Hausnotruf: Rund um die Uhr ein System der Hilfe

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 28.03.2017

Ein Hausnotruf gibt Senioren ein Gefühl von Sicherheit. Anbieter solcher Alarmsysteme machen damit gute Geschäfte. Die Konkurrenz ist groß.

Im Landkreis Ludwigsburg kann man sich wegen eines Hausnotrufs praktisch an jede Wohlfahrtseinrichtung wenden. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter Samariter Bund (ASB) und die Johanniter und Malteser sind direkte Anbieter. Andere Organisationen wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) oder Diakonie treten als Vermittler auf.

Im Internet wird ein Hausnotruf ab null Euro versprochen. Das gilt jedoch nur, wenn der Kunde bereits eine Pflegestufe erreicht hat und er sich mit dem Grundpaket zufrieden gibt, indem die 24-Stunden-Bereitschaft, jedoch keine Schlüsselhinterlegung enthalten ist. In diesem Fall übernimmt die Pflegekasse Kosten in Höhe von 18,36 Euro monatlich. Weil dem so ist, kostet bei den meisten Anbietern das Grundpaket exakt 18,36 Euro.

Der Überblick fällt schwer

Aber wie bei einem Mobilfunkvertrag gibt es die Möglichkeit, gegen Aufpreis Zusatzpakete zu bestellen. Außerdem schwankt die Anschlussgebühr zwischen zehn und 90 Euro. Wird ein Rettungswagen losgeschickt, und es stellt sich heraus, dass kein medizinischer Notfall bestand, sind für jeden Einsatz 80 bis 90 Euro extra zu bezahlen. Den Überblick zu wahren und Kostenvergleiche fallen schwer.

Wer am Computer in eine Suchmaschine, meistens ist es Google, „Hausnotruf“ eingibt, bekommt zuallererst eine stattliche Zahl bezahlter Anzeigen zu lesen. Einmal den Suchbegriff in die virtuelle Welt geschickt, wird man im Internet die Werbung tagelang nicht mehr los. Die intensive kommerzielle Werbung legt die Vermutung nah, die Geschäfte mit dem Hausnotruf sind lukrativ, und der Markt ist umkämpft.

Geschäft mit dem Hausnotruf boomt

Wer sich mit dem Internet nicht wirklich gut auskennt, sollte dort keine Beratung suchen. Die Gefahr ist zu groß, dass man sich auf eine überteuerte Lösung einlässt oder sich Profiverkäufer an die Fersen heften. Die AOK Ludwigsburg-Rems-Murr rät Senioren, in die Suche nach einem geeigneten Hausnotruf-Vertrag einen Verwandten miteinzubeziehen. Die Krankenkasse hat allein deswegen ein Interesse an einem vernünftigen Abschluss, da sie als Pflegekasse einen Teil der Kosten trägt (siehe Infokasten) und vermeiden möchte, dass die Mitglieder mit ihrem Vertrag unzufrieden sind.

Beim DRK kostet das Komfortpaket 41,96 Euro im Monat minus des Kostenanteils, den gegebenenfalls die Pflegekasse trägt. Nach Auskunft des Kreis-DRK-Sprechers Arnim Bauer entscheiden sich 70 Prozent der Kunden für den besseren Service. Bei 1200 Kunden im Landkreis macht das einen Jahresumsatz von etwa einer halben Million Euro. Die Notrufe werden zur Telefonzentrale des DRK nach Stuttgart geleitet. „Die örtliche Versorgung wird aber von unseren Mitarbeitern hier in Ludwigsburg sichergestellt“, so Bauer.

Das Geschäft mit dem Hausnotruf boomt. Die Selbständigkeit in der eigenen Wohnung bis ins hohe Alter zu wahren, liegt im Trend. Ein Hausnotruf gehört da zur Barrierefreiheit wie die bodengleiche Dusche oder der Treppenlift. Alte Menschen können stürzen, erleiden einen Kreislaufkollaps oder versuchen vergeblich, aus dem Bett zu kommen. Leben sie allein, und das Telefon ist außer Reichweite, kann schon ein kleiner Unfall lebensbedrohlich werden. In einer misslichen Lage kann selbst das Handy in der Tasche überfordern.

Die große Taste drücken

Ein Hausnotruf lässt sich dagegen auf die einfachste Weise bedienen: Man drückt eine große Taste und wartet ab. Den Alarmknopf hat man im Gegensatz zum Telefon ständig bei sich, trägt ihn entweder am Arm wie eine Uhr oder um den Hals wie eine Kette. Die Verbindung zur Außenwelt wird über eine elektronische Box hergestellt, die in der Wohnung mit dem Telefonanschluss verbunden ist. Wird ein Alarm ausgelöst, landet das Signal in einer Notrufzentrale. Von dort aus wird Hilfe organisiert.

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