Ludwigsburg wehrt sich gegen Flüchtlingsheim

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Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 28.07.2017

Flüchtlingsunterkunft In Pattonville soll ein zentrales Flüchtlingswohnheim direkt an der Ludwigsburger Stadtgrenze entstehen.

Ludwigsburg. Der Gemeinderat von Ludwigsburg hat am Mittwoch dringend an die Nachbarstädte Kornwestheim und Remseck appelliert, auf den Bau einer geplanten Unterkunft für mindestens 200 Flüchtlinge direkt an der Gemarkungsgrenze zum Stadtteil Grünbühl zu verzichten. Die Fraktionen verabschiedeten in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause einstimmig eine von der Verwaltung vorbereitete Erklärung, nach der „die Stadt die über Presseberichterstattung bekannt gewordenen Pläne ablehnt“.

„Das Vorhaben würde in dieser Weise völlig der dezentralen Unterbringung und Integration widersprechen, wie derzeit in Ludwigsburg praktiziert“

In der Begründung heißt es: „Das Vorhaben würde in dieser Weise völlig der dezentralen Unterbringung und Integration widersprechen, wie derzeit in Ludwigsburg praktiziert.“ In Ludwigsburg werden aktuell einige Unterkünfte für jeweils 60 bis 80 Flüchtlinge in verschiedenen Stadtteilen errichtet. Aus den Reihen der SPD kamen allerdings drei Enthaltungen. Ulrike Faulhaber begründete ihre damit, dass ein solcher Protest nach ihrer Auffassung zu früh kommt und „mehr Öl ins Feuer gießt“, als sein Ziel erreicht.

Oberbürgermeister Werner Spec hatte die Diskussion noch vor den ersten Tagesordnungspunkt gesetzt. Er zeigte sich zu Sitzungsbeginn sichtlich verärgert. „Mit sehr großem Unverständnis“ habe er aus der Zeitung von den Absichten der Nachbarstädte erfahren, auf einem freien Grundstück in Pattonville eine Anschlussunterbringung bauen zu wollen. SPD-Fraktionschefin Margit Liepins betonte wiederum, diese würde so nah an der Stadtgrenze liegen, dass das Gebäude ausschließlich von Ludwigsburger Seite aus zu erreichen wäre.

Kornwestheim handelt nicht nachbarschaftlich

Möglichst nah an Ludwigsburg und möglichst weit weg von Kornwestheims Innenstadt eine große Zahl von Flüchtlingen unterbringen zu wollen, zeige „kein freundliches nachbarschaftliches Verhältnis“, sagte sie. Andreas Kasdorf von den Grünen kritisierte, dass auf die Weise „keine Integration stattfinden kann.“

Die Sprecher aller Fraktionen zeigten sich einig mit der Verwaltung, betonten aber zugleich, dass im Dialog mit den Nachbarkommunen andere Lösungen gefunden werden könnten. Schließlich habe Kornwestheims Oberbürgermeisterin Ursula Keck versichert, dass die Pläne nicht in Stein gemeißelt seien.

Ludwigsburg selbst hat ebenfalls mit einem Anwohnerprotest zu kämpfen. Im Stadtteil Pflugfelden hat ein Bürger Klage gegen eine bereits im Bau befindliche Unterkunft eingereicht, nachdem der Einspruch abgelehnt worden war. Verwaltung und Gemeinderat waren sich darin einig, den Prozess laufen zu lassen und nicht weiter zu reagieren, da das Risiko, diesen zu verlieren, äußerst gering sei.

Ludwigsburg muss sich auf neue Zuweisung vorbereiten

Solchen Einmischungsversuchen dürfe die Stadt nicht nachgeben, hieß es aus den Fraktionen. Sozialbürgermeister Konrad Seigfried verwies in diesem Zusammenhang darauf hin, wie dringend zusätzlicher Wohnraum für Flüchtlinge benötigt werde. Der Landkreis erwarte weitere Flüchtlinge, da das ihm vom Land zugewiesene Kontingent nicht ausgeschöpft sei. Die Neuankömmlinge würden zu einem späteren Zeitpunkt zur Anschlussunterbringung an die Kommunen weitergereicht. Darauf müsse sich die Stadt vorbereiten.  Uwe Roth

Siehe auch:

http://journalistroth.eu/fluechtlingsunterkunft-mit-eingebauter-nachnutzung/

http://journalistroth.eu/neuer-standort-fuer-problemfluechtlinge-gesucht/

http://journalistroth.eu/spezielle-unterkuenfte-fuer-problemfluechtlinge/

http://journalistroth.eu/nuertingen-buerger-entscheiden-ueber-asylheim/

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.