Drei Ingenieure und ihre Geschäfte mit dem Abbruch

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ZVW, Uwe Roth, 15.12.2029

Es sind die drei Ingenieure, die keinen Stein auf dem anderen lassen: Joachim Schmid, Max Bachteler und Stefan Treiber. Nimmt man die Anfangsbuchstaben der Vornamen, erklärt sich der Firmenname JMS GmbH & Co. KG.

Daraus lässt sich kein Unternehmenszweck ableiten. Der lautet schlicht Abbruch. Das Geschäftsführer-Trio hat 2017 eine Firma gegründet, die nach eigenem Versprechen alles aus dem Weg räumt, was baulich nicht mehr in die Zeit passt – egal ob ein Wohn- oder Geschäftsgebäude, eine Fabrik oder eine Brücke.

Alter egal: Das Objekt kann ein Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert sein oder eine zehn Jahre alte Fabrikhalle, die für die neue Produktionsanlage zu klein ist. Ist der Bauschutt weggeräumt, gräbt der JMS-Bagger auf Wunsch die neue Baugrube, damit nach dem Alten wieder etwas Neues entstehen kann. Die junge Firma hat sich in der Branche rasch etabliert. Das wiederum hat der Kreissparkasse (KSK) imponiert Waiblingen: Im vergangenen Jahr erhielten die drei Ingenieure von ihr den dritten der jährlichen fünf vergebenen Gründerpreise.

Start-up mit Gründungskapital tief im siebenstelligem Bereich

Die KSK glaubt an JMS und hat das Start-up erst möglich gemacht. Vom Geschäftsmodell überzeugt, gab die Sparkasse das Finanzierungskapital, „das deutlich im siebenstelligen Bereich liegt“, wie Bachteler sagt. „Wir haben nichts gehabt außer uns drei“, beschreibt Schmid die Ausgangslage. Jetzt haben sie alles, was das Männerherz begehrt: Kettenbagger, Tieflader, Walze, Traktor und selbstverständlich Meißel und Schere, das unverzichtbare Handwerkszeug eines Abbrucharbeiters.

Insgesamt sind es zwölf Maschinen und inzwischen ebenso viele Beschäftigte. JMS hat ihren Firmensitz in der Stiftstraße, wohin wohl nie ein Abrissbagger kommen wird, im historischen und eng bebauten Ortskern von Weinstadt-Beutelsbach. Das kleine Firmenschild ist umrahmt von einem zweckentfremdeten Zigarettenautomaten und die Klingel steckt in einem Feuermelder. Alles Mitbringsel von Baustellen. Doch gleich in der Nachbarschaft, wo die neue Beutelsbacher Mitte entsteht, sind die Maschinen am Werk.

„Jedes Gerät ist eine tote Investition, wenn es nicht arbeitet. Die Maschinen müssen laufen“

Ungeachtet des umfangreichen Fuhrparks hat die Firma keinen Bauhof, nur eine kleine Abstellfläche, aber keinen Parkplatz für Baumaschinen. „Jedes Gerät ist eine tote Investition, wenn es nicht arbeitet. Die Maschinen müssen laufen“, stellt Bachteler klar. So ist das Dutzend Maschinen in einem Umkreis von 100 Kilometern im ständigen Einsatz. Sie werden ohne Umweg über Beutelsbach von einer Baustelle zur nächsten gebracht. Einen gemeinsamen Arbeitsplatz haben sie nicht. Die Mitarbeiter wohnen verteilt über die Region; Schmid kommt von der Ostalb und Treiber von den Fildern. Nur Bachteler hat einen Bezug zu Beutelsbach, weil er dort mit seiner Familie lebt.

So spektakulär der Abriss eines Gebäudes sein mag, die eigentliche Arbeit der Spezialisten kommt davor und danach: die Trennung und Entsorgung des Bauschutts sowie gegebenenfalls die Sanierung des Baugrunds. „Etwa 98 Prozent der Materialien werden getrennt und wieder verwertet“, sagt Schmid und Bachteler ergänzt: „Was Handwerker beim Bau in ein Gebäude hineintragen, tragen unsere Leute vor dem Abbruch der Gemäuer wieder hinaus.“

Abbruch-Material kommt zurück in den Kreislauf

 Jeder Bodenbelag, jedes Elektroteil, jeglicher Wandputz. Lediglich Schadstoffe, darunter immer wieder Asbest, kommen in den Sondermüll. Alles Übrige kommt zurück in den Materialkreislauf. Dabei seien viele Vorschriften zu beachten. „Asbest ist das am besten überwachte Abbruchgut.“ Viele Formulare sind auszufüllen, bevor alles ordnungsgemäß weggeräumt ist. Die Behördenarbeit übernimmt JMS auf Wunsch. Engineering heißt das in der Fachsprache.

Die drei Ingenieure kennen sich von ihrem früheren gemeinsamen Arbeitgeber. Veränderungen in diesem Unternehmen hätten dazu geführt, über eine Selbständigkeit nachzudenken. Die guten Prognosen für die Baubranche und die noch für die kommenden Jahre hätten das Risiko gemildert, sagen die Geschäftsführer. Wohnraum und Gewerberäume sind gefragt. Da Flächen rar sind, wird in den Kommunen nachverdichtet. Altes wird abgebrochen und gegen Gebäude mit mehr Nutzfläche ersetzt. Außerdem sind viele Schulgebäude aus den 1960/70er Jahren so marode, dass ein Neubau günstiger wird. Ein Beispiel ist die Realschule in Remshalden. Sobald, da ist sich das Trio sicher, werden ihre Abbruchmaschinen nur nachts und zum Tanken stillstehen.

Veröffentlicht von

Ruwe_Admin

Ich heiße Uwe Roth und bin seit 35 Jahren Journalist. Ich schreibe für Zeitungen und Magazine. Ich bin Autor, Reporter, Redakteur/Blattmacher. Außerdem bin ich Spezialist für barrierefreie Kommunikation. Ich texte in Einfacher Sprache und trainiere Menschen in der verständlichen Kommunikation.