Archiv der Kategorie: Porträt

Ioannis Sakkaros: „Die Grünen tragen Schuld an der Misere“

Südwest Presse, Uwe Roth, 29.01.2019

Ioannis Sakkaros wollte vor drei Wochen am Neckartor im Kreis von 250 Gleichgesinnten seinen persönlichen Frust über das Dieselfahrverbot in Stuttgart rauslassen. „Ich hatte und habe keine politischen Motive, sondern bin selbst vom Fahrverbot betroffen“, versichert der 26-Jährige am Samstag wenige Stunden vor seiner dritten Protestaktion. Bei der zweiten waren 700 gekommen.

Inzwischen ist Sakkaros ein Ereignis der Medien. Er wird als Ikone einer neuen Bewegung betrachtet und weiß nicht so recht, was er davon halten soll. „Mein Privatleben ist völlig zur Seite geschoben“, stöhnt er. Er gibt aber schon routiniert und sehr freundlich Interviews. Der junge Mann ist in seinem Element. Es mache ihm Spaß, Dinge zu organisieren, versucht er zu erklären, was ihn antreibt. Freunde schätzen an ihm, dass er die Clique beieinander halte. Ein positives Feedback sporne ihn an, beim nächsten Mal noch besser zu werden.

Neue Reibungsfläche für Wutbürger: Fahrverbote für Diesel

Die neue Clique: Am Samstag schwärmen 1200 Menschen auf den Wilhelmsplatz. Die wenigsten dürften Fahrer älterer Diesel sein. Unzufriedene Bürger haben offenbar eine neue Plattform gefunden. Nach Kritik an Stuttgart 21, an Euro und Flüchtlingen haben sie das Fahrverbot als Reibungsfläche entdeckt. Ihre Verachtung richtet sich nach wie vor auf die jeweilige Regierung und den dahinter stehenden Parteien.

Sakkaros arbeitet bei Porsche in Zuffenhausen und ist IG-Metall-Mitglied. Mit Politik will er nichts zu tun haben, beteuert er. Trotzdem ist es für ihn erwiesen, dass die Grünen sämtliche Schuld an der Misere mit den Fahrverboten tragen. Begründen kann er das allerdings nicht. „Man hätte um Stuttgart längst eine Straße legen können, um so die Durchgangsstraße zu entlasten“, argumentiert er. Dass andere Parteien zu ihrer Zeit ebenso hätten handeln können, lässt er nicht gelten. „Die Grünen sind sieben Jahre an der Regierung, ohne dass etwas passiert ist.“ Von seinem Feindbild lässt Sakkaros nicht ab.

Gelbe Warnweste: „Schnauze voll!“

Der Stuttgarter macht Politik, ohne es wahrhaben zu wollen. Er spricht von „Enteignung der Dieselfahrer“, Politiker, die zu blöd seien, richtige Standorte für Messstationen zu finden, und ist empört, dass sich Mitglieder der AfD und der rechten Arbeitnehmerbewegung „Verein Zentrum Automobil“ für ihn interessieren. Der Mechatroniker betrachtet sich und seine Sympathisanten als „unparteiische Bürgerbewegung“. Am Samstag lässt er es sich auch nicht nehmen, eine gelbe Warnweste mit der Aufschrift „Schnauze voll!“ überzuziehen – wie zahlreiche andere Demonstranten.

Bewusst erinnern sie an die Gelbwesten-Bewegung in Frankreich. Dass es in Paris zu Auseinandersetzung gekommen ist, „dies ist nicht mein Problem“, wehrt er ab. „Gewalt ist nicht in meinem Interesse.“ Doch für ihn ist klar, dass „das Versagen der Politik“ den Frust der Bürger habe so groß werden lassen, dass „sie austicken“. Sakkaros wird mit seinem „Projekt“ auch weitermachen.

Print Friendly, PDF & Email

Abschied Johannes-Christoph von Bühler in Ludwigsburg

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.12.2018

Johannes-Christoph von Bühler ist am Sonntag mit einem Gottesdienst in der Ludwigsburger Friedenskirche in den Ruhestand verabschiedet worden. Der evangelische Theologe war 15 Jahre als Schuldekan für die Kirchenbezirke Ludwigsburg und Besigheim zuständig. Sein Betreuungsbereich reichte von Kornwestheim im Süden bis Lauffen ganz im Norden.

Hunderte angehender Religionslehrer hat er in den Beruf begleitet. Er hielt mit viel Zeitaufwand die Fäden zwischen seiner Kirche und der Staatlichen Schule zusammen. „Ich war so gerne Schuldekan“, bekennt er vor seinem Ruhestand, der offiziell erst im März beginnt. „Schuldekan ist ein fantastischer Beruf.“ In diesem Amt habe er „relativ viele Freiheiten“ gehabt. Und er bekräftigt: „Ich würde es glatt noch einmal machen.“

Schüler im Mittelpunkt

In seiner Zeit lag ein grundlegender Wandel in der Gestaltung des Unterrichts: Im Mittelpunkt steht nicht mehr der Lehrstoff, sondern die Kompetenz des Schülers. „Wir haben eine Menge pädagogischen Raum durchschritten“, bilanziert der 65-Jährige. Früher sei der Katechismus das Maß der Dinge gewesen. Für die Schüler war das Gebot, die evangelischen Glaubensgrundsätze auswendig zu lernen. „Wie beim Nürnberger Trichter. Wissen wird oben reingestopft.“ Heute sei der Unterricht auf Kreativität angelegt: „Wir fangen schon in den Grundschulen an, mit den Kindern über schwierige Fragen zu diskutieren und sie zum selbstständigen Denken aufzufordern“, sagt er. Schüler sollen Denken lernen – beispielsweise bei der Interpretation von Geschichten aus der Bibel. „Wie schaffte es Gott, Daniel ohne Verletzungen aus der Grube des Löwen zu kommen?“, war so eine Frage an die Kinder. „Da kamen dann wilde Konstruktionen heraus. Aber das war okay.“

Von Bühler hatte selbst lange Unterricht gegeben, bevor er als Schuldekan aus der hintersten Reihe im Klassenzimmer Religionslehrer bei ihrer Arbeit beobachtete und anschließend bewertete. „Unterrichten, das war mein liebstes Ding“, sagt er noch heute. „Vor meiner Zeit als Schuldekan habe ich mit großer Freude in einer Werkrealschule unterrichtet. Da habe ich wirklich mein Herz für diese Schulart verloren.“ Seine Reli-Kinder damals in Ditzingen habe er „sehr geliebt“.

Sein Beruf sei auch nach der Zeit als Gemeindepfarrer „relativ seelsorgelastig“ geblieben, wie er sagt. Die Verwaltungsarbeit habe sich „relativ in Grenzen gehalten“. Dagegen sei er bei der Betreuung angehender Religionslehrer oftmals intensiv als Seelsorger gefragt gewesen. „Bevor junge Lehrer die Berufungsurkunde erhalten, ist ein Gespräch fällig“, erläutert er. „Sie glauben nicht, was bei diesen Gesprächen unerwartet alles auf den Tisch kommt.“

Quasi als Rektor habe er als Schuldekan 20 eigene Lehrer beaufsichtigt. Wenn er sie zum ersten Mal gesehen habe, seien sie oft noch Jugendliche gewesen, die gerade mit ihrem Studium fertig geworden seien. Sie hätten eine Begleitung in den Status eines Erwachsenen benötigt. Bis manche selbstsicher vor eine Klasse stehen konnten, habe es oftmals den „Bedarf vieler Gespräche“ gegeben.

Sechs Thesen

Zum Abschied hat Johannes-Christoph von Bühler sechs Thesen hinterlassen. Die erste lautet: „Es braucht in einer christlichen Pädagogik den Vorrang der Person in Achtsamkeit und sensibler Wahrnehmung, in Interesse und Wertschätzung.“

Ohne Vorrang der Person landeten „sowohl pädagogische Theorie als auch Erziehungsarbeit im pädagogischen Aus“. Der Religionsunterricht, so heißt es in der vierten These, könne auch abstürzen. „Wie lange wird der Religionsunterricht noch an Konfession und Bekenntnis gebunden bleiben“, stellt er sich darin die Frage.

Werteerziehung

Als Einwanderungsland benötige Deutschland eine „allgemeine und verpflichtende Werteerziehung“, fordert er und fragt: „Sollte dies in Zukunft den Religionsunterricht ersetzen?“

Die Frage, ob er vollständig aus der Kirchenarbeit steigen wird, lässt er unbeantwortet. Stattdessen erläutert er, dass seine Frau, eine ehemalige Gymnasiallehrern, bereits im Sommer in den Ruhestand gegangen sei. „Sie ist fünf Tage älter als ich.“ Mit dem gemeinsamen Pläneschmieden für die kommenden Jahre haben sie bis zu seiner Verabschiedung gewartet. „Wir haben uns darüber verständigt, dass wir uns neu erfinden wollen. Bis jetzt steht da aber noch nichts fest.“

DER SCHEIDENDE SCHULDEKAN

Dr. Johannes-Christoph von Bühler ist 1953 in Tuttlingen geboren und in einem evangelischen Pfarrhaus in Stuttgart und in Markgröningen aufgewachsen. Sein Abitur hat er 1972 am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Ludwigsburg gemacht. Anschließend folgte ein Studium der evangelischen Theologie in Tübingen, München und Jerusalem mit Examen in Tübingen.

Das nachfolgende Studium der Erziehungswissenschaft in Tübingen endete mit einer Promotion über die Entstehung der Jugendforschung. Nach dem Vikariat war er 15 Jahre Pfarrer im Kirchenbezirk Ditzingen. Von 2003 bis 2018/19 Schuldekan in Ludwigsburg. uro

Print Friendly, PDF & Email
Rike Scheffler. Foto: Uwe Roth

Stadtschreiberin Rike Scheffler ist Wortkünstlerin

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 17.05.2018

Rike Scheffler ist die erste Stadtschreiberin in Ludwigsburg. Am Dienstag hat sie sich im Kunstzentrum Karlskaserne zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Während Schriftsteller oder Lyriker höchstens ein paar Bücher, vielleicht noch einen USB-Stick in eine Lesung mitbringen, ist sie vor zwei Wochen mit schwerem Gepäck aus Berlin angereist.

Ihr Equipment besteht aus Keyboard, Loopingmaschine, Stimmenharmonizer, Mischpult, zwei Mikrofonen, Lautsprechern und einem Verstärker. Das alles hat sie im Eingangsbereich der Kaserne aufgebaut.  So wie die 32-Jährige mit ihrer Technik jongliert, Regler dreht, Knöpfe drückt, erinnert sie eher an eine DJane als an eine Literatin. Das erklärt, warum die Veranstaltung nicht „Lesung“ genannt wird, sondern „Performance“.

Orchestrale Klangkulisse

Rike Scheffler ist zweifelsfrei eine Wortkünstlerin. Studiert hat sie Psychologie am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. „Nie war die Neigung des Erdballs so herrlich“, lautet so ein Satz ihrer Poesie. Oder: „Wann traust du dich raus. Wann schlägt dein Denken in Handeln raus.“ Aber Scheffler ist ebenso Sängerin – und vor allem, sie beherrscht ihre Musikmaschinen exzellent. Loop bedeutet Schleife. Mit dem entsprechenden elektronischen Gerät funktioniert das so: Scheffler spricht oder singt eine Sequenz, die nur wenige Sekunden dauert und aufgezeichnet wird. Danach drückt sie die Starttaste, und die Sequenz geht in die Endlosschleife. Auf diesen Loop legt sie einen weiteren und manchmal noch einen zusätzlichen drauf. Das schafft eine Klangkulisse, die einem kleinen Orchester gleichkommt und zu der sie „live“ ein weiteres Klangelement setzt. Ihre Stimme verändert sie über den Harmonizer.

Diese klingt dann zum Beispiel mehrstimmig. Dazu mischt die Performancekünstlerin Hall und erinnert damit im Klangergebnis an den meditativen Gesang von Nonnen in einer Kathedrale. Ihre Loops kombiniert sie gelegentlich zu kleinen Hörspielen. Sie nennt ihre Stücke „Looppoems“.

Erste Stadtschreiberin

Vergangenen Oktober ist die Künstlerin als erste Stadtschreiberin von Ludwigsburg ausgewählt worden. Hintergrund ist, dass die Stadt in diesem Jahr die 35. Baden-Württembergischen Literaturtage austrägt. Die Entscheidung der Jury fiel gerade wegen ihrer ungewöhnlichen Darstellung auf die Berlinerin, um auch jüngere Menschen für die Literatur zu interessieren, die mit klassischen Gedichten wenig anfangen können.

Bezug zur Stadt

Rike Scheffler wohnt in der Künstlerwohnung in der Karlskaserne und bleibt für Recherchen bis Ende Juni in Ludwigsburg. Ihr Werk, das am 19. Oktober bei der „Langen Nacht der Poesie“ in der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg präsentiert wird, soll einen erkennbaren Bezug zur Stadt haben. Schließlich feiert Ludwigsburg in diesem Jahr 300 Jahre Stadtrecht.

Print Friendly, PDF & Email

Friedensnobelpreis: Marbacher Roland Blach in Oslo gegen 15000 Atomraketen

Bietigheimer Zeitung Uwe Roth 13.12.2017

Roland Blach aus Marbach war als Vertreter der Abrüstungsinitiative Ican in Oslo, die dort den Friedensnobelpreis erhalten hat. Der 48-Jährige leitet seit 2002 die Landesgeschäftsstelle DFG-VK. Von Uwe Roth

Friedensnobelpreis: Marbacher Roland Blach in Oslo gegen 15000 Atomraketen weiterlesen

Print Friendly, PDF & Email

Riva-Firmenchef Hermann Pöttmer und Architekt Helmut Jahn. Foto: Uwe Roth

Stararchitekt Helmut Jahn in Backnang

ZVW Uwe Roth 24.07.2017

Jahn macht für den Fassadenbauer Riva Pläne für ein Grundstück an der Murr

Backnang. Der deutsch-amerikanische Stararchitekt Helmut Jahn ist am Samstag in Backnang gewesen. Für die Immobilientochter der Riva-Gruppe soll der 77-Jährige einen Masterplan unter anderem für das ehemalige Kaelble-Areal entwickeln. Viel Zeit für ein erstes Gespräch hatte er allerdings nicht. Am späten Nachmittag flog der weltbekannte Planer nach Chicago zurück, wo sein Büro den Hauptsitz hat.

Stararchitekt Helmut Jahn in Backnang weiterlesen

Print Friendly, PDF & Email

Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages,  hat Sebastian Maar (li.) in Berlin jüngst als einem der besten Azubis einen Pokal überreicht. Der 25-Jährige arbeitet als Sicherheitskraft bei einer Winterbacher Firma. Foto: DIHK / Jens Schicke 

Sebastian Maar: Einer der besten Azubis Deutschlands

ZVW Uwe Roth 05.12.2026

Winterbach/Backnang. Sebastian Maar hat mit Sicherheit seinen Beruf gefunden: Der 25-Jährige gehört zu den besten Azubis Deutschlands und wird an diesem Montag in Berlin dafür ausgezeichnet. Seine Ausbildung hat der Backnanger in Winterbach bei der WSD Security GmbH abgeschlossen. Dort ist Maar bereits Führungskraft.

Sebastian Maar: Einer der besten Azubis Deutschlands weiterlesen

Print Friendly, PDF & Email