Landkreis Ludwigsburg: Kindernester wollen mehr Geld

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 24.10.2017

Im Landkreis Ludwigsburg gibt es 20 Betreuungseinrichtungen, die sich Kindernester nennen und in Eigenverantwortung betrieben werden.


Im Landkreis gibt es 20 sogenannte Kindernester. Das sind Betreuungseinrichtungen, die von Tagesmüttern oder anderen privaten Organisationen in eigener Verantwortung betrieben werden. In Bietigheim-Bissingen gibt es die Kindernester Sonnenkäfer und Glühwürmchen, die zu diesem Verbund gehören und Kernöffnungszeiten von sieben bis 16.30 Uhr anbieten. Sie sind unabhängig und rechnen das Finanzielle direkt mit den Eltern ab. Schwierig wird es für sie in der Kalkulation allerdings, wenn Betreuungslücken entstehen, weil eine Fachkraft oder eine Tagesmutter krank oder im Urlaub ist.

Kindernester suchen Hilfe bei CDU

Die Kindernesterbetreiber haben sich deswegen mit einem Brief an die CDU im Kreistag mit der Bitte gewandt, ob sie seitens des Landkreises bei der Finanzierung von Vertretungskräften unterstützt werden könnten.

Im Jugendhilfeausschuss des Kreistags am Freitag sind die Kindernester mit ihrem Anliegen nur bedingt weitergekommen: Anstatt einer dauerhaften Lösung erhalten die 20 Einrichtungen einmalig im kommenden Jahr 91 000 Euro, um die Vertretungsregelung eigenständig und individuell zu lösen. Dies entspricht einer monatlichen Zahlung von 400 Euro je Kindernest.

Die Betreiber wollten eigentlich 700 Euro im Monat – dauerhaft. Das wären knapp 160 000 Euro jährlich aus der Kreiskasse gewesen. Erst im übernächsten Jahr soll es eine endgültige Lösung geben. Die Landkreisverwaltung will bei der Lösungsfindung allerdings lediglich als Vermittlerin auftreten und nicht als Geldgeberin. So zumindest lautete das einstimmige Votum des Ausschusses. Die Kindernester sollen sich nach Auffassung der Kreisverwaltung und des Ausschusses finanziell direkt mit den Städten und Gemeinden einigen.

Favorit der Kindernester ist die Mary Poppins-Lösung

Am liebsten wäre den Kindernestbetreibern die sogenannte Mary Poppins-Lösung, bei der eine Fachkraft eingestellt wird, die zwischen den Kindernestern pendelt, um den Kindern vertraut zu werden. Bei Engpässen hilft sie auch länger im jeweiligen Kindernest aus. Für die Kreisräte im Jugendhilfeausschuss war dieses Konzept nicht einleuchtend, weil sie nicht sichergestellt sahen, dass mit dem Geld vom Landkreis tatsächlich Fachkräfte eingestellt werden. Außerdem würden von den 385 aktiven Tagespflegepersonen nur rund 400 als Hauptverantwortliche von der Vertretungsregelung profitieren. Zudem stellten die Kreisräte grundsätzlich die Pflicht des Landkreises in Frage, hier finanziell einzuspringen. ⇥Uwe Roth

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