Heizung zur Miete – Welche Vorteile das für Verbraucher hat

dpa/tmn Uwe Roth 13.07.2018

Ist die alte Heizung kaputt, muss die nächste nicht unbedingt gleich gekauft werden. Für rund 100 Euro monatlich kann man auch eine Anlage mieten, werben Energieversorger und Heizungsbauer. Verbraucherschützer aber sehen vor allem Mieter im Nachteil.

St. Augustin/Stuttgart (dpa/tmn) – Eine Gasbrennwertheizung kostet gleich mal zwischen 6000 und 8000 Euro. Wird sie beispielsweise mit Solarthermie oder einer Wärmepumpe kombiniert, sind mehr als 10 000 Euro fällig. Eine solche Summe hat nicht jeder in Reserve. Statt Barzahlung kann der Eigenheimbesitzer einen Kredit aufnehmen. Oder er kann eine Heizung leasen – ähnlich wie es beim Auto gemacht wird.

Die Energiebranche spricht hierbei vom Begriff Contracting. Anbieter solcher Mietheizungen sind größtenteils Energieversorger, die mit Heizungsbauern und Handwerksbetrieben zusammenarbeiten. Der Kunde schließt einen Vertrag und überweist monatlich einen Grundpreis für die Anlage. Geworben wird mit Preisen zwischen 70 und 100 Euro, obendrauf kommen die Verbrauchskosten.

Heizung zur Miete – ein rundum Sorglos-Paket?

Der Anbieter kümmert sich im Gegenzug um den Einbau und die Wartung der Anlage. Er übernimmt sogar die Gebühren für den Schornsteinfeger. Und ein 24-Stundendienst kommt bei Bedarf zeitnah. Anbieter verkaufen die Summe solcher Dienstleitungen als ein Rundum-Sorglos-Paket.

Doch auf dem Markt tun sie sich mit solchen Versprechen schwer. Zwar gebe es laut Isabell Bilger vom Verband für Energie- und Wasserwirtschaft zur Marktentwicklung bei Privatkunden keine belastbaren Zahlen», aus den Mitgliedsunternehmen kommen aber Rückmeldungen, die «einen eher stagnierenden Markt» aufzeigen.

Die Versorger führen die Zurückhaltung der Kunden auf die niedrigen Zinsen und Energiekosten zurück, erklärt Bilger. Zudem sei es schwierig, kooperationswillige Handwerker zu finden, da deren Auftragsbücher voll seien. Frank Ebisch vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima ist ähnlich kritisch: «Privatkunden interessieren sich nicht sonderlich dafür. Sie wollen Herr ihrer Heizung und ihres Hauses sein.» Er vermutet, Verbraucher fürchteten im Winter an der kalten Heizung zu sitzen, weil der Anbieter seine Versprechen nicht einhalten oder insolvent gehen könne.

Heizung zur Miete – BHKWs so groß wie eine Waschmaschine

Das Contracting ist jedoch kein neues Modell auf dem Markt. Das Hauptgeschäft nach Umsatzvolumen machen die Versorger mit Wohnungsbaugesellschaften und sonstigen Unternehmen. Sie erhalten statt einer Heizung meistens ein eigenes Blockheizkraftwerk (BHKW), das zusätzlich Strom erzeugt. Aber seit es möglich ist, BHKWs in der Größe einer Waschmaschine herzustellen, kommen Einfamilien- und kleinere Mehrfamilienhäuser dafür in Frage. Im Privatbereich sind aber Gasbrennwertheizungen die am häufigsten installierten Anlagen.

Die Verträge werden mit dem Eigentümer einer Immobilie in der Regel über eine Laufzeit von zehn Jahren abgeschlossen. Je nach den Bedingungen kann der Kunde nach Vertragsende die Heizung kostenlos oder zum Restwert übernehmen. Bei größeren Anlagen wird öfter eine Fortführung des Vertrags vereinbart.

Ob das Contracting profitabler ist als der Kauf einer Heizung, ist eine Sache der Abwägung. «Generell ist Contracting nicht automatisch günstiger als Eigeninvestition», sagt Bilger. «Es nimmt dem Bauherren aber über die Vertragslaufzeit das Betriebsrisiko und dämpft Kostenanstiege über die Laufzeit.» Je größer das Projekt, umso eher lohnt sich ihrer Ansicht nach diese Vertragsform. Auch Hausbesitzer mit niedrigen Einkommen ließen sich auf die Angebote ein, berichtet Bilger. Denn ihnen fehlen oft die Eigenmittel für eine neue Heizung.

Heizung zur Miete – „Sorgfältig die Wirtschaftlichkeit prüfen“

Carla Groß von der Verbraucherzentrale Sachsen sieht die Angebote mit Skepsis. Den Profit mache eindeutig und in erster Linie der Anbieter. Das Problem sei die Vertragslaufzeit. «Es gelten üblicherweise die Allgemeinen Vertragsbestimmungen für Fernwärme», erläutert Groß. Diese sehen maximal zehn Jahre Laufzeit und jeweils fünf Jahre für eine Verlängerung vor. «Der Contractor kann damit seine Investition und seinen Gewinn absichern.»

Sie rät daher: Nutze der Eigentümer die Immobilie selbst, müsse dieser «sorgfältig die Wirtschaftlichkeit über die Vollkosten für die gesamte Betriebszeit prüfen, also mit der alternativen Eigeninvestition vergleichen». Vor allem sollten Eigennutzer auf die Vertragsbedingungen schauen, die am Ende der Laufzeit gelten. «Die Anlage hat ist dann sicher zum Teil schon abbezahlt, aber sie gehört dem Vertragsnehmer trotzdem nicht.» Allerdings sieht Groß Vorteile für Vermieter: Er müsse sich nicht um die Heizung kümmern und könne die Mehrkosten direkt an die Mieter durchleiten.

Frank Ebisch, Zentralverband Sanitär Heizung, +49 2241 9299114, <f.ebisch@zvshk.de>
Isabell Bilger, Verband für Energie- und Wasserwirtschaft (VfEW), +49 711 93349120, info@vfew-bw.de>
Carla Groß, Christina Siebenhüner, Verbraucherzentrale Sachsen, +49 341 6962915, <presse@vzs.de>
Autorin: Uwe Roth
Redaktion: Simone A. Mayer, +49 30 285232971, <mayer.simone@dpa.com>
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