Die Trittbrettfahrer

Stuttgarter Nachrichten Uwe Roth 12.03.2010

Es verwundert nicht, dass die Bahngewerkschaft Transnet den Bericht des Bundesrechnungshofs als Steilvorlage genutzt hat, um der Arbeitgeberseite eins mitzugeben.

Mehr Sicherheitspersonal von der Deutschen Bahn als Konsequenz aus den Recherchen der Rechnungsprüfer zu fordern klingt fürsorglich, nachvollziehbar – letztlich aber populistisch. Der Transnet-Sprecher betreibt mit seinem Kommentar Lobbyarbeit für die Gewerkschaftsmitglieder, indem er besseren Schutz vor Gewalttaten für sie einfordert. Dass er damit gleichzeitig Bahnkunden ängstigt, indem er ein Sicherheitsrisiko zuspitzt, ist für Transnet sicher ein gewollter Nebeneffekt, um den Druck der Öffentlichkeit zu erhöhen.

Klar, Wachpersonal auf jedem Bahnsteig und in jedem Zug könnte nicht schaden, und wenn nachts Polizisten zusteigen, trägt ihre Anwesenheit zur Entspannung bei. Wenn Polizeireviere wegen schlampiger Dienstpläne unter- oder gar nicht besetzt sind, dann kritisiert der Rechnungshof die Zustände zu Recht. Außerdem ist es eine Überlegung, die Organisatoren von Großveranstaltungen verstärkt an den Kosten fürs Sicherheitspersonal zu beteiligen, das die An- und Abreise der Besucher überwacht, die den ÖPNV nutzen. Es gibt vieles zu optimieren, ohne die alleinige Lösung im Ausbau der Planstellen zu sehen, für den der Steuerzahler die Kosten trägt.

Letztlich muss die Präsenz zur tatsächlichen Sicherheitslage in den Bahnhöfen und Zügen passen. Mit der Bahn von A nach B zu kommen ist kein gewagtes Abenteuer – von Verspätungen und verpassten Anschlusszügen abgesehen. Auch Autofahren kann ein gewagtes Unternehmen sein. Wie hoch ist das Unfallrisiko wegen Rasern und Dränglern, deren Verhalten der Körperverletzung nahe kommt? Gerne können wir mehr Radarkontrollen und Polizeistreifen zwischen jeder Anschlussstelle fordern. Aber wer will das schon?

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