Forum der Kulturen Stuttgart: Vorbild für gelebte Vielfalt

SWP Uwe Roth 22.05.2018

Vor 20 Jahren wurde das „Forum der Kulturen“ als Anlaufstelle für Migranten in Stuttgart und Umgebung gegründet. Stetig kommen neue Mitglieder hinzu. Von Uwe Roth

Das „Forum der Kulturen“ wächst mit einer Geschwindigkeit, die Redenschreiber überfordert. Bei der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Bestehen der Dachorganisation für Migrantenvereine am Freitag im Stuttgarter Rathaus hatten die Gratulanten wie die Bundes-Integrationsbeauftragte Annette Widmann-Mauz (CDU), die Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne) und OB Fritz Kuhn (Grüne) unterschiedliche Zahlen zu den Mitgliedsvereinen in ihren Manuskripten. 122, 123, 124? Es sind aktuell 126 Mitgliedsvereine, stellte der Vereinsvorsitzende Sami Aras vor mehreren hundert Gästen mit Zufriedenheit klar. Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) hatte für ihr Grußwort die beste Quelle: Sie ist seit über 30 Jahren mit dem Vereinsvorsitzenden verheiratet.

Forum der Kulturen: Vom Wohnzimmer ins Zentrum

Im Mai 1998 war das „Forum der Kulturen“ mit 16 Gründungsvereinen gestartet. Zehn Jahre später umfasste die Dachorganisation bereits 83 Vereine aus Stuttgart und der näheren Umgebung. Damals wurden sie von acht hauptamtlichen Mitarbeitern betreut. Heute, nur weitere zehn Jahre später, sind es 21 Menschen unterschiedlicher Herkunft, die eine Vielzahl von Projekten begleiten mit zum Teil bundesweiter Ausstrahlung. Aus dem „Sommerfest der Kulturen“ ist eine jährliche Großveranstaltung auf dem Marktplatz geworden. Die Geschäftsstelle war anfänglich in einem Wohnzimmer untergebracht und wurde ehrenamtlich geführt, dann zog sie in die Nadlerstraße hinterm Rathaus und 2008 an den Marktplatz. Nun träumt Vorsitzender Aras von einem eigenen Haus der Kulturen.

Bei allem Wachstum und allen Veränderungen sind Vorstand Aras sowie Geschäftsführer Rolf Graser eine Konstante geblieben – beide waren vom ersten Tag an mit dabei. Die Arbeit des 63-jährigen gelernten Verlagsbuchhändlers Graser findet in ganz Deutschland Anerkennung: „Graser ist ein Pionier der interkulturellen Arbeit“, lobt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Das Bamf ist neben der Stadt Stuttgart seit 2005 einer der wichtigsten Förderer. Graser wurde 2013 für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz verliehen. Seine kommunikative, Grenzen überwindende Art machte ihn demnach zur Vertrauensperson für Migranten und das Forum zu einem bundesweiten Vorbild in Sachen gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe.

Vielfältiges Programm der Geschäftsstelle des Forums

Aus dem „Forum der Kulturen“ ist über die Jahre ein kleines Organisations-, Netzwerk- und Beratungsunternehmen geworden, das für etwa 300 Vereine in der Region Stuttgart Anlaufstelle ist. Diese hilft in Organisationsfragen und der Qualifizierung ehrenamtlicher Vereinsarbeit. Laut Jahresbericht gab es im vergangenen Jahr 73 Seminare, Arbeitskreise und Infoabende für Migrantenvereine, 45 Theateraufführungen, Konzerte und Vorträge. Fester Bestandteil des Programms sind der mehrmals im Jahr stattfindende Frühstückstreff „Brunch global“ und eben das Sommerfest.

Der Verein hatte immer den Anspruch, mehr aus sich zu machen. Graser und sein Team stoßen ehrgeizige Projekte an, die nicht aus dem eigenen Etat finanziert werden können. 2017 waren gerade noch knapp 16 Prozent der umgesetzten Mittel über den städtischen Haushalt abgesichert. Derweil finanzierte das Land drei Jahre das Projekt „Memo – Management und Empowerment in Migrantenorganisationen“. Es unterstützte Migrantenorganisationen bei der Qualifizierung und Vernetzung. Ein ähnliches Ziel verfolgt das vom Forum entwickelte und vom Bamf geförderte Projekt „House of Resources“, das inzwischen bundesweit in 13 weiteren Städten umgesetzt wird.

Alt-OB-Rommel: Vielfalt gehört zur Kultur

Dass ausgerechnet Stuttgart eine solche Institution hervorgebracht hat, sei nicht verwunderlich, klang in den Festreden an. Immer wieder fiel der Name von Alt-OB Manfred Rommel, der der Stadt zum Ruf, weltoffen und tolerant zu sein, verholfen habe. Er habe den Satz geprägt, „Vielfalt gehört zur Kultur“, so Nachfolger Kuhn. Seit 1983 im Rathaus der „Ausländerausschuss“ eingerichtet worden war, die Keimzelle des heutigen Forums, gelte für alle Bürger der Stadt: „Wir sind alles Stuttgarter.“

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