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Lime ist erster Anbieter von E-Scooter in Stuttgart

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SWP, Uwe Roth, 15.08.2019

Die US-Firma Lime startet in Stuttgart mit einem Leihsystem für Tretroller mit Elektroantrieb. Eine Crew des Anbieters soll für Ordnung im Stadtgebiet sorgen. Von Uwe Roth

Deutschland-Geschäftsführer von Lime  Jashar Seyfi. Foto: Uwe Roth
Deutschland-Geschäftsführer von Lime Jashar Seyfi. Foto: Uwe Roth

E-Scooter gehören seit Donnerstag zum Straßenbild von Stuttgart. Das US-amerikanische Unternehmen Lime ist in der Landeshauptstadt als erster Anbieter mit 100 mietbaren Elektro-Tretrollern an den Start gegangen. In Deutschland ist Lime erst seit wenigen Wochen aktiv. In Städten wie Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München sind die grünen Roller schon im Angebot. Jashar Seyfi, Geschäftsführer von Lime Deutschland, ist sich schon jetzt einer steigenden Nachfrage sicher: „Unsere Erfahrung hat uns gezeigt, dass hier ein echter Appetit auf Mikro-Mobilitätslösungen besteht. Daher freuen wir uns, unsere Elektroroller als erster Anbieter auch nach Stuttgart zu bringen“, sagt er bei der Präsentation am Stuttgarter Schlossplatz.

Nach Mitteilung der Stadtverwaltungen stehen zwei weitere Vermieter solcher bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Flitzern in den Startlöchern. Somit dürften demnächst bis zu 300 Verleih-Scooter in der Innenstadt überall dort unterwegs sein, wo Fahrradfahren erlaubt ist. Die Zahl 100, mit der Lime den Wettbewerb eröffnet, ist nicht zufällig gewählt. Die Vorgabe kommt von der Stadt. Mehr E-Scooter je Anbieter sind momentan nicht gestattet.

Wir freuen
uns, unsere
Elektroroller als
erster Anbieter nach Stuttgart zu bringen.
Jashar Seyfi,
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Geschäftsführer Lime Deutschland
 

Der Fahrzeugtyp ist in Deutschland seit Mitte Juni erlaubt. Doch innerhalb kürzester Zeit hat sein Ruf als alternatives, ökologisch korrektes Fortbewegungsmittel für die kurzen Wege schwer gelitten. Berichte von Unfällen mit Fußgängern und Radfahrern häufen sich. Ebenso die über Regelverstöße. Fahren in Fußgängerzonen ist verboten ebenso wie das Fahren zu zweit auf dem Trittbrett. Um sich einen Scooter über eine App ausleihen zu können, muss man 18 Jahre alt sein.

Die Stadtverwaltung hat sich vorgenommen, ein Chaos wie in anderen Großstädten erst gar nicht entstehen zu lassen. Die Anbieter mussten eine „freiwillige Selbsterklärung“ unterschreiben, bevor sie die Erlaubnis erhielten. Darin ist unter anderem festgelegt, wo die E-Scooter abgestellt werden dürfen und dass der Strom für die Akkus aus erneuerbaren Energien stammen muss.

Geschäftsführer Seyfi hat sich vorgenommen, mit seiner Flotte nicht unangenehm aufzufallen. Eine „Lime Crew“ soll für Ordnung sorgen. Sie besteht aus jungen Leuten, meist Studenten, die im Stadtgebiet durch die Straßen ziehen, falsch abgestellte Roller zur Seite schaffen und Fahrer stoppen, die auf verbotenen Wegen unterwegs sind. Student Hendrik ist ein solches Crew-Mitglied. Der 25-Jährige organisiert sich seine Arbeitszeit mit anderen Crew-Mitgliedern über eine App des Unternehmens. Abgerechnet wird auf Stundenbasis, teilt er mit.

Da die Akkus nicht ausgewechselt werden können, werden die Scooter zum Stromladen eingesammelt und zu einer Betriebsstation von Lime im Stadtgebiet gebracht. Dort werde jedes Fahrzeug drei- bis viermal in der Woche gewartet, sagt Seyfi. Das Unternehmen lasse sie in China bauen. Nach maximal einem Jahr werde ein Scooter ausgemustert. Seyfi rechnet damit, dass seine Flotte gut nachgefragt wird.

Grundgebühr beträgt ein Euro

Günstig ist der Verleih nicht: Um einen Scooter über die App freigeschaltet zu bekommen, zahlt der Nutzer einen Euro. Jede ausgeliehene Minute kostet weitere 25 Cent. Nach einer Fahrzeit von sechs Minuten ist die Scooter-Fahrt genauso teuer wie ein Ticket des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) für eine Zone: 2,50 Euro. Auch wenn eine Batterieladung für 50 Kilometer reicht, wird kaum jemand mit einem E-Scooter einen längeren Ausflug machen, erwartet auch die Stadt. Sie betrachtet den Scooter als „Ergänzung zum öffentlichen Verkehr“ und sieht ihn als flexibles Transportmittel, um die „erste oder letzte Meile“ zur nächsten Haltestelle oder von dort bis zur Haustüre zu überwinden.

Kurz nachdem am Donnerstag die ersten E-Scooter bereitstehen, hat sie eine asiatische Touristengruppe für sich entdeckt. Fröhlich winkend und mit Maximalgeschwindigkeit rollen sie verbotenerweise über den Schlossplatz. Ein erster Fall für die „Lime Crew“.

Zwei weitere Anbieter sind zugelassen

In der Landeshauptstadt sind laut Verwaltung neben „Lime“ die Unternehmen „Circ“ und „VOI“ zwei weitere zugelassene Anbieter. Sie verlangen von ihren Kunden die gleiche Grundgebühr von einem Euro pro Fahrt. Unterschiede gibt es bei den Kosten pro Minute.

In der App des Anbieters ist markiert, wo E-Scooter nicht abgestellt werden dürfen. Wird er auf einem Radweg oder mitten auf dem Fußweg stehengelassen, wird er von der Stadt entfernt. In diesem Fall wird eine Strafgebühr für den Verursacher fällig.

E-Roller dürfen in den S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart (VVS) kostenlos in zusammengeklapptem Zustand mitgenommen werden. Während der Fahrt mit Bussen und Bahnen läuft die Mietzeit für Leihscooter weiter. uro

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.