Archiv der Kategorie: Reportage

Reportagen von Uwe Roth

Ali Haji hat gemeinsam mit einem Kommilitonen das Stadtregal für seine Masterarbeit entworfen. Foto: Uwe Roth

Stadtregal in Stuttgart: Experiment gilt als gelungen

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SWP, Uwe Roth, 13.08.2019

Sechs Wochen lang war das Stadtregal auf dem Österreichischen Platz Küche und Schlafplatz in einem. Das Möbelstück hat Menschen aus verschiedenen sozialen Schichten zusammengebracht. Von Uwe Roth

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Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec bei seiner Abschiedsrede. Foto: Uwe Roth

Verabschiedung OB Spec in Ludwigsburg mit großen Gesten

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 26.07.2019

Mit viel Beifall für seine geleistete Arbeit ist Oberbürgermeister Werner Spec am Donnerstag vor großer Kulisse aus seinem Amt verabschiedet worden. Im Reithaus des Film- und Medienzentrums ist dem 61-jährigen Kommunalpolitiker in einer zwei Stunden langen Feier mit musikalischer Umrahmung und stehendem Applaus am Ende so viel Aufmerksamkeit zuteil geworden, wie er sie lange vermisst haben dürfte.

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Fahrassistenzsysteme in einem Lkw. Foto: uwe Roth

Lkw-Fahrer und ihre Vorbehalte gegen Fahrassistenzsysteme

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BG Verkehr „Sicherheitsprofi“, Uwe Roth, 01.03.2019

Fahrerassistenzsysteme haben bei manchen Profi-Lkw-Fahrern leider immer noch einen schlechten Ruf. Ein Fahrlehrer berichtet, wie er von Anfang an Überzeugungsarbeit leistet.

Manchmal brauchen Trucker drastische Bilder, um nachdenklich gestimmt zu werden: „Stellen Sie sich einen Feuerwehrmann vor“, sagt Fahrlehrer Rainer Sofka seinen Kursteilnehmern. „Der hat eine volle Ausrüstung und stürmt trotzdem nur in Unterhose bekleidet in ein brennendes Haus.“ Verständnislose Blicke. Sofka erklärt: Dieses unsinnige Verhalten sei vergleichbar mit einem Lkw-Fahrer, der seinen Notbremsassistenten abschalte, weil er sich von diesem Gerät fremdbestimmt fühle. Ein Zuhörer bekennt, dass er sich mit der in seinem Lkw verbauten Technik bis jetzt nicht im Detail beschäftigt habe.

Fahrerassistenzsysteme entmündigen nicht

Jörg Hartmann sagt im anschließenden Gespräch, es sei Quatsch, dass solche Systeme Fahrer entmündigten. Hartmann ist Chef der gleichnamigen Fahrschule in Plochingen südlich von Stuttgart, Marktführer in Baden-Württemberg für Aus- und Weiterbildung von Lkw- und Busfahrern. „Der Fahrer kann jederzeit das Geschehen kontrollieren“, bekräftigt er. „Das System greift erst aktiv ein, wenn der Fahrer bis kurz vor dem Aufprall nicht reagiert. Bis dahin wird der Fahrer optisch und akustisch vor einer drohenden Gefahr gewarnt.“

Vorurteile bei Lkw-Fahrer abbauen

Hartmann muss es wissen. Zu seinem aus sieben Lkw und zwei Bussen bestehenden Fuhrpark gehört ein Mercedes-Benz Actros 2540, der über einen Notbremsassistenten verfügt, der stehende Fahrzeuge und auch Fußgänger erkennt. Es ist der Active Brake Assist 4. Neben einem Abstandsregeltempomaten und Spurhalteassistenten gehört zudem ein Abbiegeassistent zur Ausstattung. Hartmann war in Deutschland der Erste, der Sensoren am Fahrschul-Lkw hatte, die Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel registrieren und dies mit einem schrillen Piepton dem Fahrer melden. „Jeder unserer Fahrschüler wird an diesen Systemen ausgebildet“, sagt er. „Wir wollen ihnen zeigen, was der Markt kann.“

Im Theorieunterricht allerdings werde insbesondere der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control/ACC) von manchem Kursteilnehmer immer noch „hinterfragt.“ Die dagegen vorgebrachten Gründe nennt der Chef der Fahrschule „fadenscheinig“. Die Schüler kennen seiner Beobachtung nach oft die neueste Technik nicht, dafür aber längst beseitigte Anfangsschwächen. So werde fälschlicherweise argumentiert, dass der Lkw jedes Mal automatisch bremse, wenn vor ihm ein Fahrzeug einschert. Der Assistent bremst aber nur, wenn der eingestellte Abstand dauerhaft unterschritten wird und nicht, wenn das eingescherte Fahrzeug beschleunigt oder die Fahrbahn verlässt.

„Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“

Jörg Hartmann

Jüngere Fahrer sind weniger skeptisch Die Akzeptanz von Assistenzsystemen ist in vielen Fällen vom Alter der Kursteilnehmer abhängig, beobachten die Fahrlehrer. Besonders in Weiterbildungskursen, an denen ältere Lkw-Fahrer teilnähmen, die sich selbst als sehr erfahren bezeichneten, werde die Technik gerne kritisiert. Jeder Dritte verzichte sogar auf den Sicherheitsgurt, um das vermeintliche Gefühl der Truckerfreiheit zu spüren. Der Elektronik die Regelung der Geschwindigkeit zu überlassen, werde als Gängelung empfunden, die wertvolle Fahrzeit koste. „Die Zeiteinsparung wird maßlos überschätzt“, hält Hartmann dagegen. „Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“ Lkw- und Busfahrer unterscheiden sich seiner Erfahrung nach in diesem Punkt kaum.

Junge Leute mögen keine Technik von gestern

Häufig hänge die Aufgeschlossenheit davon ab, welche Systeme ein Fahrschüler in seinem Privatwagen nutze. „Wer ein modernes Auto hat, ist gegenüber Assistenzsystemen aufgeschlossener“, sagt Fahrlehrer Franz-Peter Dick. Mancher Fahranfänger sei schlicht überfordert, wenn ein Hebel drei Funktionen habe. „Zu Beginn ist der Fahrschüler mit der Größe seines Fahrzeugs beschäftigt.“ Da werde es subjektiv als Erleichterung empfunden, sämtliche Assistenzsysteme abschalten zu können – sogar die vorgeschriebenen. Wer jedoch mit der Playstation aufgewachsen sei, „der hat die Technik schnell im Griff“. Hartmann bestätigt: „Je jünger, umso affiner. Junge Leute mögen keine Technik von gestern.“

Technisch auf dem neuesten Stand Die Fahrschule Hartmann hat einen mobilen Fahrsimulator. Fast 900.000 Euro hat der Lkw-Anhänger mit der gesamten Computertechnik gekostet. Die Software kann Notfallsysteme simulieren. Gefahrlos testen die Fahrschüler aus, was die Technik in extremen Situationen kann und was passiert, wenn sie ausgeschaltet ist. „Das öffnet manchem die Augen.“

Fahrer sind ein „großer Schatz“

„Die großen Hersteller bieten ausgereifte Systeme an, die auch nicht die Welt kosten“, sagt Dick. Ein Auffahrunfall sei teurer. Hartmann ergänzt, früher sei für einen Unternehmer der Fuhrpark „sein größter Schatz“ gewesen. „Heute sind es seine Fahrer.“ Der Verlust eines guten Fahrers „tut unendlich weh“. Was das bedeutet, können die Fahrschüler an diesem Tag in den Nachrichten hören. Zwei tragische Unfälle hat es am Morgen im Raum Stuttgart gegeben, in die zwei Lkw verwickelt waren und bei denen ein Fahrer starb. In einem Fall knallte das Fahrzeug auf der Autobahn auf ein Stauende. Ein moderner Notbremsassistent hätte den Lkw mit Sicherheit rechtzeitig zum Stehen gebracht. Uwe Roth Journalist

Fahrverbot-Protest in Ludwigsburg

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 02.02.2019

250 Teilnehmer wurden bei der ersten Pro-Diesel-Demonstration in Ludwigsburg gezählt. Weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. 

Nach der Landeshauptstadt hat nun auch Ludwigsburg eine Protestgruppe, die gegen ein Dieselfahrverbot auf die Straße geht. Am Freitagnachmittag marschierte sie mit etwa 250 vorwiegend älteren Teilnehmern vom Rathaus zur Hohenzollernstraße und nach einer kurzen Kundgebung wieder zurück in die Innenstadt. Nicht wenige Demonstranten trugen eine gelbe Warnweste. Sie soll an die Bürgerproteste in Frankreich erinnern. Während es in Stuttgart bereits ein Fahrverbot für ältere Dieselfahrzeuge gibt, könnte ein solches Ludwigsburg in diesem oder im nächsten Jahr drohen.

Feind der Protestbewegung ist die Deutsche Umwelthilfe

Direkt vor der aus ihrer Sicht falsch aufgestellten Luftmessstation an der Friedrichstraße, die von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) seit 2003 dort betrieben wird, durften die Demonstranten keinen Stopp einlegen, damit der dichte Straßenverkehr nicht länger als nötig gestört wird.

Initiator von Pro-Diesel ist der ehemalige Mann-und-Hummel-Manager Dieter Seipler. Der 72-Jährige hat die Transparente besorgt, auf denen zu lesen stand „Stoppt die Falschmessungen der LUBW“, „Keine Dieselfahrverbote in Ludwigsburg“ und „Keine Feinstaub-/NO2-DUH-Lügentote“. DUH steht für die Deutsche Umwelthilfe, die auch bei dieser Demonstration zum einigenden Feindbild geworden ist. Die Ansprache des Initiators ist allerdings größtenteils im Straßenlärm untergegangen. Der kleine Bluetooth-Lautsprecher war zu schwach, um die Ohren der Protestierenden zu erreichen. Seipler kündigte an, im Februar und im März die Demonstrationen wiederholen zu wollen.

OB Spec unter Pro-Diesel-DEmonstranten. Foto: Uwe Roth
OB Spec unter Pro-Diesel-DEmonstranten. Foto: Uwe Roth

Laut genug war dagegen die Reden erprobte Stimme von Oberbürgermeister Werner Spec, der sich unter die Kundgebung gemischt hatte. Er sagte, dass er auch den Standort der Messstation kritisch betrachte. „Ich habe gewisse Zweifel, dass die an dieser Stelle gemessenen Werte repräsentativ ist“, sagte er unter Beifall der Demonstranten. „Wir werden das Autofahren nicht verteufeln“, fuhr er fort.

OB Spec bietet Protestbewegung seine Zusammenarbeit an

Der Oberbürgermeister bot der Initiative „seine Zusammenarbeit“ an. „Wir werden Kontakt halten“, versprach Spec, der aber auch betonte, dass die Stadt unabhängig von der Messstation alles unternehmen werde, die Schadstoffwerte zu senken. Spätestens Ende 2020, so versicherte er, würden diese Ziele erreicht sein. Bis Jahresende werde die Verkehrstechnik digitalisiert sein, um die Verkehrsströme flüssiger zu machen. Die Polizei hatte am Freitag gleich zwei Demonstrationszüge durch die Stadt zu leiten. Allerdings zu unterschiedlichen Zeiten. Am Vormittag demonstrierten etwa 300 Schüler gegen den Klimawandel. Eine Demo für den Diesel und eine Demo zum Schutz des Klimas – für OB Spec hat nach seinen Worten beides ihre Berechtigung. „Ich finde es toll, wenn junge Menschen für ihre Zukunft kämpfen“, sagte er. Am Montag gebe es ein Treffen mit den Initiatoren der Schülerdemos.