Ludwigsburg: ein 3D-Drucker in der Stadtbibliothek

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 29.01.2020

Er dürfte der geduldigste Mitarbeiter der Stadtbibliothek Ludwigsburg sein. Unermüdlich verrichtet er seine Arbeit. Er ist präzise, ohne nachzulassen, auch nach vielen Stunden nicht. Er kennt keine Arbeitszeiten und bleibt bei Bedarf nachts im Betriebsmodus, wenn alle anderen Bibliotheksmitarbeiter längst im Bett sind.

Der Name ist Ultimaker 3 und steht für einen 3D-Drucker, der seit Ende vergangenen Jahres im Empfangsbereich steht. Ultimaker 3 sieht von weitem aus wie eine Popcorn-Maschine. Er könnte tatsächlich täuschend echt Puffmais produzieren. Der Snack wäre dann aber aus Kunststoff und nicht genießbar. Bis Ultimaker 3 eine Tüte vollgemacht hätte, wäre er eine Schicht lang beschäftigt gewesen. Oder auch zwei. 3D-Druck ist nichts für Ungeduldige.

Interesse an Technik

Wer denkt, vor allem junge Menschen interessieren sich für die moderne Technik, sieht sich getäuscht: Es sind überwiegend Bibliotheksbesucher im Rentenalter, die ungläubig schauen, was eine solche Maschine alles ausspuckt. „Sie kann grundsätzlich alles drucken, was man sich vorstellen kann“, sagt Alexandra Sterz und zeigt eine Kette, deren Glieder frei beweglich sind. Sie ist Mitarbeiterin der Stadtbibliothek (StaBi). Doch statt um Bücher kümmert sie sich um den 3D-Drucker und andere digitale Medien. Sie macht regelmäßig eine 3D-Drucker-Sprechstunde. So wie am Dienstag.

Auf dem Tisch steht ein kleiner Elefant, dessen Beine und der Rüssel hin und her bewegt werden können. Als Ganzes und nicht in Einzelteile kamen sie aus dem Drucker. Doch Ultimaker 3 ist nicht perfekt: Die StaBi-Mitarbeiterin reicht eine kleine Vase herum. Zwölf Stunden hat der Drucker für das 40 Gramm schwere Objekt benötigt. Es ist nett anzusehen mit seiner geriffelten Außenseite, fein moduliert, aber leider nicht wasserdicht.

Künstliches Herz aus dem 3D-Drucker

In der Industrie arbeiten 3D-Drucker in völlig anderen Dimensionen. Sogar kleine Häuser werden aus einem Guss produziert. Auch in der Medizintechnik sind 3D-Drucker zur Selbstverständlichkeit geworden. Es soll bereits gelungen sein, ein künstliches Herz zu modulieren. Ersatzteile zu produzieren, gehört in der Fertigung bereits zur Routine. Vielleicht kann man sich zu Hause irgendwann sein Essen ausdrucken, überlegt ein Zuhörer.

„Sie fragen sich vielleicht, warum eine Stadtbibliothek einen 3D-Drucker hat?“ Sterz erläutert, dass sich die städtische Einrichtung als ein Ort für lebenslanges Lernen versteht und für die Förderung der Medienkompetenz. Das Thema 3D-Druck ist fester Bestandteil der Kinderuni und des Ferienprogramms der Stadt. Erwachsene bekommen Workshops für den praktischen Umgang mit der Maschine angeboten. Sterz lässt den Begriff Maker-Space fallen. Gemeint ist damit eine offene Werkstatt, in der Privatpersonen Zugang zu modernen Fertigungsverfahren bekommen.

Stadtbibliothek hat auch einen 3D-Scanner zum Ausleihen

Tatsächlich reicht für den Zugang ein Bibliotheksausweis. Das Komplizierte am 3D-Druck ist nicht so sehr die feine Mechanik, sondern die Datenlage. Die Drucker sind nicht kreativ, sondern benötigen genaue Anweisung, wo die Düse den 210 Grad heißen Kunststoff in feinen Schichten ausspucken soll. Man könne sich Druckvorlagen kostenlos aus dem Internet herunterladen, sagt Sterz. Dann allerdings kann man seine Vorlage nicht frei gestaltet. Eine Alternative ist, sein Objekt der Begierde zu scannen. Das Ergebnis kommt in eine Datei, mit der der Ultimaker arbeiten kann. Die Stadtbibliothek hat einen Scanner im Angebot, mit dem Gegenstände erfasst und zu Druckdaten umgewandelt werden.

Teuer ist es nicht, die 3D-Technik in der Stadtbibliothek selbst auszuprobieren. Die verwendeten Werkstoffe kosten 50 Cent oder einen Euro. Schon für kleinere Objekte benötigt der Drucker aber einige Stunden. Man kann sich von der Stadtbibliothek per E-Mail informieren lassen, wann der Gegenstand abholbereit ist. Man kann aber ebenso in der Nähe des Druckers bleiben und ein Buch lesen, so lange Ultimaker 3 am eigenen Werk arbeitet.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.