IBA Stuttgart: Positionen der Städte im Rems-Murr-Kreis

ZVW Uwe Roth 13.07.2017

Waiblingen. Teure Mieten, wachsende Pendlerströme und eine Wirtschaft vor großen Herausforderungen: Die Region Stuttgart leidet unter wachsenden Strukturproblemen. Die Internationale Bauausstellung (IBA) soll in den kommenden zehn Jahren innovative Ideen für Lösungen und einen Richtungswechsel liefern.

In den Städten des Kreises haben sich die Fachleute Gedanken gemacht, welchen Beitrag ihre Kommune zum Erfolg der IBA 2027 beisteuern könnten. Die Fertigstellung der Weißenhofsiedlung am Killesberg vor 100 Jahren ging in die Architekturgeschichte ein. Ihr Erfolg ist bis heute legendär. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte erhoffen sich die Initiatoren der Internationalen Bauausstellung StadtRegion Stuttgart. Sie hat in diesem Jahr begonnen und liefert in zehn Jahren möglichst viele herausragende Ergebnisse, die im besten Fall als Blaupause für weitere Projekte dienen. Um den Anspruch „international“ einzulösen, muss die IBA grenzüberschreitend wirken.

Wie die offizielle Schreibweise StadtRegion zeigt, ist die Planungsfläche nicht wie vor 100 Jahren auf die Landeshauptstadt beschränkt, sondern ausgeweitet auf die fünf Landkreise um Stuttgart herum. Die IBA ist auf Initiative des Verbands Region Stuttgart (VRS) von der Regionalversammlung ebenso mit Stimmen der Regionalräte aus dem Rems-Murr-Kreis beschlossen worden. Nun sind die Kommunen und der Kreis gefordert. Vor allem müssen die Gemeinderäte mitziehen, damit für die IBA überhaupt etwas entsteht.

OB Klopfer, Schorndorf: „IBA bietet einzigartige Chance“

Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer sieht mit seinen Erfahrungen als Aufsichtsratsvorsitzender der Remstal-Gartenschau die größte Herausforderung darin, die vielen Kommunen in der Region für das gemeinsame Projekt nach seinen Worten „unter einen Hut zu bekommen“. Demjenigen, der diese Aufgabe bei der IBA übernehmen wird, wünscht der OB „schon heute viel Erfolg und ein glückliches Händchen“. Seines Erachtens „bietet die IBA eine einzigartige Chance, dass die gesamte Region Stuttgart enger zusammenwächst.“ Davon profitiere „dann auch jede einzelne Kommune durch neue Impulse für die örtliche Baukultur.“

Oberbürgermeister Andreas Hesky stellt fest: „Waiblingen hat als Kreisstadt den Anspruch, sich an der IBA zu beteiligen.“ Im unmittelbaren Bezug zu Stuttgart könne sich die Stadt „durch entsprechende Konzepte als innovativer Wohn- und Gewerbestandort weiter positionieren“. Ähnlich formuliert es die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Sie sagt über das uneinheitliche Stadtbild: „Fellbach ist eine Stadt der stadträumlichen Brüche“. Die strukturellen Herausforderungen der Stadt seien die Themen Wohnen und Entwicklung der Industrie, die sie aber als typisch für die Region betrachtet. Diese im Rahmen der IBA in Angriff zu nehmen, „kann für Fellbach eine große Chance sein“.

IBA-Ziel: Schaffung von günstigem Wohnraum

„Die Bereitstellung von preisgünstigem Wohnraum aufgrund des Einwohnerwachstums“ ist auch für die Stadt Winnenden einer der vorderen IBA-Ziele. Diese Aufgaben müssten „ganzheitlich und interdisziplinär betrachtet werden“. So dürfe das Thema Wohnen nicht isoliert, sondern müsse im Zusammenhang mit Ansprüchen an die Mobilität und Ökologie betrachtet werden. Neben baulichen Leuchtturmprojekten müssten „nicht-investive Projekte und Maßnahmen“ erprobt werden. Dazu zählt die Rathaussprecherin „überörtliche Netzwerke, Bürgerengagement, Beteiligungskonzepte und Integration.“

In Winnenden ist man intern auf der Suche nach Flächen, auf denen IBA-Projekte realisiert werden könnten. In Waiblingen ist man bereits weiter: „Die Stadt verfügt über ein Angebot an kommunalen Flächen.“ Es sei jedoch „zu hoffen und zu wünschen, dass zusätzlich private Flächen für den Wohnungsbau oder für den gewerblichen Bereich zur Verfügung gestellt werden“. Auf dem Areal, für das aktuell das „Grüne Hochhaus“ diskutiert werde, könnten Projekte für einen experimentellen Wohnungsbau in der Region entstehen. Da geeignete Grundstücke rar seien, müsse der Mut aufgebracht werden, bekannte Wege zu verlassen.

IBA: Hoffnung auf finanzielle Förderung

Zu den Schorndorfer Möglichkeiten sagt Klopfer: „Wir sind mit dem VRS bereits in Gesprächen wegen des Wohnungsbauschwerpunkts in unserem Stadtteil Haubersbronn. Dort sollen nach 2025 auf rund zehn Hektar rund 430 Wohneinheiten entstehen. Ich kann mir aber auch eine Reihe weiterer Projekte vorstellen, die wir im Zuge der IBA in Schorndorf anpacken könnten.“ Solche IBA-Projekte könnten nach seiner Auffassung aber nur realisiert werden, „wenn sich der VRS und vor allem aber das Land sehr stark engagieren und entsprechend hohe finanzielle Förderungen für die Kommunen gewähren“.

Waiblingen setzt ebenfalls auf entsprechende Fördermittel. Auch müsse für ausreichend Personal gesorgt werden, „da solche Projekte sehr zeitintensiv sind“. Am Ende machten nur solche Projekte die Bedeutung einer IBA für Waiblingen und die Region Stuttgart aus, die sorgfältig und im Konsens aller Beteiligten umgesetzt wurden.

IBA Stuttgart und Region: Herausforderungen für die Zukunft

Nicht in einer Krise zu handeln, sondern rechtzeitig davor, wenn Geld ausreichend vorhanden ist – dieser Ansatz ist nach den Worten von Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Stuttgart (WRS) „eine IBA der neuen Generation“. Rogg ist bis zur Einrichtung der Geschäftsstelle für die ersten Schritte der IBA-Planung zuständig.

Als Stichworte für den sich abzeichnenden Wandel nennt Rogg die Elektromobilisierung, Wirtschaft 4.0 oder auch den demografischen Wandel. In den kommenden Jahren werden nach den Worten von Rogg 150 000 in der Region Beschäftigte in Rente gehen, aber nicht wegziehen. Die ihnen auf den Arbeitsplatz folgten, müssten aber auch irgendwo wohnen. „Wie dies zu organisieren ist, wirft einige Fragen auf.“

Antworten müssten sein, Arbeiten und Wohnen wieder mehr in räumliche Nähe zu bringen, aber auch mehr Menschen auf weniger Wohnraum unterzubringen, ohne dass die Lebensqualität verringert werde.

Siehe auch:

http://journalistroth.eu/iba-emscher-park-ideen-fuer-region-stuttgart-gesammelt/

http://journalistroth.eu/iba-emscher-park-anstoesse-fuer-die-region-stuttgart/

http://journalistroth.eu/iba-stuttgart-delegation-holt-sich-im-emscher-park-anregungen/

http://journalistroth.eu/iba-region-stuttgart-vor-der-krise-handeln/

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