IG-Metall-Kundgebung in Ludwigsburg. Anlass ist die zweite Verhandlungsrunde mit Südwestmetall. Foto: Uwe Roth

IG Metall: Warnstreiks folgen der Kundgebung in Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 15.12.2017

Mit einer Kundgebung begleitete die IG Metall die Tarifverhandlungen. Der erste Warnstreik in der Region Stuttgart ist Anfang des Jahres 2018 in Bietigheim geplant. Von Uwe Roth

Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführer, Roman Zitzelsberger. Foto: Uwe Roth
Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführer, Roman Zitzelsberger. Foto: Uwe Roth

Der Sturm hatte um die Mittagszeit etwas Gutes: Die unzähligen roten Gewerkschaftsfahnen flatterten heftig und brachten am Donnerstag zumindest optisch Dynamik in die Kundgebung der IG Metall vor dem Ludwigsburger Forum. Die großen Banner blähten sich auf und waren umso besser zu lesen: Sechs Prozent mehr Lohn, flexiblere Arbeitszeiten und eine feste Tarifbindung, so die zentralen Forderungen der Beschäftigen.

Aus ganz Baden-Württemberg waren Gewerkschaftsfunktionäre in Bussen angereist, um den Forderungen ihrer Vertreter in der zweiten Tarifverhandlung für die rund 900 000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg Nachdruck zu verleihen.

„Sechs Prozent sind unser Ziel; sechs Prozent sind unser Deal“

Dabei machten die Gewerkschafter, viele mit Nikolausmütze statt roter Gewerkschaftskappe ausgestattet, trotz Wind und Kälte kräftig Stimmung – nicht nur mit den üblichen Trillerpfeifen. Die Moderatorin Tatjana Funke animierte von der Bühne immer wieder zu Sprechgesängen: „Sechs Prozent sind unser Ziel; sechs Prozent sind unser Deal.“ Die Stimmung werde er in die Gespräche mit den Arbeitgebern mitnehmen, erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg und Verhandlungsführer, Roman Zitzelsberger, am Ende der zweistündigen Kundgebung.

Foto: Uwe Roth
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Besondere Bierdose der Arbeitgeber soll provozieren

Er hielt dabei eine ganz besondere Bierdose in der Hand. Die Arbeitgeber hatten die Dose für ihren Werbezweck und als Reaktion auf die Tarifforderung der Gewerkschaft mit „Jobexport“ bedrucken lassen. Ungewollt hätten die Arbeitgeber auf der Bierdose ein Tarifangebot abgegeben. „4,9 Prozent“ waren dort als Alkoholgehalt angegeben und „4.4.2018“ als Haltbarkeitsdauer. „Das wäre mal ein Angebot“, spottete Zitzelsberger und sagte Richtung Arbeitgeber: „Traut euch das zu machen. Ihr müsst ein bisschen mutig zu sein.“

Die Hoffnung, dass die Arbeitgeber von Südwestmetall ein akzeptables Angebot vorlegen würden, war unter den Rednern der Kundgebung nicht besonders groß. Die bisherigen Ankündigungen seien aus Gewerkschaftssicht „reine Nullnummern“ gewesen. Unter den Demonstranten waren etwa 400 Gewerkschaftsfunktionäre aus dem Landkreis Ludwigsburg, schätzte Konrad Ott, erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg und Waiblingen. Nach seiner Aussage war das erste Angebot der Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde in Bayern, das bei zwei Prozent lag, „die pure Provokation“. Daher habe man sich bereits auf erste Warnstreiks nach den Feiertagen vorbereitet. Am Montag, 8. Januar, werde ein erstes Unternehmen in Bietigheim-Bissingen bestreikt, sagte Ott der BZ. Die Warnstreiks würden zwei Wochen fortgeführt, jeweils in einem anderen Unternehmen.

Flexiblere Arbeitszeit gefordert

Monika Hörer, Betriebsrätin bei Bosch Automotive Steering in Bietigheim, ist ebenfalls unter den Demonstranten. Für die Gewerkschafterin leitet sich die Höhe der Forderung von sechs Prozent aus der sehr guten Wirtschaftslage der Unternehmen ab. Sie stellte aber ebenso die sozialen Forderungen in den Vordergrund. Beschäftigte müssten beispielsweise ein Recht haben, Arbeitszeit zu reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Die Betriebsrätin zeigte sich von der hohen Beteiligung an der Kundgebung beeindruckt. Die Stimmung hier vermittele einen guten Eindruck, wie groß die Unterstützung der Arbeitnehmerschaft sein werde, sollte es zu Streiks kommen.

Solidarität zeigten die Teilnehmer der IG-Metall-Kundgebung einer Vertreterin von Verdi. Nadja Schmidt ist Pflegekraft und Betriebsrätin am Klinikum Ludwigsburg. Auf der Bühne machte sie als letzte Rednerin auf die Forderung nach mehr Personal aufmerksam. Hier ist die Gewerkschaft einen Schritt weiter. An einigen Kliniken wird bereits gestreikt.

Foto: Uwe Roth
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