Ludwigsburg: „Abgefahren – nachhaltig unterwegs“

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 29.04.2019

Das Interesse der Passanten an Zweirädern war am Samstagvormittag in Ludwigsburg definitiv größer als das an Vierrädern. Die zum Mobilitätstag entlang der Mathildenstraße präsentierten Elektroautos verschiedener Händler fanden allenfalls mäßiges Interesse.

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Guter Start für Kita-Kinder

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DEMO, Uwe Roth, 11.04.2019

Bei den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg setzt die SPD stark auf gebührenfreie und gute Kitas und Kindergärten. Frühkindliche Bildung sei ein öffentlicher Auftrag und keine Einkommensfrage, meint Hermann-Josef Pelgrim, Oberbürgermeister von Schwäbisch Hall.

Kindertagesstätten sind Bildungseinrichtungen. Hermann-Josef Pelgrim unterstreicht diesen Satz und setzt große Hoffnung in das Gute-Kita-Gesetz. Der 59-Jährige ist seit mehr als 20 Jahren SPD-Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Hall im Nordwesten von Baden-Württemberg und beobachtet aus nächster Nähe, wie aus dem klassischen Kindergarten eine Stätte mit gewachsenem pädagogischen Anspruch wird. Die Eltern zahlen für die allgemeinbildenden Schulen kein Schulgeld. Warum also sollen sie für den Besuch einer Kindertageseinrichtung bezahlen? „Frühkindliche Bildung ist ein öffentlicher Auftrag und keine Frage vom Einkommen der Eltern“, stellt er fest. Weg von der Betreuung – hin zur Bildung, darüber bestehe in Schwäbisch Hall Konsens.

Das Thema steht überall in Baden-Württemberg ganz oben: vor allem mit Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen. Das betont Andreas Stoch, Vorsitzender der SPD-Baden-Württemberg, gegenüber der DEMO. Stoch sieht das Volksbegehren der SPD als „landesweite Klammer für diesen Kommunalwahlkampf.“

Die Finanzen im Blick

Ende des Jahres 2018 hat der Gemeinderat in Schwäbisch Hall einstimmig einen Beschluss gefasst, die Kita-Gebühren abzuschaffen. Als Zieldatum wurde das Jahr 2020 festgelegt. Der Zeitplan hängt indes auch davon ab, „ein Modell zu entwickeln, mit welcher Geschwindigkeit die Finanzierung gewährleistet werden kann“, so Pelgrim. Das werde die nächste Haushaltsberatung ergeben. Die erste Schätzung liegt bei einem jährlichen Mehraufwand von 2,5 Millionen Euro. Die monatlichen Elternbeiträge liegen derzeit fürs erste Kind, das älter als drei Jahre ist, zwischen 127 Euro für sechs Stunden bis 274 Euro für elf Stunden. Dazu kommt eine Verpflegungspauschale von bis zu 100 Euro. Für Kleinkinder (unter drei Jahre) zahlen Eltern zwischen 170 und 514 Euro. Die U3-Versorgung mit Betreuungsplätzen liegt bei knapp 50 Prozent.

Pelgrim ist als Verwaltungschef für die Finanzen verantwortlich. Er weiß, wie schnell eine Kommune in die Bredouille geraten kann, wenn das größte Unternehmen der Stadt als Gewerbesteuerzahler schwächelt. Anfang der 2000er Jahre war das passiert. Davon hat sich Schwäbisch Hall längst erholt. Die Stadt hat 40.000 Einwohner und gehört zu den am stärksten wachsenden Mittelstädten Baden-Württembergs. „Wir haben eine dynamische Entwicklung bei den versicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, so dass wir bereits seit Jahren eine Vollbeschäftigung haben.“ Die Anzahl der Kinder wächst entsprechend überdurchschnittlich – fast 400 waren es 2018.

Hoffen auf das „Gute-Kita-Gesetz“

Pelgrim bleibt dennoch vorsichtig und hat zunächst eine Anhebung der Kita-Gebühren um sechs Prozent beantragt. Aber die SPD-Fraktion wollte das nicht. Im laufenden Jahr wendet die Stadt 17,2 Millionen Euro für Kindertageseinrichtungen auf. 2017 waren es noch 13,9 Millionen Euro. 1,7 Millionen Euro kommen an Elternbeiträgen zusammen. In einem Jahr soll eine neue Kita mit 120 Plätzen eingeweiht werden. Kosten knapp sechs Millionen Euro. OB Pelgrim stützt den Beschluss des Gemeinderats, wie er bekräftigt. Und er setzt seine Hoffnung auf das Gute-Kita-Gesetz der Bundesregierung, das seit Jahresbeginn gilt. Bis einschließlich 2022 will der Bund 718 Millionen Euro nach Baden-Württemberg überweisen. Pelgrim hofft, dass möglichst viel davon bei den Kommunen ankommt, und diese das Geld weitgehend eigenständig ausgeben können.

Wie es gemacht wird, macht die wirtschaftsstarke Nachbarstadt Heilbronn vor. Seit mehr als zehn Jahren sind die Gebühren für Ü3-Kinder abgeschafft. OB Harry Mergel (SPD) ist überzeugt, dass sich die vier Millionen Euro Mehraufwand jährlich bezahlt machen. Kollege Pelgrim stellt fest: „In der jetzigen Struktur in Baden-Württemberg können sich nur steuerstarke Städte so eine Entwicklung erlauben.“ Soziale Brennpunkte kennen beide Städte nicht. Kommunen, die davon betroffen sind, haben nicht das Geld für eine Gebührenbefreiung. „Doch gerade für einkommensschwache Eltern wären solche Betreuungsangebote wichtig“, sagt Pelgrim und stellt fest: „Deshalb bleibt die Kita-Betreuung eine öffentliche Aufgabe, die gesamtstaatlich zu bewältigen ist, und keine einzelner Kommunen.“ Er hofft, dass das von der Landes-SPD angestrengte und von der Landesregierung wegen verfassungsrechtlicher Bedenken abgelehnte Volksbegehren, die Kita-Gebühren im Land abzuschaffen, doch noch zum Tragen kommt. „Aber egal, wie es endet. Das darf uns nicht davon abhalten, hier dann eigene Wege zu finden.“

Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Blühendes Barock: Tulpen auf dem Kartoffelacker

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Südwest Presse, Uwe Roth, 23.03.2019

Das Blühende Barock hat zwei Anlässe zum Feiern: die 65. Ausgabe der Gartenschau und der 60. Geburtstag des Märchenparks. Der Direktor setzt auf ein bewährtes Programm mit Neuheiten. Von Uwe Roth

Die Natur ist im Jubiläumsjahr vorgeprescht. „Fast zu schnell“ haben aufgrund der warmen Vorfrühlingstage Tulpen und Narzissen ihre Blüten geöffnet, befand Volker Kugel, Direktor des Blühenden Barocks, bei der 65. Saisoneröffnung in Ludwigsburg. Allein vor der Südfassade des Barockschlosses blühen bereits seit Tagen 60 000 Pflanzen in voller Pracht. Sie haben ihre ersten Wochen im Gewächshaus verbracht und hätten sich mit dem Öffnen der Blütenblätter für die kommenden Besucher etwas mehr Zeit lassen können. Doch die Sonne war zu verlockend.

Im Jubiläumsjahr erinnern die Veranstalter an die Anfangszeiten: In der Nachkriegszeit war der heute prachtvolle Südgarten ein Kartoffel- und Gemüseacker. Die hinteren Ecken des weitläufigen Schlossparks waren ein Dickicht wild wuchernder Eschen und galten damals als Rückzugsgebiet lichtscheuer Gestalten. In den Wirtschaftswunderjahren wurden diese Teile des Parks in eine neue landschaftsgärtnerische Ordnung gebracht.

Drei Kilometer lange Rundwege

Kugels Vorgänger Albert Schöchle, der zugleich Direktor der Stuttgarter Wilhelma war, machte aus der städtischen Wildnis eine Landesgartenschau, die am 23. April 1954 der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Die erste Gartenschau Deutschlands ist zu einer Dauereinrichtung geworden. Fünf Jahre später, am 16. Mai 1959, wurde sie mit dem Märchengarten um viele Attraktionen erweitert. Somit feiert die „Blühendes Barock Gartenschau Ludwigsburg GmbH“ in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen.

Was in den Anfangsjahren für Besucher überschaubar war, verteilt sich heute auf über 30 Hektar, die auf einem drei Kilometer langen Rundweg erkundet werden können. Die Gärtner haben in den vergangenen Wochen das Parkgelände zum Saisonstart mit über 350000 Frühlingsblühern bestückt.

Blühendes Barock lockt mit bewährtem Jahresprogramm

2018 haben es 600 000 Tagesgäste besucht. Dazu kamen 43 000 Dauerkartenbesitzer. Gartenchef Kugel zeigte sich überzeugt, diese Zahlen in diesem Jahr wieder zu erreichen. Er setzt dabei auf ein bewährtes Jahresprogramm mit Kürbis-Ausstellung, Straßenmusikfestival, Sandkunst und Musikfeuerwerk.

Saisoneröffnung 2019: Frühlingsblumen vor der Südfassade des Barockschlosses Ludwigsburg. Nach dem Krieg wuchsen dort Kartoffeln. Foto: Uwe Roth
Saisoneröffnung 2019: Frühlingsblumen vor der Südfassade des Barockschlosses Ludwigsburg. Nach dem Krieg wuchsen dort Kartoffeln. Foto: Uwe Roth

Aus Heilbronn war Oberbürgermeister Harry Mergel in den Schlossgarten gekommen. Seine Anwesenheit bei der Jubiläumseröffnung sei als Zeichen zu verstehen, dass die Bundesgartenschau, deren Eröffnung am 17. April ist, keine Konkurrenzveranstaltung sei, wie er betonte. Das Blühende Barock und die Bundesgartenschau verstünden sich als Ergänzung. So böten Veranstalter von Busreisen in Touren an, die Sehenswürdigkeiten von Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn miteinander verbinden.

Der Kinderzuwachs in der Bevölkerung bringt insbesondere dem Märchengarten immer neue Besucher. Vor 60 Jahren begann es mit neun nachgestellten Märchenszenen. Inzwischen sind es über 50, „ohne den eigentlichen Charme des Märchengartens zu verändern“, wie Kugel feststellte. Obwohl es kein eigentliches Märchen ist, sind Max und Moritz dort ziemlich präsent: Zum Jubiläumsjahr sind weitere Szenen in Betrieb genommen worden. Eine Neuheit heißt „Tumult im Märchenwald!“ und ist in Zusammenarbeit mit der Filmakademie Ludwigsburg entstanden. Sie ist interaktiv: Besucher steuern Märchenfiguren auf Zuruf.

Hauch von Japan im Barockgarten

Das Parkgelände hat schon viel ertragen. In den vergangenen 300 Jahren wurden dort mehrere 100 000 Kubikmeter Erde bewegt, ganz so wie es den herzoglichen, später königlichen und heute staatlichen Gartenbesitzern gefiel. Und immer mal wieder war es Nutzgarten: Wilhelm I. lies Mostobstbäume pflanzen, als die Hungersnot seiner Untertanen groß war. Als es den Menschen besser ging, wurde an der Nordseite Tennis gespielt. Die Mostobstbäume sind längst abgeholzt. Stattdessen stehen im Japangarten am östlichen Rand des Parks Zierkirschenbäume.

Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth
Saisoneröffnung 2019 Blühendes Barock Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth
Anhänger der Initiative zum Bau einer Surfanlage im Neckar im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim zeigen, wo die perfekte Neckarwelle entstehen könnte. Foto: Uwe Roth

Stoppt schlechtes Wasser Neckarwelle?

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Südwest Presse, Uwe Roth, 22.03.2019

Schlechte Nachrichten für Surf-Fans: Das Gesundheitsamt hat Bedenken wegen der Wasserqualität.

Stuttgart. Der Bürgerhaushalt hat der Surf-Initiative vor zwei Jahren zu einer Welle des Erfolgs verholfen, da sich viele Stuttgarter hinter das Anliegen stellten. Nun möchte der Verein Neckarwelle – wieder mit Hilfe der Bevölkerung – seinem Projekt im nächsten Bürgerhaushalt neuen Schub geben. Mit dem Vorschlag „Surfen mitten in Stuttgart“ bitten die Vereinsvorstände den Gemeinderat im Doppelhaushalt 2020/21 die „Mittel für den Bau einer surfbaren Flusswelle im Neckar im Stadtbezirk Untertürkheim bereitzustellen“.

Die Idee landete nach den Voten zum Bürgerhaushalt 2018/19 auf Platz 20 von 3457 eingereichten Projekten. Das Ergebnis veranlasste den Gemeinderat, eine Machbarkeitsstudie zu finanzieren. Gutachter stellten fest, dass ein solches Bauwerk möglich sei. Doch nun hat das Landesgesundheitsamt wegen der Qualität des Wassers Bedenken angemeldet. Wer Wasser schlucke, könne sich mit Coli-Bakterien und Enterokokken infizieren, heißt es in der Bewertung.

Die Stadt nimmt dabei Bezug auf die Badegewässerverordnung des Landes, der eine EU-Richtlinie zugrunde liegt. Vereinsvorstand Volker Sellmeier sagt dazu: „Surfen ist ein Sport über und nicht im Wasser. Nach der Logik müsste die Stadt auch das Ruderbootfahren auf dem Neckar verbieten.“ Sellmeier sagt, in der Studie sei die Wasserqualität als „ausreichend“ eingestuft worden. Zwischen Juni und Oktober 2018 sind Proben gezogen worden. In über 70 Prozent sei die Wasserverschmutzung unter den Grenzwerten geblieben. In den anderen Fällen, so vermutet er, sei wegen starken Regens Wasser aus Klärbecken in den Neckar gelangt. Im Stuttgarter Rathaus ist gerade ein Meinungsbildungsprozess im Gange. Dazu stimmen sich verschiedene Abteilungen intern ab. Man werde dann mit den Initiatoren sprechen, teilt die Verwaltung mit.

Die über 160 Kommentare auf der Internetseite des künftigen Bürgerhaushalts zur Neckarwelle sollen vermitteln, dass die geschätzten Baukosten von 4,2 Millionen Euro gut angelegtes Geld seien. „Das Wasser im Neckar wird auch in 30 Jahren noch nicht trinkbar sein – macht es also nicht zum alles entscheidenden K.-o.-Kriterium“, schreibt ein Homepage-Besucher. Selbst am Eisbach im Englischen Garten in München sei das Baden untersagt, das Treiben an der Surfwellen werde aber von der Stadt geduldet. ⇥Uwe Roth

Hotels: Leichter Anstieg bei Übernachtungszahlen

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 08.03.2019

Die Übernachtungszahlen 2018 in Ludwigsburg stiegen um 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 342 479. Wie berichtet, waren es im Vorjahr 316 032. Doch wie sieht es in den umliegenden Kommunen aus? Die Übernachtungszahlen im 3B-Land sind im vergangenen Jahr leicht angestiegen. Nach den Zahlen der Geschäftsstelle des Tourismusverbunds und des Statistischen Landesamts verzeichneten die Städte Bietigheim-Bissingen, Bönnigheim und Besigheim zusammen rund 125 000 Übernachtungen. 2017 waren es 122 450. Das entspricht einem Zuwachs von etwa zwei Prozent. Das Plus ist nach Auskunft der Geschäftsstelle 3B-Land im Wesentlichen Besigheim zu verdanken. Denn die Stadt hat die 15 Plätze für Wohnmobile in ihre Statistik aufgenommen. Damit kam Besigheim auf 22 500 Übernachtungen (2017: 18 700). Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent und einer Bettenauslastung von 36 Prozent. Aber auch in Bönnigheim lief das Geschäft mit Übernachtungsgästen bei einem Plus von 7,3 Prozent nicht schlecht: 16 700 Übernachtungen waren es 2017, rund 15 600 ein Jahr davor. Die Auslastung der Betten liegt bei knapp 40 Prozent, fast zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2017.

Fehlende Hotels

Eine solche Bilanz legte Bietigheim-Bissingen hingegen nicht vor. Laut der Statistik sank die Zahl der Übernachtungen um etwa drei Prozent – und zwar von 88 000 auf 85 500 innerhalb eines Jahres. Rathaussprecherin Anette Hochmuth führt diese Entwicklung auf fehlende Hotelangebote für Geschäftsreisende in der Stadt zurück. „Wir sind seit Längerem auf der Suche nach einem Investor für einen Hotelneubau. Das hat leider bisher noch nicht geklappt.“ Nachteilig für den Geschäftstourismus sei zudem, dass das Parkhotel, mit 60 Zimmern die größte Herberge der Stadt, kein Restaurant mehr habe.

Immerhin ein Drittel der Gäste kommen aus dem Ausland, sagt die Buchungsstatistik für Bietigheim-Bissingen. Es hat wesentlichen Anteil an den 41 Prozent bei der Bettenauslastung. „Die Doppelzimmer sind unter der Woche überwiegend von Einzelreisenden belegt“, erläutert Hochmuth. „Das ergibt de facto eine Auslastung von über 80 Prozent. Damit sind die Hotels nah an der Auslastungsgrenze.“. Weil es wochentags oftmals zu Engpässen komme, gingen die Buchungsanfragen eben in die Region. Ein Anzeichen dafür ist, dass die Bettenauslastung in Bietigheim-Bissingen innerhalb eines Jahres leicht um einen Prozentpunkt gesunken ist.

Großer Zuwachs im Kreis

Nach Angaben des Tourismusverbands Region Stuttgart wurde das Übernachtungsvolumen in der Region im Vergleich zum Vorjahr nochmals um 3,6 Prozent gesteigert. Eine Ursache für die bislang beste Jahresbilanz ist die gute Konjunktur, die die Zahl der Geschäftsreisen auf hohem Niveau hält. Ein weiteres Indiz sind die internationale Messen und Ausstellungen, bei denen es zu Engpässen bei den Bettenkapazitäten kommen kann. Insgesamt stiegen die Übernachtungen ausländischer Gäste im Vergleich zum Vorjahr stärker (5,7 Prozent) als bei den Gästen aus dem Inland. Zur Region gehören die Landkreise Böblingen, Göppingen, Esslingen, Rems-Murr und Ludwigsburg. Letzterer erzielte den prozentual größten Zuwachs (7,3 Prozent oder 1,09 Millionen Übernachtungen).

In Ludwigsburg konnte sogar ein Rekordjahr verzeichnet werden. In der Stadt gibt es 26 Hotels und Pensionen mit insgesamt 2147 Betten. „Der kräftige Übernachtungszuwachs ist umso bemerkenswerter, weil die zur Verfügung stehende Kapazität von 2147 Betten im Jahr 2018 nur knapp über dem Vorjahresniveau (2129) lag“, stellt Elmar Kunz, stellvertretender Geschäftsführer bei Tourismus & Events Ludwigsburg, fest. Der Anstieg der Übernachtungszahlen bescherte den Ludwigsburger Beherbergungsbetrieben ein Plus bei der Bettenauslastung: Diese lag mit 42,1 Prozent um 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer konnte mit 1,9 Tagen gegenüber dem Vorjahr gehalten und stabilisiert werden.

Erste Sitzung des Zweckverbands zum Ausbau des Breitbandnetzes im Landkreis Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Zweckverband Breitband nimmt im Landkreis Ludwigsburg Arbeit auf

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Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 04.03.2019

Oberbürgermeister aus dem Landkreis, Bürgermeister und Landrat Dr. Rainer Haas trafen sich jetzt zur ersten Versammlung des Zweckverbands Kreisband Ludwigsburg (KBL). Der KBL hat eine eigene Geschäftsstelle, die die Verlegung der Glasfaserkabel zwischen den Kommunen koordiniert.

Alle 39 Kreiskommunen sind Mitglied. Bietigheim-Bissingen ist es noch nicht offiziell. Der Gemeinderat der Stadt wird am 12. März voraussichtlich einem Beitritt zum Zweckverband zustimmen. Landrat Rainer Haas nannte es „eine tolle Sache, dass es gelungen ist, alle Kreiskommunen ins Boot zu holen“.

Seine Erleichterung hatte Gründe: Der Gründung des KBL gingen hinter den Kulissen zum Teil schwierige Verhandlungen voraus. Denn der große Partner beim Ausbau ist die Deutsche Telekom, die in den Rathäusern nicht immer als verlässlich bei der Umsetzung von Vereinbarungen gilt. Ludwigsburg und Kornwestheim haben darüber hinaus ihre eigenen Vorbehalte. Ihre gemeinsame Stadtwerke GmbH verfolgt ein eigenes Programm zum Glasfasernetzausbau. Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim bieten schnelles Internet mit bis zu 500 Mbit pro Sekunde, Telefonie und Kabelfernsehen an. Sie sind somit direkte Wettbewerber zur Telekom, aber auch Unitymedia und Vodafone.

Gebündelte Breitbandinitiative in der Region Stuttgart

Der Breitbandausbau soll nicht nur im Landkreis, sondern in der gesamten Region beflügelt werden. Zu diesem Anlass sind auch in Stuttgart und den vier weiteren umliegenden Landkreisen entsprechende Zweckverbände entstanden. Bis Ende März wird auf regionaler Ebene die Gigabit Region Stuttgart GmbH gegründet mit dem Ziel, „als eine der ersten deutschen Regionen ein 5G-Mobilnetz“ zu erhalten. Außerdem soll das Mobilfunknetz verdichtet und beschleunigt werden. Insgesamt 179 Städte und Gemeinden in der Region mit rund 2,8 Millionen Menschen und etwa 140 000 Unternehmensstandorten sollen bis spätestens Ende 2030 ins Netz eingebunden werden. Vorrang bekommen Schulen und andere Bildungseinrichtungen.

Die großen Städte in der Region mit eigenen Stadtwerken wollten erst eigene Wege gehen und den Zweckverbänden fernzubleiben, um nicht in die Gefahr zu geraten, Anhängsel der Telekom zu werden, und um weiterhin eigene Ausbaupläne verfolgen zu können. Doch der Kommunikationskonzern ließ sich wohl auf Zugeständnisse ein. Noch am Mittwoch hatte Oberbürgermeister Werner Spec seinem Gemeinderat über die Vorbereitung einer Kooperationsrahmenvereinbarung mit der Telekom unterrichtet. Demnach wird die sich auf die Räume konzentrieren, die von den Stadtwerken nicht bearbeitet werden. In wenigen Wochen ist die Vereinbarung unterschriftsreif. Außerdem wurde der Stadt Ludwigsburg laut Spec ein „Gastsitz“ im Aufsichtsrat der Gigabit Region Stuttgart GmbH zugesagt.

Kooperationsabkommen mit der Deutschen Telekom

Mit der Absichtserklärung, dass sich Stadtwerke und Telekom nicht gegenseitig ins Gehege kommen, war für Ludwigsburg und Kornwestheim der Weg frei, noch vor der ersten Versammlung am Donnerstag Mitglied des Zweckverbands zu werden. Die Kommunalvertreter wählten in der Sitzung im Kreishaus Landrat Haas zum KBL-Verbandsvorsitzenden. Stellvertreter wurde Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath. KBL-Geschäftsführer ist Victor Kostic.

Laut dem Breitbandatlas des Bundes sind im Landkreis Ludwigsburg noch einige Flächen mit einer schlechten Abdeckung. Dazu gehören besonders Sersheim, Hohenhaslach, westliche Teile von Bietigheim-Bissingen sowie der Süden von Sachsenheim und der Ortsteil Ochsenbach. Teile von Besigheim und Bönnigheim sind ebenfalls noch unterversorgt.

Fahrassistenzsysteme in einem Lkw. Foto: uwe Roth

Lkw-Fahrer und ihre Vorbehalte gegen Fahrassistenzsysteme

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BG Verkehr „Sicherheitsprofi“, Uwe Roth, 01.03.2019

Fahrerassistenzsysteme haben bei manchen Profi-Lkw-Fahrern leider immer noch einen schlechten Ruf. Ein Fahrlehrer berichtet, wie er von Anfang an Überzeugungsarbeit leistet.

Manchmal brauchen Trucker drastische Bilder, um nachdenklich gestimmt zu werden: „Stellen Sie sich einen Feuerwehrmann vor“, sagt Fahrlehrer Rainer Sofka seinen Kursteilnehmern. „Der hat eine volle Ausrüstung und stürmt trotzdem nur in Unterhose bekleidet in ein brennendes Haus.“ Verständnislose Blicke. Sofka erklärt: Dieses unsinnige Verhalten sei vergleichbar mit einem Lkw-Fahrer, der seinen Notbremsassistenten abschalte, weil er sich von diesem Gerät fremdbestimmt fühle. Ein Zuhörer bekennt, dass er sich mit der in seinem Lkw verbauten Technik bis jetzt nicht im Detail beschäftigt habe.

Fahrerassistenzsysteme entmündigen nicht

Jörg Hartmann sagt im anschließenden Gespräch, es sei Quatsch, dass solche Systeme Fahrer entmündigten. Hartmann ist Chef der gleichnamigen Fahrschule in Plochingen südlich von Stuttgart, Marktführer in Baden-Württemberg für Aus- und Weiterbildung von Lkw- und Busfahrern. „Der Fahrer kann jederzeit das Geschehen kontrollieren“, bekräftigt er. „Das System greift erst aktiv ein, wenn der Fahrer bis kurz vor dem Aufprall nicht reagiert. Bis dahin wird der Fahrer optisch und akustisch vor einer drohenden Gefahr gewarnt.“

Vorurteile bei Lkw-Fahrer abbauen

Hartmann muss es wissen. Zu seinem aus sieben Lkw und zwei Bussen bestehenden Fuhrpark gehört ein Mercedes-Benz Actros 2540, der über einen Notbremsassistenten verfügt, der stehende Fahrzeuge und auch Fußgänger erkennt. Es ist der Active Brake Assist 4. Neben einem Abstandsregeltempomaten und Spurhalteassistenten gehört zudem ein Abbiegeassistent zur Ausstattung. Hartmann war in Deutschland der Erste, der Sensoren am Fahrschul-Lkw hatte, die Fußgänger und Radfahrer im toten Winkel registrieren und dies mit einem schrillen Piepton dem Fahrer melden. „Jeder unserer Fahrschüler wird an diesen Systemen ausgebildet“, sagt er. „Wir wollen ihnen zeigen, was der Markt kann.“

Im Theorieunterricht allerdings werde insbesondere der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control/ACC) von manchem Kursteilnehmer immer noch „hinterfragt.“ Die dagegen vorgebrachten Gründe nennt der Chef der Fahrschule „fadenscheinig“. Die Schüler kennen seiner Beobachtung nach oft die neueste Technik nicht, dafür aber längst beseitigte Anfangsschwächen. So werde fälschlicherweise argumentiert, dass der Lkw jedes Mal automatisch bremse, wenn vor ihm ein Fahrzeug einschert. Der Assistent bremst aber nur, wenn der eingestellte Abstand dauerhaft unterschritten wird und nicht, wenn das eingescherte Fahrzeug beschleunigt oder die Fahrbahn verlässt.

„Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“

Jörg Hartmann

Jüngere Fahrer sind weniger skeptisch Die Akzeptanz von Assistenzsystemen ist in vielen Fällen vom Alter der Kursteilnehmer abhängig, beobachten die Fahrlehrer. Besonders in Weiterbildungskursen, an denen ältere Lkw-Fahrer teilnähmen, die sich selbst als sehr erfahren bezeichneten, werde die Technik gerne kritisiert. Jeder Dritte verzichte sogar auf den Sicherheitsgurt, um das vermeintliche Gefühl der Truckerfreiheit zu spüren. Der Elektronik die Regelung der Geschwindigkeit zu überlassen, werde als Gängelung empfunden, die wertvolle Fahrzeit koste. „Die Zeiteinsparung wird maßlos überschätzt“, hält Hartmann dagegen. „Es macht bei der Verkehrsdichte keinen großen Zeitunterschied, ob man ein paar Stundenkilometer langsamer fährt.“ Lkw- und Busfahrer unterscheiden sich seiner Erfahrung nach in diesem Punkt kaum.

Junge Leute mögen keine Technik von gestern

Häufig hänge die Aufgeschlossenheit davon ab, welche Systeme ein Fahrschüler in seinem Privatwagen nutze. „Wer ein modernes Auto hat, ist gegenüber Assistenzsystemen aufgeschlossener“, sagt Fahrlehrer Franz-Peter Dick. Mancher Fahranfänger sei schlicht überfordert, wenn ein Hebel drei Funktionen habe. „Zu Beginn ist der Fahrschüler mit der Größe seines Fahrzeugs beschäftigt.“ Da werde es subjektiv als Erleichterung empfunden, sämtliche Assistenzsysteme abschalten zu können – sogar die vorgeschriebenen. Wer jedoch mit der Playstation aufgewachsen sei, „der hat die Technik schnell im Griff“. Hartmann bestätigt: „Je jünger, umso affiner. Junge Leute mögen keine Technik von gestern.“

Technisch auf dem neuesten Stand Die Fahrschule Hartmann hat einen mobilen Fahrsimulator. Fast 900.000 Euro hat der Lkw-Anhänger mit der gesamten Computertechnik gekostet. Die Software kann Notfallsysteme simulieren. Gefahrlos testen die Fahrschüler aus, was die Technik in extremen Situationen kann und was passiert, wenn sie ausgeschaltet ist. „Das öffnet manchem die Augen.“

Fahrer sind ein „großer Schatz“

„Die großen Hersteller bieten ausgereifte Systeme an, die auch nicht die Welt kosten“, sagt Dick. Ein Auffahrunfall sei teurer. Hartmann ergänzt, früher sei für einen Unternehmer der Fuhrpark „sein größter Schatz“ gewesen. „Heute sind es seine Fahrer.“ Der Verlust eines guten Fahrers „tut unendlich weh“. Was das bedeutet, können die Fahrschüler an diesem Tag in den Nachrichten hören. Zwei tragische Unfälle hat es am Morgen im Raum Stuttgart gegeben, in die zwei Lkw verwickelt waren und bei denen ein Fahrer starb. In einem Fall knallte das Fahrzeug auf der Autobahn auf ein Stauende. Ein moderner Notbremsassistent hätte den Lkw mit Sicherheit rechtzeitig zum Stehen gebracht. Uwe Roth Journalist