Führungsjobs auf Zeit

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ZVW Uwe Roth 04.03.2015

Waiblingen. Björn Knothe gehört zu den erfolgreichsten Personalberatern Deutschlands. Der Waiblinger hat sich auf die Vermittlung von Managern und Interimsmanagern spezialisiert. Der 43-Jährige arbeitete überall auf der Welt. Am Ende hat er sich für seine Heimatstadt entschieden.

Interimsmanager sind rastlose Wesen. Sie haben keine Arbeitgeber, sondern Auftraggeber. Von solchen werden sie in Unternehmen geschickt, um für eine bestimmte Zeit Führungsaufgaben zu übernehmen. Interimsmanager genießen keinen sonderlich guten Ruf. Tauchen sie auf, geht die Belegschaft in Deckung.

Man fühlt sich an George Clooney erinnert, der im Hollywoodfilm „Up in the air“ im Auftrag von Firmenbossen überall auf der Welt für dickes Geld als Kurzzeitvorgesetzter Angestellte entlässt, ungerührt, weil ohne persönliche Bindung zum Personal. Die eigentlichen Chefs bleiben im Hintergrund und überlassen ihm die Drecksarbeit.

Björn Knothe kennt dieses Bild, sagt aber, dass es verzerrt sei, er dieser Sorte Manager doch eher selten begegnet. „Natürlich sind Interimsmanager ein besonderer Typ Mensch“, stellt er fest. „Man muss das wollen, ständig vor neue Herausforderungen gestellt zu werden, sich ständig beweisen zu müssen.“ Letzten Endes werde von einem Auftraggeber nicht Skrupellosigkeit honoriert, sondern der „riesige Erfahrungsschatz“ eines Interimsmanagers.

Meistens seien die Kandidaten, die er weltweit vermittelt, langjährige Führungskräfte, zwischen Ende 40 und Ende 50. Über die Jahre sind deren Qualifikationen gereift. Den durchschnittlichen Honorarsatz von 1100 Euro am Tag hält Knothe nicht für übertrieben, wenn man bedenke, dass Interimsmanager manchmal monatelang nichts verdienten. „Im festen Job haben die meisten früher sicher mehr verdient.“

Interimsmanager sehen nicht den Arbeitsplatz im Zentrum ihrer beruflichen Karriere, sondern die Aufgabe, das Projekt. Wenn etwas erledigt ist, das Unternehmen keine neue Herausforderung bietet, zieht man eben weiter. Der Gedanke, entlassen zu werden, kann sie nicht schrecken. Diese Einstellung kann Knothe gut nachvollziehen. Schließlich tickt er ähnlich, kann für die Arbeit persönliche Dinge in den Hintergrund schieben, wie er sagt, arbeitet gerne „mit extrem viel Herzblut“ und auch mit großem Spaß.

Nach zehn Jahren des Herumziehens hat er aber vor fünf Jahren beschlossen, sesshaft und ein klassischer Chef mit Angestellten zu werden. Am 1. Februar 2010 gründete er zusammen mit einem Geschäftspartner in Stuttgart seine eigene Personalberatung für Kräfte der ersten und zweiten Führungsebene, die Division one GmbH. Auf die Rückkehr in seine Heimat hat er lange hingearbeitet. Der CEO, wie es auf seiner Visitenkarte steht, ist in Waiblingen geboren und wohnt jetzt wieder in Waiblingen. Björn Knothe hat die Salierschule besucht, beim damaligen VfR Fußball gespielt, ging in Stuttgart aufs Wirtschaftsgymnasium und anschließend an die Uni, um Betriebswirtschaft zu studieren. Alles recht bodenständig.

Stuttgart, München, Düsseldorf, London, Manila

Sein erster Job in der Versicherungsbranche brachte ihn von Stuttgart nach München. Das aber war nichts für ihn, und er kündigte. Er wechselte zum internationalen Personaldienstleister Harvey Nash, „obwohl ich von Personalberatung nie groß was gehört habe“. Auch von der IT hatte er keine Ahnung und musste trotzdem in Manila auf den Philippinen IT-Experten finden, die bereit waren, nach Deutschland zu kommen. Er fand sie.

Eines Freitags fragte ihn sein damaliger Chef in München, ob er am Montag die Leitung des Düsseldorfer Büros übernehmen wolle. Er tat es mit der Zustimmung seiner Frau. Viel Zeit zum Überlegen hatten sie nicht. Zwei Jahre später folgte der Wechsel zur K2-Zentrale nach London. Ebenfalls eine internationale Personalberatungsagentur.

Von dort aus sollte Knothe seinem britischen Chef helfen, den deutschen Markt zu erobern. Sein Chef liebäugelte mit Berlin oder Frankfurt als Standort für das neue Büro. Der Waiblinger schlug dagegen Stuttgart als Headquarter vor. „Mein Chef fragte: Where the f… is Stuttgart?“ Sein Mitarbeiter musste ihn mit Stichworten wie Daimler, Bosch, Kärcher und Stihl auf die Sprünge helfen, dass die Region wohl nicht der schlechteste Standort ist, um Führungskräfte gegen gutes Geld zu vermitteln. Das überzeugte den Briten.

Und so kam Björn Knothe nach Stuttgart zurück, zuerst allein, seine Frau, eine Spanierin, kam später nach. Von da an war sein Büro in der Bolzstraße. „Nach zehn Jahren im Business dachte ich mir, es sei Zeit, an eine eigene Firma zu denken.“ Und er begann, einen Businessplan zu schreiben. Seine Firma startete erfolgreich, und nach nur zwei Jahren landete sie im Focus-Ranking unter den besten 50 Personalberatungsunternehmen Deutschlands.

1300 Personalverantwortliche in Unternehmen waren fürs Ranking befragt worden. Zur gleichen Zeit erfolgte die Aufnahme in ein renommiertes internationales Netzwerk, die zahlreiche weitere Kontakte zu Kunden und Kandidaten bringt. Mit 20 Mitarbeitern gehöre seine Firma eher zu den „kleinen Boutiquen“ in der Branche, wie er sagt.

Knothe hat in der Nähe seines Elternhauses ein eigenes Heim gekauft. Er hat zwei Kinder, sechs und neun Jahre alt, und findet es gut, dass sie in denselben Kindergarten gegangen sind und auf dieselbe Schule wie er damals. „Besseres kann’s nicht geben.“ In der Welt arbeiten und abends nach Hause kommen. Björn Knothe ist zufrieden. „Waiblingen ist meine Welt.“