradle-Prinzip. Es baut darauf auf, dass Materialen am Ende nicht entsorgt, sondern vom Hersteller zurückgenommen und wiederaufbereitet werden. Wie dieses Prinzip zu weniger Kosten und mehr Qualität führen kann, sogar in einem Gewerbepark, wird in der Stadt Freudenstadt untersucht.

Campus-Charakter

Vor allem die Kommunen müssen sich heutzutage sehr genau überlegen, was für ein Gewerbegebiet sie ausweisen wollen. Professor Alfred Ruther-Malis vom Institut für Stadt- und Regionalentwicklung an der HfWU Nürtingen-Geislingen unterschied die Varianten so: Neben den herkömmlichen Gewerbegebietet, in denen sich Betriebe unabhängig voneinander ansiedeln und nicht untereinander vernetzt sind, gibt es solche mit Campus-Charakter, einem wissenschaftlichen Anschluss oder besonders kreativem Umfeld.

Auch die Umgebung müsse zum Gewerbepark der Zukunft passen, erläuterte Ruther-Malis. Die Mitarbeiter erwarteten eine bezahlbare Wohnung nicht weit entfernt vom Arbeitsplatz. Einkaufsmöglichkeiten müssten vorhanden sein, und das Freizeitangebot müsse stimmen.

Unter diesen Kriterien hat die Robert-Bosch Start-up GmbH in der Ludwigsburger Weststadt einen idealen Standort gefunden, wie Birte Moyé berichtete. In der ehemaligen Industriehalle entsteht derzeit auf zwei Stockwerken ein Arbeitsumfeld, das mit dem klassischen nur noch wenig zu tun hat. Die Räumlichkeiten lassen sich jeder Teamveränderung anpassen. Nicht der individuelle Arbeitsplatz, sondern die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander steht gestalterisch im Vordergrund. Den herkömmlichen Schreibtisch sucht man in dem Versuchslabor für Start-ups vergeblich.