Die SMV der Robert-Franck-Schule Ludwigsburg hat zur Podiumsdiskussion eingeladen. Von links nach rechts: Peter Schimke (Die Linke), Macit Karaahmetoglu (SPD), Andreas Kasdorf (Bündnis90/Die Grünen), Moderatorin Angela Wistuba, Stefanie Knecht (FDP), Dominik Martin (CDU/JU) und Jürgen Braun (AfD). Foto: Uwe Roth

Politiker diskutieren über die Köpfe der Schüler hinweg

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 23.05.2017

Ludwigsburg Fünf Politiker und eine Politikerin sprachen am Montag in der Aula vor Schülern der Robert-Franck-Schule mit Blick auf die Bundestagswahl.

Eine jährliche Diskussion mit Politikern gehört in der Robert-Franck-Schule am Römerhügel zur Tradition. Veranstalter ist die Schülervertretung SMV. Für die Schülersprecher liegt es im Wahljahr nah, von politischen Vertretern die Themen diskutieren zu lassen, die Schwerpunkte der Parteiwahlprogramme sind: Bildung, soziale Gerechtigkeit, Integration und Außenpolitik, die mit Erdogan und Trump bei jungen Menschen an Bedeutung gewonnen hat.

Aufmerksame Schüler verfolgen in der Aula der Franck-Schule in Ludwigsburg die Podiumsdiskussion zur Bundestagwahl 2017 mit Kommunalpolitikern. Foto: Uwe Roth
Aufmerksame Schüler verfolgen in der Aula der Franck-Schule in Ludwigsburg die Podiumsdiskussion zur Bundestagwahl 2017 mit Kommunalpolitikern. Foto: Uwe Roth

Die CDU schickt den Vorsitzenden des JU-Bezirksverbands Nordwürttemberg, Dominik Martin, aufs Podium; die SPD ihren Kreisvorsitzenden Macit Karaahmetoglu; die Grünen das Ludwigsburger Gemeinderatsmitglied Andreas Kasdorf; die FDP ihre Wahkreiskandidatin Stefanie Knecht; Die Linke ihren Kandidaten Peter Schimke und die AfD ihren Mann fürs Grobe aus dem Rems-Murr-Kreis, Jürgen Braun.

Die jungen Menschen sind gute Zuhörer

Aufmerksame Schüler verfolgen in der Aula der Franck-Schule in Ludwigsburg die Podiumsdiskussion zur Bundestagwahl 2017 mit Kommunalpolitikern. Foto: Uwe Roth
Aufmerksame Schüler verfolgen in der Aula der Franck-Schule in Ludwigsburg die Podiumsdiskussion zur Bundestagwahl 2017 mit Kommunalpolitikern. Foto: Uwe Roth

Die Schüler füllen die Aula. Niemand bleibt unentschuldigt fern. Im Unterricht haben sie Fragen an die Parteienvertreter vorbereitet. Sie müssen allerdings lange darauf warten, bis sie am Ende wenigsten ein paar Fragen loswerden dürfen. Aber die jungen Menschen sind gute Zuhörer. Egal, mit wieviel Politikfloskeln die Podiumsteilnehmer ihre Argumente formulieren, es kommt selten Unruhe auf. Vor allem anfänglich bleiben die Politiker im Vagen und Allgemeinen. Was sie den jungen Erwachsenen schlagwortartig mitteilen, haben die Spitzenpolitiker in Berlin längst oft wiederholt.

Die Politiker von der Basis nehmen es nicht wahr, dass sie nicht in einer Wahlkampfveranstaltung sitzen, sondern in einem Wirtschaftsgymnasium mit Schülern, die erstmals an der Bundestagswahl teilnehmen dürfen oder die sich ansonsten überhaupt nicht für Politik interessieren, die noch nie eine solche Veranstaltung besucht haben und somit den ersten Eindruck bekommen von „so funktioniert Politik“.

AfD-Kandidat fällt ins Wort

Statt neuer Einsichten liefern die Politiker von der Basis eine Lehrstunde in politischer Debattenkultur ab. Angela Wistuba ist eine Moderatorin in Ausbildung und versäumt es gleich zu Beginn, den Diskutanten klarzumachen, dass auf dem Podium sie das Sagen hat. Aktuelle Debattenkultur heißt: Ist ein AfD-Vertreter dabei, beginnt dieser, den anderen konsequent ins Wort zu fallen, alles in Frage zu stellen, alles auf das Thema Flüchtlinge zu reduzieren, die „Altparteien“ und die Presse zu beschimpfen.

Moderatorin greift spät ein

Die Übrigen sind in der Reaktion darauf bemüht, sich von ihm deutlich abzugrenzen. Das aber hat zur Folge, dass die Statements sehr ähnlich ausfallen und die Grenzen zwischen CDU-, SPD-, Grüne-, FDP- und Linke-Positionen schwammig bleiben. Für die Schüler ist das auch keine Entscheidungshilfe. Die Moderatorin lässt die Podiumsteilnehmer lange gewähren, bis sie beginnt, den Redefluss stoppt, um Überlängen zu vermeiden. Als sie ein paar Mal dem AfD-Politiker das Wort abschneidet, stellt dieser umgehend die Objektivität der jungen Moderatorin in Frage.

Konkrete Fragen der Schüler

Besser wäre es gewesen, sie hätte die Schüler früher zu Wort kommen lassen. Diese wollen beispielsweise konkret wissen, was bessere Bildung tatsächlich bedeutet? Für was wollen die Parteien das Geld im Bildungsbereich ausgeben? Einer möchte erklärt bekommen, was genau mit der „schwarzen Null“ gemeint ist – außer nur Sparen? Dass AfD-Mann Braun bei den jungen Menschen weniger gut angekommen ist, zeigt die Frage, ob er Paare zum Kinderkriegen zwingen wolle, nur damit es in Deutschland wieder mehr Nachwuchs gibt? Ein Schüler will Auskunft darüber, ob es die AfD mit dem Freiheitsrecht der Gesellschaft für vereinbar halte, wenn sie die Presse von ihren Parteitagen ausschließe?

Bei der SMV-Veranstaltung zeigt sich, die Schüler schaffen es selbst, die Veranstaltung spannend zu machen. Doch da ist die Zeit bereits vorbei.

Die SMV der Robert-Franck-Schule Ludwigsburg hat zur Podiumsdiskussion eingeladen. Von links nach rechts: Peter Schimke (Die Linke), Macit Karaahmetoglu (SPD), Andreas Kasdorf (Bündnis90/Die Grünen), Moderatorin Angela Wistuba, Stefanie Knecht (FDP), Dominik Martin (CDU/JU) und Jürgen Braun (AfD). Foto: Uwe Roth
Die SMV der Robert-Franck-Schule Ludwigsburg hat zur Podiumsdiskussion eingeladen. Von links nach rechts: Peter Schimke (Die Linke), Macit Karaahmetoglu (SPD), Andreas Kasdorf (Bündnis90/Die Grünen), Moderatorin Angela Wistuba, Stefanie Knecht (FDP), Dominik Martin (CDU/JU) und Jürgen Braun (AfD). Foto: Uwe Roth
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