IBA 2027 Region Stuttgart: In Stadt und Land Akzente setzen

SWP Uwe Roth 12.05.2018

Der neue Intendant Andreas Hofer präsentiert im Stadtpalais seine Vorstellungen zur IBA 2027. Ziel ist eine Einheit in der Vielfalt. Vertreter der ganzen Region zeigen Interesse. Von Uwe Roth

Die „ganze kreative Szene“, wie es IBA-Aufsichtsrat Thomas Bopp beobachtet, findet sich im neuen Stadtpalais in Stuttgart ein, um dem ersten großen Auftritt des Intendanten Andreas Hofer zu folgen. Über 300 Zuhörer sitzen und stehen im Foyer, wollen seine Vorstellungen einer Internationalen Bauausstellung (IBA) kennenlernen. Diese soll bis zum Jahr 2027 nicht allein in der Landeshauptstadt innovative stadtplanerische Akzente setzen, sondern ebenso ländliche Winkel der Region erreichen. Deshalb haben die Initiatoren „IBA 2027 StadtRegion Stuttgart“ als Bezeichnung gewählt. Auch zahlreiche Kommunalpolitiker sind anwesend, Bürgermeister und Gemeinderäte von außerhalb, die wissen möchten, was die IBA für sie bedeutet.

Dem aus der Schweiz stammenden Architekten Hofer ist die Nervosität anzumerken: „Man könnte unter der Last zusammenbrechen“, beginnt er seinen „Einblick in meine Haltung zur IBA“. Hofer ist Partner des Züricher Büros Archipel und erst seit März tageweise in seinem Büro im Gebäude der Wirtschaftsförderung an der Friedrichstraße. Die Stadt als solche ist dem 55-Jährigen nicht unbekannt. Im vergangenen Jahr war er Jurymitglied beim städtebaulichen Ideenwettbewerb Areal Bürgerhospital der Landeshauptstadt.

IBA ist keine Investitionsgesellschaft

Der IBA-Aufsichtsrat hat nach seiner Wahl zum Intendanten mitgeteilt: „Wir haben uns für einen visionären Macher entschieden.“ Die Erwartungshaltung an sein Konzept, das er in der nächsten halben Stunde präsentiert, ist hoch. Seine Aufgabe macht es nicht einfacher, dass „die IBA keine Investitionsgesellschaft ist“, wie er bekennt, sondern in erster Linie Ratgeber und Vermittler ohne großes Budget. Somit kann er die 179 Kommunen in der Region nicht mit Millionenbeträgen motivieren. Er muss er in den Gremien Überzeugungsarbeit leisten, quergedachten Ideen von Planern zuzustimmen und dafür Geld aus dem kommunalen Haushalt freizugeben. Die Kommunen müssen akzeptieren: Was ein IBA-Projekt ist, bestimmt die IBA.

„Die Region hat zu viele Autos, wenig gute Architektur und zu wenig modellhafte Bauprojekte. Das ist schon schade“

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne), Vize-Chef im Aufsichtsrat, stellt klar, dass Beliebigkeit nicht zulässig sei. Die in der Region verstreuten Projekte müssten „eine Einheit in der Vielfalt ergeben“. Ihm gefällt dabei besonders der Begriff „Familienähnlichkeit“.

Hofer ist in seiner Ansprache bemüht, den Ball flachzuhalten. Es sei ein Sprung ins Wasser, deutet er an, Vieles müsse sich erst finden. Bei der Analyse der Ausgangslage stellt er fest: Die Region hat „zu viele Autos, wenig gute Architektur und zu wenig modellhafte Bauprojekte. Das ist schon schade.“ Für diese offene Kritik bekommt der Intendant freundlichen Beifall.

Wohnform der Zukunft ist das Quartier

Hofer will einen Schwerpunkt auf die Quartiersentwicklung legen. Darin hat er in Zürich große Erfahrung gesammelt. „Die Wohnsiedlung ist tot“, gibt er sich überzeugt. In Quartieren wohnt man nicht, in Quartieren lebt man gemeinschaftlich, und im besten Fall arbeitet man dort auch. „Es ist die Organisationsform der Zukunft.“ Bei dem Bauplatzmangel in der Region dürfe verdichtetes Bauen, auch Geschosswohnungen, in ländlichen Räumen kein Tabu mehr sein.

Kompromisse sieht er kritisch: „Die einfache Lösung ist meistens ein bisschen zu einfach.“ Eines stellt der Intendant am Ende seines Vortrags fest: „Die IBA soll auch Spaß machen.“ Und nicht zu vergessen – „international werden“.

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