Holpriger Start für Rufbusse in Schorndorf

SWP Uwe Roth 03.05.2018

Viele Buchungen der Kunden laufen beim Test des neuen Systems in Schorndorf ins Leere.

Schorndorf. Die Stadt Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) hat im März zur Probe ein Bestellbussystem an den Wochenenden eingeführt. Der Fahrer fährt nicht nach Fahrplan, sondern auf einer Route, die ihm sein Tablet neben dem Lenkrad anzeigt. Seine Fahrstrecke richtet sich nach den Bestellungen der Fahrgäste. Die warten zum mitgeteilten Zeitpunkt an der Straße auf einen der beiden Kleinbusse, für die man den VVS-Tarif bezahlt. Bushaltestellen sind in diesem Betrieb nicht vorgesehen.

Soweit die Theorie, die vom Stuttgarter Institut für Fahrzeugkonzepte des Zentrums für Luft- und Raumfahrt stammt. Dem Projekt haben sie den Namen „Reallabor“ gegeben, das jetzt getestet wird. Im Labor kann bekanntlich mehr schief gehen, als in einem Praxistest.

Instabile App und Ausfall des Buchungssystems

„Tatsächlich war der Start des flexiblen Busbetriebes schwierig“, teilt Projektleiterin Diana Gallego Carrera von der Stadtverwaltung Schorndorf mit. Eine unstabile App, ein zeitweiser Ausfall des Buchungssystems sowie lange Wartezeiten bei der Telefonzentrale seien alles andere als ideal gewesen. An dem Startwochenende sei es dem Projektteam gelungen, lediglich 60 Prozent der Buchungsanfragen erfolgreich umzusetzen. Die Projektbeteiligen hätten aber erfolgreich nachgearbeitet. Zuletzt hat der Anteil der erfolgreichen Buchungen laut Stadtverwaltung bei 89 Prozent gelegen.

Auch die Fahrgäste haben dazugelernt: Während an den ersten beiden Einsatzwochenenden überwiegend telefonisch gebucht wurde, hat sich nun der Anteil der App-Nutzer stark erhöht. Die Oberfläche der App sei nun kundenfreundlicher. „Aber dennoch gibt es für das Projektteam nach wie vor viel zu tun, immer noch läuft nicht alles rund“, sagt Gallego Carrera. Die Reallabor-Busse seien Bestandteil des regulären öffentlichen Personennahverkehrs. Das bedeutet, sagt sie, dass Buchungsanfragen der Schorndorfer Kleinbusse die Plattformen des VVS nutzen. Veränderungen dort, ziehen somit Folgen im Buchungsablauf nach sich.

Auch liebgewordene Gewohnheiten bereiteten Probleme: „Wir wissen aus anderen Projekten, dass es bis zu drei Jahre lang dauern kann, bis sich Verhaltensänderungen im Mobilitätsbereich eingespielt haben. Da sind wir mit unseren neun Monaten Reallabor sportlich unterwegs“, so Chefplaner Manfred Beier. ⇥Uwe Roth

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