Ruhrgebietslandschaft - Blick vom Gasometer Oberhausen. Foto: Uwe Roth

IBA Emscher Park: Anstöße für die Region Stuttgart

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 10.05.2017

Wie bewältigt eine Region den Strukturwandel? Vertreter des Verbands Region Stuttgart holten sich im Emscher Landschaftspark in NRW Anregungen.

Die Städte und Gemeinden des Landkreises Ludwigsburg sind Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) Region Stuttgart. In zehn Jahren findet das Megaprojekt seinen Abschluss. Bis 2027 sollen auch im Kreis Ideen umgesetzt werden, die die Anforderungen ans Wohnen, Arbeiten und an die Mobilität der 30er-Jahre des 21. Jahrhunderts erfüllen. Jürgen Kessing, Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen, sieht diese Aufgabe als Herausforderung auch für seine Stadt. Mit dem Gemeinderat ist er auf Ideensuche.

Politisch federführend für die IBA ist die Regionalversammlung. Vage Vorstellungen, die für eine Neuausrichtung der Siedlungspolitik stehen, liegen vor. Doch bis zur Umsetzung ist der Weg holprig. Auf diesem bauen sich Hindernisse auf in Form von Bauvorschriften, Förderkriterien, ausbleibenden Geldzusagen, Anwohnerprotesten und Entscheidungsträgern, die nach euphorischen Beschlüssen schnell die Angst vor der eigenen Courage ereilt. So passierte es bei den Planungen zur Gartenschau Remstal 2019. Dort kippte ein Bürgerentscheid einen geplanten Aussichtssteg des Stuttgarter Büros Schlaich Bergermann Partner, das mit seinen spektakulären Brückenbauten bei der IBA Emscher Park einige Erfolge erzielt hatte.

IBA-Erfolg: Gute Kommunikation und Bildung von Netzwerken

Diese IBA fand im Norden des Ruhrgebiets zwischen 1989 und 1999 statt. Dorthin fuhr eine Delegation der Wirtschaftsförderung und des Verbands Region Stuttgart (VRS), um sich Anregungen für die Umsetzung der eigenen IBA zu holen. Obwohl der Abschluss der IBA Emscher Park fast 20 Jahre zurückliegt, ist das Thema im Dreieck der Städte Duisburg, Essen und Bottrop weiterhin populär und wichtig, erfuhren die Teilnehmer der Reise, die von Thomas Kiwitt, Leitender Technischer Direktor des VRS, angeführt wurden. Ihre Gesprächspartner machten deutlich, worauf es bei der Realisierung der Ideen im Wesentlichen ankommt: nicht allein auf gute Architekturideen, sondern vor allem auf eine gute Kommunikation und die Bildung von Netzwerken. 17 Städte mussten lange Jahre im Boot gehalten werden.

Ständig fiel der Name des ehemaligen IBA-Geschäftsführers Karl Ganser, der mit seiner Begeisterung alle mitgerissen habe – egal ob Investoren, Bürger oder Politiker. Geld, so schien es den Besuchern aus Stuttgart, war weniger das Problem. Das schien über den bis 1995 vom Verbraucher bezahlten Kohlepfennig ausreichend vorhanden gewesen zu sein. In 120 Projekte wurden 2,5 Milliarden Euro investiert.

An den realisierten Projekten der IBA Emscher Park wird sich die IBA Region Stuttgart nicht orientieren können. Im Ruhrgebiet schlossen damals viele Zechen, Gießereien und Kokereien. Für riesige und großflächige Anlagen musste eine neue Nutzung gefunden wird. „Was du nicht verstecken kannst, das halte“, lautete ein Motto. Einige spektakuläre Industriebauten blieben erhalten und werden heute als Museen, Ausstellungshallen oder Aussichtspunkte genutzt.

IBA Emscher Park: Symbole des Wandels

Die Monumente sind im Ruhrgebiet als Symbole des Strukturwandels erhalten geblieben. Der kam in den 1990er Jahren sehr viel offensichtlicher daher als der Strukturwandel, der sich in der Region Stuttgart durch die Umstellung auf Industrie 4.0 und den demografischen Wandel anbahnt.

Jede Zechenschließung hatte in der Bevölkerung für Aufregung gesorgt. Von der öffentlichen Wahrnehmung des Wandels profitierte die IBA. Wenn hingegen im Kreis Ludwigsburg ein kleiner Unternehmer Pleite geht, weil er als Zulieferer der Autohersteller den Anschluss ans Elektrozeitalter verpasst, nimmt das überregional kaum jemand wahr.

Die IBA Region Stuttgart sucht deswegen einen Intendanten, der nicht nur fachlich überzeugt, sondern die IBA ein Jahrzehnt lang öffentlichkeitswirksam vorantreiben kann. Ein geeigneter Kandidat ist derzeit nicht in Sicht. Oberbürgermeister Kessing kann immerhin Projektideen beisteuern: „Bietigheim-Bissingen hat eine gute Chance, auf der 8,5 Hektar großen DLW-Fläche gegenüber dem Bahnhof Anforderungen für eine erfolgreiche IBA Region Stuttgart zu erfüllen.“

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