Hartmut Kimmerle ist im Vorstand des RSC Komet Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Porträt Verein Radsportclub Komet Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 10.06.201

In den Nachkriegsjahren als reiner Radsportclub gestartet, hat der RSC Komet Ludwigsburg heute auch Aufgaben im Breitensport. Dazu kommen E-Bikes. 


Vor der Sommerpause läuft die Vereinsarbeit wie jedes Jahr auf Hochtouren: Am vergangenen Sonntag hat die 41. Ludwigsburger Barockstadt-Rundfahrt stattgefunden, nun folgt keine zwei Wochen später an Fronleichnam das „Eglosheimer Radkriterium“ – und das im 50. Jahr. „Im Mai und Juni Urlaub machen, das geht für mich nicht“, sagt Hartmut Kimmerle, der zweite Vorsitzende des RSC Komet Ludwigsburg.

Er steckt mitten in der Organisation des Rennens am Donnerstag in und um den Ludwigsburger Stadtteil. Straßenabsperrungen müssen vorbereitet, die Anmeldungen organisiert und überhaupt muss eine lange To-do-Liste abgearbeitet werden. Und dies alles im Ehrenamt. Wenn das Wetter nicht mitmacht, so wie am vergangenen Sonntag, sind manche Mühen so ziemlich umsonst. Statt der üblichen 500 Teilnehmer standen wegen des fiesen Regenwetters keine 50 am Start am Vereinsheim in der Bönnigheimer Straße. Eine Rundstrecke von 125 Kilometern war dafür ausgeschildert worden. Für die noch ausstehende Schlussabrechnung ahnt Kimmerle nichts Gutes.

„Die Vorstandsarbeit leidet unter Überalterung“

Hartmut Kimmerle ist im Vorstand des Radsportclubs Komet Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth
Hartmut Kimmerle ist im Vorstand des Radsportclubs Komet Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Seine Familie prägt die Vereinsgeschichte, die im Februar 1946 im Gasthaus Adler in der Ludwigsburger Nordstadt ihren Anfang hat. Sein Vater Rolf war schon Radrennfahrer, und der bald 55-jährige Hartmut Kimmerle ist seit 43 Jahren Mitglied im Verein – zuerst als Sportler, dann als Trainer, Teamleiter und jetzt im Vorstand. Eigentlich hat der Mitarbeiter der Landkreisverwaltung bereits jede Funktion im Verein innegehabt. 125 Mitglieder hat der RSC Komet. „Doch die Vorstandsarbeit leidet unter Überalterung“, stellt er fest. „Niemand will sich heute mehr binden.“

Dabei haben die Aufgaben zugenommen. Neben den Rennveranstaltungen ist der Radsportclub Veranstalter des AOK-Radtreffs, der jeden Mittwoch um 18 Uhr losgeht. Die Touren sind bis zu 52 Kilometer lang. Außerdem werden regelmäßig Wanderfahrten angeboten. Die nächste führt am 18. Juni nach Reichenbach an der Fils. Manche Fahrten sind mehrtägig.

Rennsport ist weiter Schwerpunkt

„Wir akzeptieren die E-Biker“, betont Kimmerle und meint damit gleichzeitig, dass der Verein grundsätzlich für Neues in der Radlerwelt offen ist. Im Verein gibt es Überlegungen, Kurse für E-Biker anzubieten. „Der Rennsport bleibt weiter ein Schwerpunkt. So steht es in der Satzung“, stellt er klar. Doch die Glanzzeiten sind etwas verblasst, sie waren unter anderem in den 1990er Jahren.

Einige Deutsche- und weitere Meistertitel holten die Radsportler, die teilweise als Profis an den Start gehen. Kimmerle war Dritter bei den baden-württembergischen Meisterschaften im Steherrennen. Das war allerdings schon 1986. Sein Rad steht in der Ausstellung „200 Jahre Fahrrad“, die noch bis Ende des Monats im Staatsarchiv Ludwigsburg zu sehen ist. Die Popularität des Vereins war vom Ansehen der Tour de France beeinflusst. Als Jan Ullrich 1997 die Tour gewann, hat der Verein profitiert; als später der Drogenskandal aufkam, hat das Image gelitten, erinnert sich Kimmerle. In der Bundesliga fährt der Verein nicht mehr mit. Eine Gruppe junger Radler hat sich herausgelöst und das Radteam Schmitz gebildet. Es nimmt an regionalen Rennen teil.

Trainingsmöglichkeiten werden schwieriger

Die Trainingsmöglichkeiten werden für Rennradler jedoch immer schwieriger. Grund sind die vollen Straßen – auch an den Wochenenden. Autos kommen auf den Landstraßen den Rennrädern gefährlich nahe, besonders wenn sie diese trotz Gegenverkehr überholen. „Ich gehe abends mit dem Rennrad nicht mehr auf die Straße. Stattdessen nehme ich mein Mountainbike und fahre auf Radwegen“, hat Kimmerle für sich festgelegt.

Man müsse geeignete Zeitfenster nutzen, sagt er, beispielsweise den Sonntagvormittag. Den Nachwuchs fürs Rennfahren zu begeistern, sei schwierig geworden. Die Jugend bevorzugt Downhill-Strecken, auf den sie mit ihren Mountainbikes auf befestigten Wegen ins Tal rasen. Doch im Landkreis sucht man ein solches Angebot vergeblich.

Dabei stecke in der Entwicklung des Zweirads und seinem Einsatzmöglichkeiten als Verkehrsmittel viel Potenzial, wie sich in den vergangenen Jahren gezeigt hat. Der RSC Komet wird seine Aufgabe finden, ist sich der zweite Vorsitzende sicher.

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