Kreissparkasse Waiblingen gründet Beratungszentren

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ZVW Uwe Roth 18.10.2016

Waiblingen. Die Kreissparkasse Waiblingen richtet neben ihren Filialen zusätzlich 25 Beratungscenter ein. Mit der Neuausrichtung ihres Kundengeschäfts reagiert die Sparkasse auf schärfere Vorschriften insbesondere bei der Immobilienfinanzierung und in der Vermögensberatung. Auch die Kunden stellten höhere Ansprüche, betonte Vorstandsmitglied Ines Dietze am Montag.


Der naive Kunde war gestern. Meistens kommt er heute „bereits vorinformiert“ zum Sparkassenberater, sagt Ines Dietze, die bei der Kreissparkasse (KSK) Waiblingen für das Privatkundengeschäft zuständig ist. Wahlweise hat er sich im Internet schlaugemacht, beim Nachbarn, oder er hat entsprechende Informationen in seiner Zeitung gefunden. „Er hat ein spezielles Anliegen, wenn er zur Bank kommt“, stellt die Vorständin fest. „Die Kunden wollen keine Produkte, sondern Lösungen“, lautet die Erkenntnis. Um Überweisungen zu tätigen oder Daueraufträge einzurichten, kämen die Kunden hingegen zunehmend seltener in eine Filiale. Routineaufgaben würden über Onlinebanking oder am Bankautomaten erledigt.

„Mobile Beratung ist ein Megatrend“

„Themen-Allrounder – das klappt so nicht mehr“, ist Ines Dietze überzeugt. Sparkassenmitarbeiter werden stattdessen zu Themenspezialisten, die nicht nur stationär eingesetzt sind, sondern auch den Kunden besuchen, sollte der sein Haus nicht verlassen können. „Mobile Beratung ist ein Megatrend“, äußert sie sich dazu.

Aber auch regulatorische Vorschriften im Verbraucherschutz haben laut Dietze die KSK veranlasst, ihr Beratungsgeschäft neu zu strukturieren. Berater benötigen demnach Sachkundenachweise und Belege dafür, dass sie regelmäßig Beratungsgespräche führen. In Filialen mit wenig Kundenverkehr sei ein solcher Nachweis jedoch schwer zu erbringen, erläutert Vorstandsvorsitzender Bernd Fickler.

Die Sparkasse hat daraus Konsequenzen gezogen, eigenes Personal insbesondere in den Bereichen Baufinanzierung und Wertpapiergeschäft weiterqualifiziert und möglichst gleichmäßig über den Landkreis verteilt. Dazu werden bis Jahresende in jeder Gemeinde jeweils Beratungscenter eingerichtet, in Waiblingen drei sowie in Winnenden und Schorndorf jeweils zwei. Insgesamt wird es am Ende 25 Beratungszentren geben. Eine Vermögensberatung gab es bislang nur an neun Standorten.

Die Filialen werden zudem nach Bedarf räumlich ausgebaut. „Vor einer Woche haben wir unsere Filiale in Birkmannsweiler in Betrieb genommen, mit einem neuen innovativen Konzept, wo mehr Raum und Zeit für eine umfassende Beratung geschaffen wurden“, beschreibt Vorstandsmitglied Lothar Kümmerle die aufs neue Kundengeschäft ausgerichtete Musterfiliale. Die zusätzlich benötigten Beratungsräume werden im Gebäude der jeweiligen Filiale untergebracht. Sollte diese nicht möglich sein, wie in Rudersberg oder Stetten, sucht die Kreissparkasse im Ortskern einen neuen Standort.

Gleichzeitig hat die Sparkasse ihr Filialnetz neu geordnet. Das ist für den Kunden von wenig Belang, sagt Vorstand Fickler, intern jedoch sei ein gewaltiger Umstrukturierungsprozess in Gang gekommen. Die KSK im Rems-Murr-Kreis ist nun in sechs Marktbereiche unterteilt: Backnang, Winnenden, Waiblingen, Fellbach/Weinstadt, Schorndorf sowie Schwäbischer Wald mit Sitz der Filialdirektion in Welzheim. Der KSK-Vorstand ist überzeugt, dass mit der Neuausrichtung dem Kunden „genau das geboten wird, was er braucht“. Ob das der Kunde auch so sieht und er sich abhalten lässt, im Internet nach Angeboten zu surfen und stattdessen das persönliche Beratungsgespräch zu suchen, wird sich zeigen. Das räumt auch der Vorstand ein. „Früher hätten wir gesagt, das Konzept bleibt zehn Jahre so bestehen“, sagt Vorstandschef Fickler. „Jetzt fahren wir mehr auf Sicht. Wir sind zu einer lernenden Organisation geworden.“

Die potenzielle Kundschaft werde zunehmend heterogener: Es sei nicht so, dass junge Leute ausschließlich online unterwegs seien, viele suchten auch die persönliche Beratung. Andererseits seien ältere Menschen nicht automatisch die treuesten Kunden der Filialen. Auch sie bevorzugen zum Teil die Angebote aus dem Netz. Im Moment ist die KSK optimistisch: Wegen der niedrigen Zinsen gäbe es keine risikolosen Anlagen mehr. Wer sich auf ein Risiko einlasse, wolle in der Regel auch beraten werden. Die Vorstände versichern,, Filialen würden in nächster Zeit nicht geschlossen. Wegen der ausgeweiteten Beratungsangebote werde aktuell Personal sogar gesucht.