Deutsche Bahn plagt sich mit kaputten Aufzügen und Rolltreppen

SWP Uwe Roth 12.03.2018

In den 93 Bahnhöfen der Region Stuttgart gibt es etwa 160 Lifte und Rolltreppen. Störungen will die Bahn innerhalb von 24 Stunden beheben. Ein Team ist rund um die Uhr im Einsatz. Von Uwe Roth

Defekte Aufzüge haben Hanna W. schon viel Arbeitszeit gekostet. Die 36-Jährige ist Rollstuhlfahrerin und hängt mit ihrem Elektrorolli unweigerlich fest, sollte an einer S-Bahn-Station ein Aufzug außer Betrieb sein. Die Berufstätige muss dann die nächste Bahn nehmen und auf Umwegen ihren Arbeitsplatz ansteuern. Nun hat Hanna W. eine App auf ihr Smartphone geladen (siehe Infobox). Das Programm der Deutschen Bahn zeigt ihr in Echtzeit, ob die Anlagen an ihren Haltepunkten in Betrieb sind. So kann sie gegebenenfalls umsteuern, sollte ein Aufzug in der App mit einem roten Punkt markiert und folglich außer Betrieb sein.

„Kaputte Aufzüge und Fahrtreppen sorgen bei uns für viel Ärger seitens der Kunden, besonders wenn eine Störung mehrere Tage dauert“

Echtzeit ist möglich, weil sich Aufzüge und Rolltreppen über Mobilfunk selbst mitteilen, falls eine Störung vorliegt. „Und das in Millisekunden“, erläutert Giorgio Botta. Der Anlagenmanager der Bahn steht an einer Rolltreppe an einem S-Bahn-Ausgang in Stuttgart mit seinem Notebook auf dem Arm. Der Leiter des Bahnhofsmanagements, Nikolaus Hebding, hat Medienvertreter dorthin eingeladen, um zu zeigen, welchen Aufwand das „Fördertechnikteam der DB Services“ betreibt, um Störungszeiten zu verringern. 13 Mitarbeiter seien rundum im Schichtdienst damit beschäftigt, 96 Aufzüge und 62 Fahrtreppen an den 93 Bahnhöfen in Ordnung zu halten, die seine Abteilung in der Region Stuttgart betreut. „Kaputte Aufzüge und Fahrtreppen sorgen bei uns für viel Ärger seitens der Kunden, besonders wenn eine Störung mehrere Tage dauert“, sagt Hebding. „Dabei gelingt es der Entstörtruppe 90 Prozent der Defekte innerhalb von 24 Stunden zu beseitigen.“ Das sei doch eine Erfolgsmeldung wert.

Live-Überwachungssystem „Adam“

Reparaturzeiten hätten sich vor allem deswegen verringert, erläutert der Bahnmanager, weil kaputte Anlagen von der Störstelle nicht mehr stunden- oder tagelang unentdeckt blieben. Anlagentechniker Botta demonstriert wieso: Auf seinem Notebook ist das Live-Überwachungssystem „Adam“ geladen. Die Abkürzung steht für „Ausbau Digitalisierung Anlagenmanagement“. Über Mobilfunk ist „Adam“ mit allen 158 Anlagen in und rund um Stuttgart verbunden. Auf dem Bildschirm sind sämtliche Fahrstühle und Rolltreppen gelistet. Ein grüner oder roter Punkt zeigt ihren Betriebszustand an. Bei sechs Anlagen hakt es zu diesem Zeitpunkt, die übrigen sind im grünen Bereich. Nun zieht Hebding an der Notbremse, die Rolltreppe bleibt abrupt stehen, ein Sirenensignal geht los, und fast gleichzeitig springt auf dem Bildschirm der grüne Punkt auf rot. Somit ist die Einsatzzentrale informiert, das Fördertechnikteam kann sich kümmern.

„Vandalismus und unsachgemäßer Gebrauch sind zu 90 Prozent Ursache einer Störung“, sagt Hebding. Der Missbrauch der Not haltefunktion, wie eben gezeigt, führe die Liste an. Häufig würden Drücktasten zerstört oder Aufzugstüren beschädigt. „2017 sind in 145 solcher und ähnlicher Fälle Schäden in Höhe von rund 62 000 Euro entstanden“, bilanziert er. Der Austausch einer Aufzugstüre koste 9000 Euro. Im Schnitt fielen bei einem Aufzug jährliche Kosten von 9000, für eine Fahrtreppe 12 000 Euro an. Nach einer Laufzeit von spätestens 15 Jahren wird eine Anlage erneuert. Der Einbau eines neuen Aufzugs kostet eine Viertelmillion Euro, der einer Rolltreppe etwa 120 000 Euro.

Zielvorgabe 97 Prozent Verfügbarkeit

Etwa 600 Ersatzteile werden zentral in einem Lager der DB in Frankfurt vorrätig gehalten und vorwiegend nachts an das Regionallager bei der S-Bahn-Station Schwabstraße ausgeliefert. Ein Wartungstrupp ist die ganze Nacht unterwegs. Die Beschaffung einer neuer Aufzugstür könne mehrere Tage oder gar Wochen dauern. Mit fünf Herstellerfirmen arbeitet die Bahn zusammen, und nicht immer hielten diese ihre Zusagen ein. Das könne zu längeren Ausfallzeiten führen. „Manchmal ein Drama“, sagt der Bahnmanager. So etwas schlage sich negativ in der Statistik wider: 97 Prozent Verfügbarkeit einer Anlage während der Betriebslaufzeit bis 22 Uhr seien die Zielvorgabe. Die restlichen drei Prozent bedeuten: Eine Anlage darf im Jahr maximal 175 Betriebsstunden ausfallen. 2017 sei man im Bereich Stuttgart weniger als ein Prozent darunter geblieben. Dabei ist die Bandbreite groß: So bereitet der Aufzug in Stuttgart-Österfeld momentan Sorgen. Er kommt auf eine Betriebsbereitschaft von 60 Prozent.

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