Konversion: Es darf nicht mit einem Kompromiss enden

Staatsanzeiger Uwe Roth

Man kann den Verantwortlichen nur wünschen, dass sie ihren grünen Anspruch bei der Konversion bis zum Ende durchhalten. Gerade in Mannheim und Heidelberg könnten die ehemaligen Kasernenareale im Stadtbereich dazu verleiten, drängende Raumprobleme vergleichsweise günstig und rasch zu lösen. Solche attraktiven Areale sind schnell zugebaut, die Suche nach Investoren dürfte nicht schwierig sein.

Deren Versprechen, die Pläne naturnah zu realisieren, ist aber stets mit Vorsicht zu genießen. Die Rendite der Investoren errechnet sich aus der Vermarktung der Gebäudeflächen – und nicht der Grünflächen. Wenn die Rechnung nicht aufgeht, wird Druck auf die Kommunalpolitik ausgeübt und die Erlaubnis zur Nachverdichtung eingefordert. Am Ende einigt man sich auf einen faulen Kompromiss und schwärmt von dem einen herrlichen Biotop, das irgendwo zwischen den Gebäuden entstanden ist.

Verständlich ist das Bedürfnis der Kommunen, wieder die Planungshoheit über die Militärflächen zu bekommen. Viele Jahrzehnte waren die Kasernen willkürlich gesetzte Fremdkörper im Stadtbild. An den Zäunen ums Militärgelände hörte die Stadt auf. Jetzt ist es wieder zugänglich. Das hat etwas von Befreiung.

Es ist gut, wenn die Bürger das Bedürfnis haben, mit der Konversion auch Natur zurückzugewinnen. In Ludwigsburg haben sie die Chance dazu verpasst. Als vor 20 Jahren dort der Umwandlungsprozess begann, war wahrscheinlich die Zeit dafür noch nicht reif. Zahlreiche Baugebiete sind entstanden, die meisten inzwischen gefüllt. Öffentliche Grünanlagen Fehlanzeige. 6000 Einwohner sind seither hinzugekommen. Die Innenstadtbewohner merken es am Verkehr.

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