Präsentation bei Mann + Hummel in Ludwigsburg: DHL-Elektrolaster mit Feinstaubpartikelfilter. Foto: Uwe Roth

Mann + Hummel und DHL befreien Elektrolaster vom Feinstaub

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 20.12.2017

Mann + Hummel und die Deutsche Post haben in Ludwigsburg das erste Paketauto vorgestellt, das im Verkehr weder Abgase noch Feinstaub hinterlässt. Der Filterhersteller hofft, dass Mikrofilter in allen Fahrzeugen zur Serienausstattung wird.

Der Ludwigsburger Filterhersteller „Mann + Hummel“ sucht neue Absatzmärkte und drückt aufs Tempo. Erst im August hatte das Unternehmen sein Entwicklungsprojekt „Feinstaubfresser“ vorgestellt und erste Testfahrzeuge mit einem mächtigen Feinstaubpartikelfilter auf dem Dach auf die Straßen geschickt. Kaum ein viertel Jahr später präsentierte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Alfred Weber, am Dienstag einen Kooperationspartner auf dem Markt der Elektrofahrzeuge, der zu den Vorzeigeunternehmen zählt: die Streetscooter GmbH mit Sitz in Aachen. Sie ist eine 100-prozentige Tochter der Deutschen Post DHL-Gruppe und stattet seit einiger Zeit gelbe Lieferfahrzeuge mit einem Elektromotor aus.

Nach Firmenangaben sind deutschlandweit mittlerweile mehr als 5500 davon im innerstädtischen Einsatz. Künftig sollen die Postautos nicht nur abgasfrei und ohne Motorenlärm die Pakete liefern, sondern beim Bremsen und Anfahren zudem keinen Feinstaub in die Umluft wirbeln. Solcher entsteht durch Abrieb an den Bremsbelägen, Autoreifen oder auch am Asphalt. Ein Feinstaubkörnchen, und das ist die Herausforderung für die Filtration, wiegt weniger als 0,01 Milligramm und ist maximal so groß wie ein Bakterium, mit bloßem Auge folglich nicht zu sehen.

DHL rüstet fünf Testfahrzeuge mit Filtermodulen aus

In einer ersten Erprobung wurden jetzt fünf Postautos mit Filtermodulen aus Ludwigsburg nachgerüstet. Fallen die Ergebnisse positiv aus, werden diese in allen Fahrzeugen eingebaut, kündigt Achim Kampker an. 2018 will Streetscooter nach seiner Ankündigung 20 000 Fahrzeuge produzieren.

Kampker ist der Geschäftsführer des Aachener Unternehmens und begründet die Zusammenarbeit auch damit, aus eigenem Antrieb Maßstäbe für das ökologisch Machbare setzen zu wollen und nicht abzuwarten, bis irgendwann der Gesetzgeber technische Standards vorschreibt, weil ein Elektroauto allein das Feinstaubproblem nicht löst. Darin ist er sich mit dem „Mann + Hummel“-Geschäftsführer einig. Weber fordert, der Gesetzgeber müsse „sich darauf konzentrieren, Grenzwerte vorzugeben und deren Einhaltung sinnvoll zu überprüfen.“ Wie die rechtlichen Vorgaben letztendlich erfüllt werden, sollte nach seiner Überzeugung „dem Ideenreichtum der Entwickler“ überlassen bleiben. Seine Idealvorstellung von Gesetzgebung sind „Rahmenbedingungen, die den Kreativen die notwendigen Freiräume lassen“.

Ein Feinstaubpartikelfilter kostet 1000 Euro

Bei „Mann + Hummel“ wurden die Freiräume wohl gut genutzt. Der klobige Filter auf dem Dach ist in einer sehr viel kleineren Ausführung unten am Heck des Postfahrzeugs eingebaut worden. 80 Prozent der Feinstäube könnten damit herausgefiltert werden, erläutert Projektleiter Jan-Eric Raschke. Der notwendige Strom zum Betreiben des Filters könne über Solarmodule am Fahrzeug emissionsfrei produziert werden, ohne die Reichweite des Postautos zu verringern. Derzeit kostet eine Anlage rund 1000 Euro. In einer größeren Serienfertigung würden die Herstellungskosten aber sinken. Kooperationen bestünden außerdem in China und Indien, so Weber.

Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec war bei der Vorstellung des „weltweit ersten emissionsneutralen Fahrzeugs“, wie es offiziell heißt, im Entwicklungszentrum von „Mann + Hummel“ in der Schwieberdinger Straße mit dabei. Als er gefragt wurde, ob die Stadt ihre Fahrzeuge mit einer solchen Filteranlage nachrüsten werde, äußerte sich der Rathauschef zurückhaltend. Er gehe davon aus, dass ein solches sinnvolles System irgendwann zur Standardausrüstung eines jeden Neufahrzeugs gehören werde. Aber selbstverständlich werde Ludwigsburg bis dahin mit gutem Beispiel vorangehen. Schließlich habe die Stadt bereits E-Fahrzeuge in ihrem Bestand.

Print Friendly, PDF & Email