Ludwigsburg will für Tagestouristen interessanter werden

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 11.12.2017

Der Eigenbetrieb Tourismus & Events in Ludwigsburg stellte seine Pläne für 2018 vor. Stadt subventioniert mit Millionenbeträgen. Größte Sorge ist Auslastung der Veranstaltungshallen.

Ludwigsburg. Mario Kreh findet, Ludwigsburg könnte etwas mehr Tagestouristen vertragen – vor allem an den Wochenenden. An denen seien beispielsweise die Hotels der Stadt im Gegensatz zu den Werktagen schlecht ausgelastet, sagte der Geschäftsführer des städtischen Eigenbetriebs Tourismus & Events am Freitag im Rathaus bei der Vorstellung des Wirtschaftsplans fürs nächste Jahr.

Deswegen will Kreh die Marke Ludwigsburg weiter entwickeln und ein Tourismuskonzept erarbeiten lassen. Darin sollen dann Vorschläge stehen, wie man beispielsweise Schlosstouristen in die barocke Innenstadt locken könnte. Im Moment passiert eher das Gegenteil: Die Busse spucken auf dem Schlosshof die Reisenden aus. Nach einer Führung steigen sie wieder ein, um an einem Tag möglichst viele Sehenswürdigkeiten abhaken zu können. Die Ludwigsburger Gastronomie und der Einzelhandel haben das Nachsehen. Auch für Senioren soll die Stadt als Tagesziel interessanter werden.

Veranstaltungsstätten erfordern hohe Investitionen

Vom Tourismusgeschäft profitiert die Stadt eher indirekt. Es trägt zum allgemeinen Image von Ludwigsburg bei. Die Ausgaben dafür lassen sich einigermaßen steuern. Die drei kommunalen Veranstaltungsstätten, das Forum am Schlosspark, die Musikhalle am Bahnhof und die MHP Arena, müssen dagegen laufend instand- und wettbewerbsfähig gehalten werden, um Einnahmen zu generieren.

Das gelte umso mehr, wenn die Stadt Stuttgart ihr angekündigtes Konzert- und Kongresszentrum baut, so Kreh. Zumal die Konkurrenz in der Region Stuttgart schon heute hart sei. Bereits bekannte Künstler treten nach seiner Beobachtung ausschließlich in Stuttgart auf. Alle anderen orientierten sich an den attraktivsten Angeboten der Veranstaltungshallen, wenn sie einen Auftritt in der Region planten. Aus seiner Sicht ist die EWS-Arena in Göppingen der schärfste Konkurrent. Bis Juni war er dort Geschäftsführer.

Sechs Millionen Euro Zuschuss jedes Jahr aus dem städtischen Haushalt

Dem 2013 gegründeten Eigenbetrieb Tourismus & Events schießt die Stadt insgesamt jährlich über sechs Millionen Euro zu. Etwa eine Millionen im Jahr werden in die Gebäude und deren Technik investiert. Das Forum sei zwar gut ausgelastet, sagte Kreh, mit 30 Jahren aber in eine Phase gekommen, in der Manches modernisiert werden müsse. Geplant sei, demnächst die Küche komplett zu erneuern.

Die Arena wiederum ist noch keine zehn Jahre alt. Die baulichen Instandhaltungskosten der Mehrzweckhalle halten sich aber in Grenzen. Um Betriebskosten zu senken, soll die Beleuchtung aber auf LED-Technik umgestellt werden. Sorge bereitet dem Tourismusmanager aber weiterhin die Auslastung. Dass jetzt auch die Handballfrauen der SG BBM Bietigheim ihre Spiele in der Arena austragen, sei ein Gewinn. Doch einen Bundesligisten im Belegungsplan zu haben, berge auch Risiken. Nicht benötigte Hallenreservierungen beispielsweise bei einem frühzeitigen Ausstieg aus der Champions League würden dem Verein nicht in Rechnung gestellt.

Da sich die Stadt in den kommenden Jahren zahlreiche Veranstaltungen vorgenommen hat, hofft der Eigenbetrieb sein Ziel auf mehr Besucher erreichen zu können. So finden 2018 die Jubiläumsfeier 300 Jahre Stadtrecht und wieder die Venezianische Messe statt, 2020 folgt das Landesturnfest und 2016 eventuell die Landesgartenschau. Stadtkämmerer Ulrich Kiedaisch geht aber davon aus, dass der Eigenbetrieb in den kommenden Jahren wachsende Zuschüsse aus dem kommunalen Haushalt benötigen wird bei gleichzeitigem Verbrauch der Rücklagen. Deswegen müsse „zeitnah ein Prozess eingeleitet werden, um die zukünftigen Finanzierungsfragen zu lösen“. Uwe Roth

 

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