Gute-Laune-Busfahrer mit großem Fanclub

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ZVW Uwe Roth 09.09.2015

Weinstadt. Pashalis Kukos ist am Dienstag zum zweiten Mal in Folge zum Busfahrer des Jahres im Rems-Murr-Kreis ausgezeichnet worden. Seit 1996 dreht der Waiblinger seine Runden für Omnibus Dannenmann – und das seit vielen Jahren in der Spätschicht.

Schimpfen und über jemanden schlecht reden, beides ist dem gebürtigen Griechen anscheinend nicht in die Wiege gelegt worden. Fragt man Pashalis Kukos, ob manchmal Fahrgäste richtig nerven können, beschreibt der 43-Jährige sein überaus gutes Verhältnis zu ihnen. Man muss nachhaken, um beispielsweise zu erfahren, dass sich mal Jugendliche erdreistet haben, in seinem Bus Zigaretten anzuzünden. Er sagt das keineswegs empört. Stattdessen lobt er die Jugendlichen: Er habe ihnen durchaus ein wenig streng die Regeln erklärt, und sie hätten Einsicht gezeigt. Für ihn war die Angelegenheit damit erledigt. Weitere Probleme habe es nicht gegeben.

Ein weiterer Versuch, ihn aus der Reserve zu locken, um ein bisschen von den Schattenseiten seines Berufsalltags zu erfahren, scheitert ebenfalls an seiner Freundlichkeit: Ob es ihn nicht zunehmend stresse, dass immer mehr Fahrgäste über ihr Smartphone jederzeit kontrollieren könnten, ob der Bus noch nach Fahrplan unterwegs sei oder ob er bereits Verspätung habe? Kukos antwortet: „Nein, eigentlich nicht.“ Wenn er eine Verspätung beispielsweise mit einem Stau oder einer Baustelle begründe, sei ein „großer Teil der Fahrgäste damit sehr zufrieden“. Pashalis Kukos ist eben der Fahrgast-Versteher.

Dreiviertel seiner Fahrgäste sieht er Tag für Tag. Und diese zum Teil seit vielen Jahren. Um 15.10 Uhr beginnt seine Schicht am Bahnhof Waiblingen, und sie endet um 0.05 Uhr in Bittenfeld. Dort endet die Linie 201. Außerdem ist er noch auf den Linien 202 (Endersbach-Strümpfelbach) sowie 204 (Waiblingen-Beinstein) im Einsatz. Je später der Abend, umso übersichtlicher wird die Zahl der Mitfahrenden in seinem Bus und umso enger wird der persönliche Kontakt. Beim Einsteigen ein paar kurze Worte zur Begrüßung wechseln, ist für viele zum täglichen Ritual geworden. Manchmal entstehen daraus Geschichten, die alle 24 Stunden eine kurze Fortsetzung finden.

Vor allem ältere Menschen nutzen die Zeit im Bus, um manchmal bei diesem verständnisvollen Fahrer ihr Herz auszuschütten. Er kenne viele Krankheitsverläufe und verfüge mittlerweile über einige medizinische Grundkenntnisse, sagt Kukos. Eigentlich soll man mit dem Fahrer während der Fahrt nicht sprechen. Doch auf das Hinweisschild zeigt er nie. Er hört zu. Und seinen Chef stört es auch nicht. „In all den Jahren hat er seinen Bus nach jeder Schicht wieder heil in die Garage zurückgebracht“, sagt Geschäftsführer Markus Dannenmann. Kundenfreundlichkeit und ein schonender Umgang mit dem Betriebsvermögen – da muss ein Chef zufrieden sein.

„Jede Fahrt ist ein besonderes Erlebnis“

Da Pashalis Kukos die Freundlichkeit in Person ist, ist sein Fanclub über die Jahre stark angewachsen. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) hat zum zwölften Mal seine Fahrgäste nach dem Busfahrer des Jahres gefragt. Für den Dannenmann-Mitarbeiter sind beim VVS 466 Stimmen eingegangen. „Das ist ein klares Zeichen dafür, dass der 43-Jährige die Herzen der Fahrgäste im Rems-Murr-Kreis gewonnen hat“, lobt VVS-Geschäftsführer Horst Stammler. Manche Fahrgäste haben ihre Wahl auch begründet: „Herr Kukos ist sehr kontaktfreudig, nett und überpünktlich“, heißt es beispielsweise. Ein anderer schwärmt: „Jede Fahrt mit Herrn Kukos ist ein besonderes Erlebnis.“ Das durchgängige Urteil lautet „geduldig“ und „höflich“.

Für die Firma Dannenmann mit ihrem Sitz in Weinstadt ist die Auszeichnung des besten Busfahrers durch den VVS ein schon jährliches Ritual. Bei den bisher insgesamt zwölf auf den Landkreis bezogenen Wahlen seien bis auf zweimal seine Mitarbeiter als Sieger hervorgegangen, sagt Dannenmann. Der VVS-Geschäftsführer sagt bei der Übergabe der Urkunde am Dienstag: „Unsere Busfahrer sind die Visitenkarten des ÖPNV. Deshalb möchten wir für besondere Leistungen unseren Dank aussprechen und damit gleichzeitig andere Busfahrer anspornen, auch mal zu den Gewinnern zu gehören.“

Die Aussicht auf eine Urkunde, einen Wimpel und Eintrittskarten ins Theaterhaus sind für Kukos kein notwendiger Ansporn, in seinem Beruf besonders gut sein zu wollen. Busfahrer zu sein, sei für ihn eine Lebenseinstellung, sagt er. Die hat er wahrscheinlich durch seinen Vater gewonnen, der diesen Beruf ebenfalls ausübte. „Ich wollte schon immer Busfahrer werden.“ Und er zeigt, dass er glücklich ist, dieses Ziel erreicht zu haben. Widrigkeiten gibt es für ihn nicht, auch nicht die Widrigkeit, ausschließlich Spätschichten zu übernehmen und somit keinen Abend mit der Familie daheim zu sein.

Er wählte die Spätschicht – der Kinderbetreuung wegen

Er erklärt, wie es dazu gekommen ist: Als sein Kind klein gewesen sei, hätten er und seine Frau beschlossen, dass die Mutter während der ersten Tageshälfte arbeite und der Vater die Betreuung des Kindes übernehme und für die zweite Tageshälfte die Rollen getauscht würden. Und so ist es eben bis zum heutigen Tag geblieben.