Kommunale Klimapolitik: „Städte brauchen eine stärkere Wahrnehmung“

Staatsanzeiger Uwe Roth Juni 2012

Der Oberbürgermeister von Heidelberg, Eckart Würzner, ist Präsident des Städtenetzwerkes Energy Cities und in dieser Funktion Teilnehmer an der UN-Klimaschutzkonferenz Rio+20, die an diesem Freitag endet.

Staatsanzeiger: Herr Oberbürgermeister, mit welchen Erwartungen waren Sie nach Brasilien geflogen?

Eckart Würzner: Was meine Erwartungen an konkrete Ergebnisse betrifft, so reiste ich mit gemischten Gefühlen. Was wir als Städte erreichen wollen, ist eine stärkere Wahrnehmung. Städte müssen auf internationaler Ebene die Bedeutung bekommen, die sie beim Klimaschutz tatsächlich haben. Energy Cities hat im Vorfeld ein Strategiepapier ausgearbeitet. Darin rufen wir Kommunen weltweit auf, Passivstandards zu fördern und die erneuerbaren Energien auszubauen.

Welche Wahrnehmung?

Kommunen haben eine große Verantwortung für die Energiepolitik. Weltweit. Für die Gestaltung benötigen Kommunen aber die dafür notwendigen Kompetenzen. Ohne Kompetenzen ist es wesentlich schwieriger, die energiepolitischen Ansätze, die von der Bevölkerung eingefordert werden, lokal und regional umzusetzen. In Deutschland sind die Voraussetzungen im Wesentlichen gegeben: Wir haben eine sehr hohe Verantwortung und auch Kompetenz – mit eigenen Stadtwerken und eigenen Energieerzeugungsanlagen. Das ist in vielen anderen europäischen Städten und erst recht nicht außerhalb Europas so nicht der Fall. Deswegen arbeitet unser Netzwerk nicht nur auf europäischer, sondern auch auf internationaler Ebene darauf hin, diese Rolle der Kommunen für einen effektiven Klimaschutz zu stärken.

Welche Heidelberger Erfolgsbilanz nahmen Sie zur Konferenz mit?

Die Stadtverwaltung von Heidelberg hat sich systematisch mit den Themen Klimaschutz und Energieeffizienz beschäftigt und dadurch große Fortschritte erzielt. Wir haben eigene Fachkräfte angestellt und mit ihnen eine hohe Kompetenz zur Lösung dieser Fragen erreicht. Zusammen mit der Bevölkerung haben wir klimapolitische Ziele erarbeitet und im Gemeinderat konkrete Beschlüsse gefasst. Die Fortschritte bei der Umsetzung werden alle zwei Jahre in einem Erfolgsbericht überprüft. So ist es uns beispielsweise gelungen, den Energieverbrauch bei allen kommunalen Gebäuden um 50 Prozent zu verringern. Wir kaufen konsequent grünen Strom und sind dadurch einer der größten Ökostrombezieher in Deutschland. Mit der Bahnstadt Heidelberg entsteht zudem ein neuer, CO2-freier Stadtteil. Die Bahnstadt wird komplett in Passivhausbauweise errichtet und aus regenerativen Energien gespeist. Solche Bemühungen gibt es in Heidelberg schon seit über zehn Jahren, so dass es einige nachhaltige Erfolge zu verzeichnen gibt.
Als Akademikerstadt sind Sie bei der Umsetzung ihrer ehrgeizigen Pläne im Vorteil. Ist das Modell Heidelberg auf andere Städte übertragbar?

Nein, so einfach übertragbar ist es sicherlich nicht. Wir haben in der Stadt eine sehr hohe Wahrnehmung solcher globalen Themen durch die Bevölkerung. Die macht auch Druck und erwartet, dass die Institutionen – wie die Verwaltung, die Universität und andere öffentliche Einrichtungen – beispielhaft vorangehen. Nur wenige Städte haben solche positiven Voraussetzungen. Doch grundsätzlich gilt: Die Erfahrungen aller Kollegen in Europa, aber auch weltweit zeigen, dass es auf kommunaler Ebene für den Klimaschutz ein großes Engagement gibt, wenn auch in ganz unterschiedlichen Bereichen.

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