Jäger nehmen Waffengesetze ins Visier

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ZVW Uwe Roth 27.03.2017

Winnenden. Die Terrorbekämpfung ist als Thema bei der Kreisjägervereinigung Waiblingen angekommen. Kreisjägermeister Volker Schmidt warnte am Samstag bei der Mitgliederversammlung in Winnenden vor Plänen der EU-Kommission, den Besitz bestimmter Waffen zu verbieten. Auch die Bundesregierung will die Kontrollen verschärfen.


Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung in der Hermann-Schwab-Halle standen keine umstrittenen Themen. „Das vergangene Jahr bot erfreulicherweise jagdrechtlich und jagdpolitisch keine wesentlichen Aufreger“, bilanzierte Kreisjägermeister Volker Schmidt das Jahr 2016. Insofern könne die Vereinsarbeit als Business as usual bezeichnet werden. „Ich sehe das positiv. Es bedeutet aus meiner Sicht, dass die Vereinsarbeit läuft“, stellte er fest und betonte, dass dieses Lob an alle aktiven Jäger der Kreisjägervereinigung gerichtet sei. Deren Zahl ist 2016 wiederum leicht gestiegen und liegt jetzt bei 671. Schmidt hat sich nach eigenem Bekunden die Zielmarke 700 gesetzt. Als erfreulichen Trend hat er das Interesse junger Frauen an einem Jagdschein ausgemacht. 50 weibliche Mitglieder hat der Verein bislang. Da sei durchaus „noch Luft nach oben.“

EU-Ziel: „Keine Handfeuerwaffen in Privathänden“

Was ihn jedoch umtreibt, ist der nach seiner Meinung negative Trend drohender Verschärfungen des Waffenrechts auf Bundes- und EU-Ebene. „Ich bin mir nicht sicher, ob die darin lauernde Gefahr jedem Jäger bewusst ist“, warnte er. So habe die EU-Kommission zwei Tage nach dem Anschlag in Paris einen Vorschlag veröffentlicht, nach dem „im Wesentlichen Waffen, die Kriegswaffen ähnlich sehen, verboten werden sollen“. Außerdem ist nach seinem Informationsstand beabsichtigt, waffenrechtliche Erlaubnisse auf voraussichtlich fünf Jahre zu begrenzen. Eine Verlängerung solle von ärztlichen Untersuchungen abhängig gemacht werden. „Erklärtes Ziel ist, keine Handfeuerwaffen in Privathänden.“

Was sich sinnvoll anhöre, werde jedoch für die privaten Jäger zum großen Problem. Denn Scharfschützen der Polizei nutzten Waffen mit Magazinen, die genauso wie die der Jäger aussähen. „Soll es so weit kommen, dass wir nur noch mit Einzelladern zur Jagd gehen dürfen?“, stellte er die Frage und malte das Szenario, dass Jäger vor der Pirsch künftig ihre Waffe samt Munition bei der Behörde abholen und am Ende dort wieder deponieren müssten. Auch am Sinn einer regelmäßigen Gesundheitsüberprüfung hat der Kreisjägermeister so seine Zweifel. „Gehören Tests über die motorischen Fähigkeiten zur Bedienung einer Waffe dazu, ist Bedingung ein psychologisches Gutachten? Wer entscheidet das, und wer bezahlt das?“

Eine Stellungnahme des Bundesrats zur geplanten Reform des Waffenrechts durch den Bundestag, die in eine ähnliche Richtung zielt, empört ihn gleichfalls: Demnach könne die Behörde, sollte die Stellungnahme Realität werden, vor der Erteilung einer waffenrechtlichen Erlaubnis, wozu auch der Jagdschein zähle, ein persönliches Erscheinen des Antragsstellers anordnen. Eventuelle körperliche oder geistige Beeinträchtigungen sollte so geprüft werden. Infolge der Verschärfung des Waffenrechts drohe zudem, dass mit dem Kauf einer neuen Waffe unter bestimmten Umständen die Anschaffung eines Tresors der höchsten Sicherheitsklasse notwendig werde.

„Einschränkungen über kurz oder lang treffen“

Der Kreisjägermeister rief seine Mitglieder zu Aktionen wie Unterschriften oder Onlinepetitionen auf. „Sprechen Sie mit Gemeinderäten, Kreisräten und Landtagsabgeordneten.“ Schmidt zeigte sich überzeugt, „auch uns werden solche Einschränkungen über kurz oder lang treffen“. Wenn Jäger glaubten, das alles gehe sie nichts an, dann handelten sie „abgrundtief naiv“. Im Rahmen der Graswurzeltaktik, wie er es nannte, könne „ein gemeinsames Engagement aller legalen Waffenbesitzer vielleicht etwas ändern“.

Von einem kleinen Erfolg konnte er zumindest auf Kreisebene berichten. Nach „hoch kontroversen Diskussionen“ habe man sich mit der Kreisverwaltung auf eine Änderung der Gebührenordnung für die dreijährige Regelüberprüfung geeinigt: So sei die ursprünglich vom Landratsamt vorgesehene Gebühr von 40 Euro pro Stunde in eine Pauschale von 20 Euro für eine Regelüberprüfung verändert worden.

Weitaus weniger politisch war das Rahmenprogramm des Kreisjägertags am Samstag und Sonntag. Viel Publikum zogen die Jagdhunderassenvorstellung und die große Falknervorführung an. An beiden Tagen unterhielt die Jagdhornbläsergruppe der Kreisjägervereinigung die Besucher.