Archiv der Kategorie: Hindergrund

Hindergrund Texte von Uwe Roth

Wie Rettungskräfte sich behaupten können

DEMO, Uwe Roth, 18.12.2018

In speziellen Kursen lernen Rettungskräfte oder Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen Selbstbehauptungs- und Deeskalationsstrategien.

Selbstbehauptung geht vor Selbstverteidigung. So beschreibt Marc Louia den Aufbau seiner Kurse, die er im schwäbischen Pfullingen (Landkreis Reutlingen) unter anderem Rettungskräften und Mitarbeitern öffentlicher Verwaltungen anbietet. Der 51-Jährige ist Mitglied im Verein „Selbstbewusst & Stark“ des Bundesverbands Gewaltprävention. Seit sich Meldungen häufen, dass Rettungskräfte während ihrer Einsätze körperlich bedroht werden, wächst auch in seiner Schule die Zahl der Anmeldungen aus Rettungsorganisationen.

Gewalt nicht mit Gewalt begegnen

Louia macht deutlich, dass die Lösung nicht darin bestehen könne, in erster Linie die Selbstverteidigungskräfte zu trainieren, also Gewalt mit Gewalt zu begegnen. „Bei uns geht es vor allem um die Selbstbehauptung und Deeskalation, also um alles was passiert, bevor es im schlimmsten Fall zu einem Übergriff kommt“, sagt Louia.

Prävention beginnt bei ihm im Kopf: Wie bereite ich mich auf der Anfahrt vor? Wie trete ich am Einsatzort auf? Wie erkenne ich Gefahren im Vorfeld? Wie gehe ich mit Störern um? Wie sichern wir uns gegenseitig ab? „Uns kommt es vor allem darauf an, dass die Teilnehmer lernen, dass man durch bestimmte Verhaltensweisen gefährliche Situationen oft bereits im Ansatz verhindern kann.“ Grundsatz stimme, betont er nachdrücklich: Eine gute Selbstbehauptung erspart in den meisten Fällen die Selbstverteidigung.

Wichtige Übung: selbstbewusstes Auftreten

Eine wichtige Übung in seinem Kurs ist, ein selbstbewusstes Auftreten am Einsatzort zu trainieren. Er demonstriert, wie man blitzartig in eine Schutzhaltung in Bedrohungslagen kommt. Im Einsatz konzentriert zu arbeiten und gleichzeitig den Eigenschutz nicht zu vernachlässigen, sei ebenso eine Sache des Trainings. Zum Beispiel werde gezeigt, wie man eine Person bestmöglich zum Rettungsfahrzeug bringt oder wie Sanitäter auf bedrohliche Situationen im Fahrzeug während des Transportes reagieren können.

Von Selbstverteidigung spricht der Lehrer, wenn es darauf ankomme, eine gute Schutzhaltung bei Bedrohung einzunehmen und aus dieser sinnvoll zu handeln. Doch auch dabei sei Selbstbehauptung wichtig, weil es immer einen Plan im Kopf geben müsse. „In Konfliktsituationen entscheidet nämlich zu 80 Prozent der Kopf, wer als Sieger oder Verlierer vom Platz geht. Eine gute Technik macht lediglich 20 Prozent aus“, ist seine Erfahrung. Wer sich wirklich verteidigen wolle, der müsse in der Lage sein, seinem Gegenüber klar zu machen, dass er nicht das Opfer sei, für das ihn der Angreifer halte. „Körperliche Fitness ist immer ein Pluspunkt, aber in unserem Konzept nicht entscheidend.“

Mentale Vorbereitung

Eine mentale Vorbereitung, die hilft, Gefahrenlagen rechtzeitig zu erkennen, in Kombination mit einem selbstbewussten Auftreten, sei für die Prävention von großer Wichtigkeit. Körperhaltung, Blick, Stimme, Gestik oder Mimik verrieten dabei viel über die Absichten des Gegenübers. Das körpereigene Gefahrenradar, wie er es nennt, könne geschult werden. Es erfasse, wer sich im eigenen Umfeld bewege und drohende Gefahren. Wichtig sei eine angemessene Kommunikation – beispielsweise mit einem Gegenüber, der offensichtlich unter Einfluss von Rauschmitteln steht. Erst ganz zum Schluss stehe „eine verhältnismäßige Selbstverteidigung“.

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Stadtticket-Erfolg weckt Interesse weiterer Gemeinden

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 18.12.2019

Ein günstiges Stadtticket wie in Ludwigsburg könnte den Bürgern in Bietigheim-Bissingen ebenso gefallen. Im Workshop der Stadt zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor zwei Wochen hätten Teilnehmer den Wunsch nach einer Flatrate fürs Busfahren geäußert, heißt es aus dem Rathaus. Tatsächlich scheint das für einen Tag gültige Stadtticket, das in der Kreisstadt nach langer und zäher Diskussion im August eingeführt worden war, zu einem Erfolg zu werden.

Nach Angaben des VVS ist das Ludwigsburg-Ticket zwischen August und September rund 70 000 Mal verkauft worden. Das sei beachtlich, da diese Ferienmonate gewesen seien und zudem wenig Werbung für den neuen Tarif gemacht worden sei. Im Zeitraum von August bis Oktober hätten die Ludwigsburger Verkehrslinien (LVL) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Fahrgastzuwachs von elf Prozent verzeichnet. Etwa 45 000 zusätzliche Fahrgäste seien seither gezählt worden. Das wird vor allem auf die Preissenkung für Stadtfahrten zurückgeführt.

Zuschuss über 700.000 Euro

Die SPD-Fraktion im Ludwigsburger Gemeinderat, auf deren Initiative die Einführung zurückgeht, hatte ursprünglich ein Ein-Euro-Ticket gefordert. Daraus sind drei Euro geworden. Das Gruppenticket für bis zu fünf Personen kostet jetzt sechs statt wie vor der Einführung 12,30 Euro. Bislang hält es einen Anteil von fünf Prozent am Stadtticket-Verkauf. Die Vermarktung wird über den VVS gesteuert.

Zwar ist das Ticket am Automaten und ebenso über die VVS-App erhältlich, doch fast alle Fahrscheine werden direkt beim Busfahrer gekauft, beobachtet man beim VVS. Da der Verkauf trotz der Fahrgastzuwächse nicht kostendeckend ist, schießt die Stadt im kommenden Jahr laut ihrem Haushaltsplan bis zu 700 000 Euro zu.

Die Gestaltung des Stadttickets hat sich inzwischen zum Ludwigsburger Modell entwickelt, das immer mehr Interessenten findet. VVS-Geschäftsführer Horst Stammler stellt fest: „Es gibt inzwischen viele Städte in der Region, die für ihre Gemarkung einen eigenen Stadttarif anbieten und ihren innerstädtischen Busverkehr für ihre Bürger noch attraktiver machen wollen. Wir finden das gut.“

Ziel: Autoverkehr reduzieren

Dadurch werde zum einen der Autoverkehr auf den meist stark befahrenen Straßen reduziert. Zum anderen entlasteten Tagestickets den Busfahrer beim Verkauf. Die Schlangen würden kürzer, und der Bus könne pünktlicher weiterfahren. „Künftige Stadttickets sollten nach demselben Muster wie Ludwigsburg gestaltet werden“, bekräftigt Stammler nach den Erfahrungen der vergangenen fünf Monate.

Im Landkreis Ludwigsburg besteht nach Kenntnissen des VVS neben Bietigheim-Bissingen unter anderem in Besigheim, Kornwestheim und Remseck Interesse an einem solchen Tarif. In Bietigheim-Bissingen, wo die SPD-Gemeinderatsfraktion im Jahr 2015 einen ersten Antrag für die Einführung eines solchen Tickets – erst einmal ohne Erfolg – gestellt hat, ist nun wieder der Gemeinderat am Zug, wie die Rathaussprecherin mitteilt. Der müsse nach den Workshops und der Aufbereitung aller Ideen durch die Experten entscheiden, was konkret unternommen werde. Dazu zähle eine Entscheidung über „ein wie auch immer geartetes Stadtticket“. Außer Ludwigsburg gebe es in Reutlingen das 365 Euro-Jahresticket. Diese Modellprojekte seien zeitlich begrenzt und stünden seitens der Stadt unter Beobachtung. „Wir führen mit dem VVS Gespräche, was solche Modelle in Bietigheim-Bissingen kosten würden“, heißt es im dortigen Rathaus.

Um eine Entscheidung treffen zu können, sei es ausschlaggebend, die Höhe der Zuschüsse aus dem Haushalt zu kennen. Das werde parallel zu den Beratungen des Verkehrsentwicklungsplans 2030 (VEP) vorbereitet, sagt die Rathaussprecherin.

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Stuttgart 21: Turmforum zieht ans Gleis 16

Südwest Presse, Uwe Roth, 17.12.2018

Die Informationsplattform muss den Bahnhofsturm verlassen. Im kommenden Jahr entsteht für 3,4 Millionen Euro ein Neubau. Von Uwe Roth

Die Dauerausstellung zum Projekt Stuttgart 21 zieht ans Gleis 16. Die Deutsche Bahn, die Landesregierung, die Stadt Stuttgart und der Verband Region Stuttgart (VRS) haben insgesamt 3,4 Millionen Euro für ein neues Informationszentrum bewilligt. Am derzeitigen Standort oben im Bahnhofsturm kann das sogenannte Turmforum nicht bleiben: Denn der Bonatzbau wird von 2020 an in seinem Inneren komplett erneuert. Nur noch die Hülle des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes aus dem Jahr 1922 wird stehen bleiben.

Die Vorbereitungen zu den auf fünf Jahre angesetzten Umbauarbeiten beginnen Mitte 2019. Dann werden der Turm samt Aussichtsplattform, die auf 58 Meter Höhe einen grandiosen Blick auf die Stadt bietet, für Besucher geschlossen. Die Schau soll dann ab September 2019 in einem Neubau am östlichsten der 16 Bahngleise gezeigt werden.

Vier Millionen Gäste

Das derzeitige Turmforum war Mitte 1998, lange bevor Stuttgart 21 öffentliches Aufsehen erregte, eröffnet worden. In diesen 20 Jahren haben nach Angaben des Trägervereins rund 4,1 Millionen Menschen die Ausstellung der Projektgesellschaft besucht. Dazu kamen 12 000 Führungen durch die Ausstellung und über das Baustellengelände. Am Freitag war diese Bilanz in einem kurzen Festakt mit viel lokaler Prominenz und dem Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) als Vertreter des südlichen Endes des Bahnprojekts gefeiert worden.

Vorsitzender des Vereins Bahnprojekt Stuttgart-Ulm ist der frühere CDU-Bundestagsabgeordneter Georg Brunnhuber. Er schwärmt, das Turmforum gehöre zu den Stuttgarter Highlights wie der Fernsehturm, die Museen oder die Wilhelma. Es sei ein festes Ausflugsziel geworden.

Ausstellungsfläche schrumpft auf 300 Quadratmeter

Ein Besuchermagnet soll die neue Informationsstätte bleiben. Der Anspruch dürfte nicht einfach einzulösen sein. Die Ausstellungsfläche schrumpft von 500 auf 300 Quadratmeter. Das Gebäude wird wieder eine Ausstellungsplattform bekommen. Die ist dann lediglich 26 und nicht mehr knapp 60 Meter über dem Boden. Was an der Raumgröße fehlt, soll über die Präsentationstechnik ergänzt werden. Brunnhuber spricht von digitalen Informationsmedien, über die sich Besucher mit speziellen Brillen in virtuelle Welten begeben können.

In der Virtual Reality sehen die Besucher nicht nur Züge, die in den neuen unterirdischen Bahnhof einfahren oder mit hohem Tempo nach Ulm rasen. Im Gegensatz zur alten Ausstellung soll die neue Schau mehr Themen aufgreifen. Das dürfte den Geldgebern geschuldet sein. Das Verkehrsministerium und die Stadt Stuttgart geben jeweils eine halbe Million Euro zum Bau und für die neue Ausstattung. An der Verwaltungsspitze stehen jeweils Mitglieder der Grünen-Partei, die sich immer wieder kritisch zum Projekt S 21 äußern. Sie wollen nicht nur als Geldgeber auftreten, sondern beim Ausstellungskonzept mitbestimmen.

Stadt will eigene Ausstellung

Baubürgermeister Peter Pätzold kündigt an, dass die Stadt die Bevölkerung über das geplante Rosensteinquartier informieren möchte. „Die Stadt setzt auf die Inbetriebnahme 2025, damit wir endlich das Wohnen der Zukunft zeigen können“, sagte Pätzold. Auf einer 100 Hektar großen Fläche, auf der heute noch Gleise liegen, sollen nach Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs ab dem Jahr 2025 nach und nach etwa 5600 Wohneinheiten entstehen.

Gerd Hickmann ist Abteilungsleiter im Verkehrsministerium. In früheren Zeiten hat sich das Tübinger Kreistagsmitglied der Grünen offen gegen das Projekt gestellt. Heute sitzt Hickmann im Vorstand des Pro-S-21-Vereins und lobt die konstruktive Zusammenarbeit. Er äußert einen Sonderwunsch, mit dem einige Projektbefürworter im Verein ihre Probleme haben dürften: Für Hickmann wäre es „ein starkes Zeichen“, wenn die Ausstellungsmacher der Geschichte des Protests im künftigen Informationszentrum einen Platz einräumen würden. Bislang informieren die S-21-Gegner über ihre Sicht in einem Zelt am Ende der Königstraße.

Infos über S-Bahnen

Der Verband Region Stuttgart bringt ebenfalls 500 000 Euro ein. Dafür möchte der VRS besonders dem für die Region bedeutenden Nahverkehr Ausstellungsfläche widmen, kündigte Regionaldirektorin Nicola Schelling an. So soll über das ETCS informiert werden. Die elektronische Steuerung soll helfen, dass S-Bahnen, für die der VRS zuständig ist, in kürzeren Abständen fahren können. Mit der Tieferlegung des Hauptbahnhofs werden einige Bahnhöfe in der Region zu regionalen Knotenpunkten aufgewertet.

Am neuen Ausstellungskonzept werde bereits gearbeitet, sagt David Bösinger, der Leiter des Turmforums. Von der Medientechnik könne nicht viel mitgenommen werden, da sie veraltet sei. Das Info-Zentrum sei Vorbild für viele solcher Einrichtungen von Großprojekten in Deutschland geworden. Dieser Anspruch solle aufrechterhalten werden.

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Kommunen müssen sich in Europa einmischen

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 11.12.2018

Wie wird Europa seinen Bürgern wieder nähergebracht? Darüber sprechen unter anderem 120 Delegierte aus 20 europäischen Ländern, die Konferenzgäste im Landratsamt Ludwigsburg sind. Weitere Schwerpunktthemen sind die Nachhaltigkeit und dabei die Suche nach pragmatischen Lösungen, wie man beispielsweise in den Kommunen Plastikabfälle vermeiden kann.

Hauptredner des ersten Konferenztags aus der Landesregierung waren am Montag Europaminister Guido Wolf (CDU) und der örtliche Europaabgeordnete Rainer Wieland (CDU), der zugleich einer der Vizepräsidenten des Europäischen Parlaments ist. Veranstalter ist der Council of European Municipalities and Regions (CEMR). Landrat Rainer Haas ist seit 2016 der Co-Präsident des mächtigen Zusammenschlusses europäischer Städte und Regionen.

Er erklärt sein Engagement auf europäischer Ebene so: „Die Kommunen müssen sich in Europa mehr einmischen.“ Die Landratsämter und Rathäuser sollten sich nicht nur als Umsetzer europäischer Regelungen betrachten, sondern Brüssel politischen Input liefern. Ginge es nach ihm, würde er beispielsweise das Prinzip der Einstimmigkeit knacken, mit dem sich die Mitgliedstaaten gegenseitig blockierten.

Schnelleres Europa

Das hindere die Staats- und Regierungschefs in der Regel daran, die Europäische Union in wichtigen Angelegenheiten, wie Vertragsreformen oder die Weiterentwicklung des Steuerrechts. Ein Europa höherer Geschwindigkeit ist für Haas die einzige Lösung, um zu einem neuen EU-Vertrag zu finden und so dem derzeitigen Schlamassel beispielsweise um die Flüchtlingsverteilung oder Schuldenobergrenzen zu entkommen. Denn mindestens ein Staat stellt sich nach seiner Erfahrung in einer wichtigen Abstimmung jedes Mal quer.

Den Rat der europäischen Städte und Regionen gibt es bereits seit 1951 und er vertritt heute die Interessen der lokalen und regionalen Gebietskörperschaften sowie deren Verbände aus 42 Staaten. Der „CEMRE“ vertritt etwa 130 000 kommunale und regionale Verwaltungen. Die Herkunftsländer der Teilnehmer sind nicht alle Mitglieder der Europäischen Union. So sind auch die Türkei, Georgien und die Ukraine dabei. Zusammengekommen sind in Ludwigsburger Kreishaus die Mitglieder des Präsidiums (Executive Bureau) und des Hauptausschusses (Policy Committee). Landrat Haas wünscht sich, dass die Organisation dieses Pfund nutzt und ihr politisches Gewicht im europäischen Gesetzgebungsprozess stärkt. Vom kommunalen Pragmatismus und der Bürgernähe könne die EU profitierten, ist er überzeugt.

Einmütiges Votum

Auf seine Initiative verabschiedete der Verband vor zwei Jahren einen Forderungskatalog an das Europaparlament und die EU-Kommission zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Asylrechts. Der Beschluss habe vor allem deshalb Furore gemacht, weil er ohne Gegenstimmen zustande gekommen sei. Die Resolution gilt nach seiner Auffassung als Beleg dafür, „dass Politiker auf kommunaler Ebene es sich gar nicht leisten können, nicht pragmatisch zu sein und auf Augenhöhe eher gemeinsame Lösungen finden“, so Haas. Nur hätten die Regierungen der EU-Staaten dieses einmütige Votum von der Basis nicht wahrgenommen.

Europaminister Guido Wolf hält es ebenfalls für notwendig, dass sich die EU-Institutionen stärker an den Kommunen orientieren sollten. „Brüssel und Straßburg können etwas mehr von den Kommunen gebrauchen“, sagt er in seinem Grußwort am Montag. Europa müsse sich nicht um alles kümmern, „dafür um die richtigen Dinge“, so Wolf.

Europaabgeordneter Rainer Wieland betont in seinem Vortrag vor allem auch die Fortschritte, die die EU seit ihrer Existenz gemacht habe und leider nicht entsprechend gewürdigt würden. Wer über die Existenzbedingungen in den vergangenen Jahrhunderten nachdenke, werde zum Ergebnis kommen, dass er in Europa zu keiner anderen Zeit habe leben wollen als zu dieser Zeit.

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Neckar: Surfwelle kommt näher

Südwest Presse, Uwe Roth, 10.12.2018

Einer Flusswelle im Neckar in Untertürkheim stehen laut einer Studie keine ökologischen Einwände entgegen.

Stuttgart. Die hiesigen Surfsportler, die sich in dem Stuttgarter Verein „Neckarwelle“ zusammengeschlossen haben, feierten am Samstag ihr einjähriges Vereinsbestehen. Die Stimmung in ihrer Stammkneipe in der Geisstraße war ausgelassen. Dafür gab es allerdings neben dem Jubiläum noch einen weiteren Grund: Der Verein ist in der vergangenen Woche seinem Herzenswunsch ein Stück nähergekommen und damit dem Traum von einer surfbaren Flusswelle auf einem Seitenarm des Neckars in Untertürkheim.

Der Vereinsvorstand hat dem Sportausschuss des Gemeinderats eine von der Stadt bezahlte Machbarkeitsstudie vorgestellt. Darin kommt der Gutachter zum Ergebnis, dass einer Umsetzung des Projekts aus ökologischer Sicht nichts im Weg stehe. Vorstandsmitglied Matthias Bauer will nicht von einer Welle der Begeisterung nach der Präsentation sprechen.

Geschätzte Baukosten: 4,2 Millionen Euro

Die Reaktionen der Ratsmitglieder seien aber „sehr positiv“ gewesen, „teilweise sogar begeistert“ – trotz der prognostizierten Baukosten von über 4,2 Millionen Euro. Bedenken kämen zudem vom Landesgesundheitsamt, das Baden im Neckar wegen der Wasserqualität für bedenklich halte.

Bauer führt den Erfolg im Sportausschuss trotz solcher Eintrübungen darauf zurück, dass die Studie aus seiner Sicht fundiert und überzeugend gewesen sei. Der beauftragte Gutachter Gunther Matthäus ist ein für solche Aufgaben bekannter Spezialist. Dazu kommt, dass die Vereinsspitze aus Ingenieuren und Juristen besteht, die Input lieferten. Bauer selbst ist Architekt.

Die Beziehung zum Fluss

Die Neckarwelle ist eine unter der Wasseroberfläche liegende Rampe, die die Strömung um das Vierfache beschleunigt und somit ein Surfen auf dem Seitenarm des Neckars ermöglichen würde. Die Neckarwelle soll mit den Baunebenkosten etwa 3,1 Millionen Euro teuer werden.

Dazu kommen laut Verein Kosten von rund 460 000 Euro, unter anderem für Sanitäranlagen und eine Terrasse. Die Betriebskosten werden auf jährlich 135 000 Euro geschätzt. Diese sollen über Mitgliedsbeiträge aufgebracht werden. Aktuell hat der Verein 300 Mitglieder – Tendenz steigend.

Bauer gibt sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat noch im ersten Quartal 2019 grünes Licht gibt. Dann könne die Welle, wie beabsichtigt, 2020 in Betrieb gehen. „Ich denke, der Gemeinderat hat erkannt, dass die Surfwelle eine größere Dimension hat als eine reine Sportstätte“, sagte Bauer. Stuttgart sei dabei, den Neckar für sich zu entdecken. Eine solche Attraktion sei die Chance, eine weitere Beziehung zum Fluss aufzubauen. ⇥Uwe Roth

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Kreis-Klinikum Ludwigsburg: Schwarze Null rückt näher

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 08.12.2018

Die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehen in die Offensive, um dem drohenden Pflegenotstand zu begegnen. Als Arbeitgeber treten sie in Konkurrenz zu den Pflegeeinrichtungen. „Wir suchen jetzt Altenpfleger, um vakante Stellen zu besetzen“, sagte Kliniken-Geschäftsführer Jörg Martin am Freitag bei der Präsentation des Unternehmensplans für das kommenden Jahr.

Die Regionale Kliniken Holding (RKH), zu der die Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gehören, hat erste Stellenanzeigen geschaltet. In denen fordert sie nicht wie üblich nur Gesundheits- und Krankenpfleger zur Bewerbung auf, sondern ausdrücklich auch Altenpfleger. „Wir zahlen besser als die Altenpflege“, ist seine Hoffnung auf mehr Interessenten. Zudem will die RKH eine Akademikeroffensive starten, wie Martin mitteilte, um „auch in Zukunft eine qualitativ hochwertige Pflege anbieten zu können“. Außerdem sollen Absolventen eines Pflegestudiums das medizinische Personal entlasten. Üblicherweise hat eine Pflegefachkraft eine dreijährige Ausbildung an einer Pflegefachschule hinter sich. Das Studium mit einem Bachelorabschluss dauert hingegen vier Jahre. Die Akademiker unter den Pflegekräften sollen sich beispielsweise um Problempatienten kümmern und „auch mal eine Nadel legen“. Anreize sollen eine höhere Bezahlung sein.

Gefahr für Intensivstationen

Hintergrund der Offensive ist, dass von 2020 an nach den gesetzlichen Vorgaben ausschließlich examinierte Pflegekräfte refinanziert werden können. Besonders drastische Auswirkungen werde diese Entwicklung beispielsweise für Intensivstationen haben, prophezeit der Klinikchef. Sollten in einer Schicht zu wenige Fachkräfte im Dienst sein, müssten Patienten notfalls abgewiesen werden. „Wir werden wieder einen Intensivtourismus bekommen“, zeigt sich Martin überzeugt und stellt fest: „Wir können keine modernen Konzepte mehr entwickeln.“ Dafür fehle es an unternehmerischen Freiheiten.

Mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Krankenhäuser in Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach sowie der Orthopädischen Klinik Markgröningen (OKM) ist die Klinikleitung allerdings zufrieden. Während der Ludwigsburger Standort auf ein zu erwartendes Ergebnis im kommenden Jahr von 1,28 Millionen Euro kommt, ist Bietigheim mit 25 600 Euro mittlerweile leicht im Plus. Marbach jedoch stagniert bei einem Minus von zwei Millionen Euro. In der OKM sind nach einer längeren Umbaupause 2019 wieder sämtliche zwölf Operationssäle in Betrieb. Während für dieses Jahr noch ein Minusergebnis von 915 800 Euro erwartet wird, soll im nächsten Jahr ein kleines Plus von 33 200 Euro stehen, so OKM-Geschäftsführer Olaf Sporys.

Investition: 200 Millionen Euro

Insgesamt, so ist sich Holding-Geschäftsführer Martin sicher, könne zum Ende nächsten Jahres eine „schwarze Null“ für alle Häuser erreicht werden. „Wir haben die Kliniken für den Landkreis wirklich gut konsolidiert.“ Mit 15 000 Betten für etwa 540 000 Kreisbürger sei das Verhältnis ausgewogener als in der Landeshauptstadt, in der die Kapazitäten größer seien. In den kommenden vier Jahren sollen in die Häuser Ludwigsburg, Bietigheim und Marbach 200 Millionen Euro investiert werden, so Regionaldirektor Matthias Ziegler. In Bietigheim werde der Masterplan Bau ständig fortgeschrieben. Die Wahl des Architekturbüros für den Erweiterungsbau mit einer Fläche von 15 000 Quadratmetern sei im September erfolgt, ebenso im November die Wahl der Fachplaner. Die Ausführungsplanungen sollen Anfang des Jahres beginnen. Die beiden früheren Notaufnahmen seien bereits zusammengelegt worden. „Das hat uns große Fortschritte gebracht“, so Ziegler. Derzeit werde der OP-Bereich umgestaltet und die plastische Chirurgie weiter ausgebaut und die Kapazitäten in der Adipositas-Chirurgie erweitert. Eine papierlose Patientendokumentation (Orbis mobility) soll es bis zum Jahresende in allen Stationen geben.

In Ludwigsburg steht die Erweiterung der Psychiatrie an. Dafür sind 8,6 Millionen Euro eingeplant. 6,8 Millionen Euro hat die Holding in eine neue Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) investiert, die im ersten Quartal 2019 in Betrieb gesehen soll. Die Abteilung in Bietigheim soll dann geschlossen werden.

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Ludwigsburg: üppige Zuschüsse aus Berlin

Südwest Presse, Uwe Roth, 01.12.2018

Im Kampf gegen Luftschadstoffe hat Ludwigsburg einen Helfer im Verkehrsministerium.

Ludwigsburg. Gegen ein drohendes Dieselfahrverbot und gegen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kämpft die Stadt Ludwigsburg – gemeinsam mit ihrem CDU-Bundestagsabgeordneten. Das Stickoxid-Problem liegt in der vielbefahrenen Friedrichstraße. Der Jahreswert überstieg im vergangenen Jahr die zulässige Konzentration um etwas mehr als zehn Mikrogramm je Kubikmeter Luft.

Die DUH hat kürzlich angekündigt, dass ein Verfahren, das sich gegen Ludwigsburg richtet, demnächst wohl eröffnet wird und ein Urteil im kommenden Jahr zu erwarten sei. Zudem arbeitet das Regierungspräsidium derzeit an einem Luftreinhalteplan für die Stadt. Für OB Werner Spec, der 2019 wiedergewählt werden möchte und die Bekämpfung des Klimawandels in der Stadt mit seinem Namen verbunden hat, ist Steffen Bilger ein Segen: Der 39-jährige ist nicht nur Abgeordneter, sondern auch Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Chef der CDU-Nordwürttemberg. Die hat auf seinen Vorstoß hin den Antrag gestellt, die Gemeinnützigkeit der DUH überprüfen zu lassen. Ein Schritt, den Spec begrüßt.

Viel Geld aus dem Sofortprogramm „Saubere Luft“

Gegenüber dem Handelsblatt sagte Bilger, Ludwigsburg habe alles getan, um die Luftreinhalteziele einzuhalten. Die Stadt komme sehr gut voran damit. „Trotzdem wird die Stadt von der DUH verklagt.“ Das Problem jedoch ist, dass seit einigen Monaten NOx- und Feinstaubkonzentrationen wieder etwas steigen. OB Spec führt das auf die anhaltende Trockenheit zurück.

Bilger ist ein Befürworter einer Nordostumfahrung von Stuttgart, die auch Ludwigsburg entlasten würde. Zudem ist er für die Stadt ein wichtiger Faktor zur Beschaffung von Fördermitteln geworden. So verkündete er im Juni im Rathaus, dass die Stadt erhebliche Mittel aus dem Sofortprogramm Saubere Luft 2017 bis 2020 der Bundesregierung erhalten werde, noch bevor die Bescheide in Berlin unterschrieben waren. Am Ende erhielt Ludwigsburg 6,1 Millionen Euro vom Bund, die Landeshauptstadt nur 1,9 Millionen Euro.

Auch bei der jüngsten Bescheidübergabe in Berlin kam die Stadt gut weg: Ludwigsburg erhält eine Förderung für insgesamt 122 Elektrofahrzeuge und 35 Ladestationen. Keine andere Stadt in Deutschland bekommt auch nur annähernd so viele Fahrzeuge bezuschusst. Auf Platz zwei der Förderliste aus dem Verkehrsministerium folgt Düsseldorf mit 45 Fahrzeugen. Stuttgart bekommt hingegen lediglich für 29 Fahrzeuge und ebenso viele Ladestationen Geld aus Berlin. In der Region bekommen darüber hinaus noch die Stadt Leonberg 20 E-Fahrzeuge und 20 Ladestationen sowie die Stadt Esslingen drei Fahrzeuge und zwei Ladestationen gefördert. ⇥Uwe Roth

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Ludwigsburg: viel Geld aus Berlin für Elektromobilität

Bietigheimer Zeitung, Uwe Roth, 01.12.2018

Stadt- und Landkreisverwaltung haben über ihren CDU-Bundestagsabgeordneten Steffen Bilger gute Kontakte zum Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Bilger ist Staatssekretär von Scheuer, und das macht sich offensichtlich bezahlt: Laut Mitteilung des Bundesministeriums für Verkehr und Infrastruktur erhält Ludwigsburg eine Förderung für 122 Elektrofahrzeuge und 35 Ladestationen. In Berlin wurde aber auch an den Landkreis gedacht, der für 20 E-Fahrzeuge nebst ebenso vielen Ladeeinrichtungen einen Zuschuss aus der „Förderrichtlinie Elektromobilität“ bekommt. Beträge werden nicht genannt. Aus der Bescheidübergabe ist aber ersichtlich, dass keine andere Stadt und kein anderer Landkreis in Deutschland so viele Fahrzeuge bezuschusst bekommen wie Ludwigsburg. Auf Platz zwei der Förderliste aus dem Bundesverkehrsministerium folgt die Landeshauptstadt Düsseldorf mit 45 Fahrzeugen. Der Landkreis Fulda bekommt als zweiter Landkreis auf der Liste fünf Fahrzeuge bezuschusst.

Nur 29 Autos für Stuttgart

Stuttgart mit seinem CO2-Problem am Neckartor bekommt für 29 Fahrzeuge und ebenso viele Ladestationen Geld aus Berlin. In der Region Stuttgart bekommen darüber hinaus noch Leonberg 20 E-Fahrzeuge und 20 Ladestationen sowie Esslingen drei Fahrzeuge und zwei Ladestationen gefördert. Für Ludwigsburgs Oberbürgermeister Werner Spec, der im kommenden Jahr wiedergewählt werden möchte und die Bekämpfung des Klimawandels in der Stadt mit seinem Namen verbunden hat, ist Bilger offensichtlich ein Segen: Der 39-Jährige ist neben seinem Mandat in Berlin Chef der CDU-Nordwürttemberg. Die hat jüngst auf seinen Vorstoß hin den Antrag gestellt, die Gemeinnützigkeit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) überprüfen zu lassen. Ein Schritt, der von Spec begrüßt wird. Die DUH hat angekündigt, dass ein Verfahren, das sich gegen Ludwigsburg richtet, demnächst wohl eröffnet wird und ein Urteil 2019 zu erwarten sei (die BZ berichtete). Gegenüber dem Handelsblatt sagte Bilger, Ludwigsburg habe alles getan, um die Luftreinhalteziele einzuhalten, sei Modellkommune für Elektromobilität und komme sehr gut voran damit. „Trotzdem wird die Stadt von der DUH verklagt.“ Er finde das Vorgehen der DUH „völlig daneben“. Das Problem jedoch ist, dass seit einigen Monaten die CO2– und Feinstaubkonzentrationen wieder etwas ansteigen. Ludwigsburgs Rathauschef führt das auf die anhaltende Trockenheit zurück.

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Konservator Felix Muhlen hält eine Skulptur, die Greifen genannt wird. Sie gehören zum Residenzschloss Ludwigsburg. Foto: Uwe Roth

Schloss Ludwigsburg: Verborgene Skizzen des Hofarchitekten

Südwest Presse, Uwe Roth, 21.11.2018

Einige Prachträume im nördlichen Teil des Ludwigsburger Residenzschlosses sind derzeit ungewohnt unaufgeräumt. Möbel fehlen. Wände sind kahl, manche sogar ohne Putz. Auch Backsteine sind sichtbar. Der Grund: Noch bis März 2020 wird das Neue Corps de Logis, Privaträume des Königs, restauriert. Es ist wohl die erste gründliche Renovierung nach über 200 Jahren. Das große Möbelrücken bringt nicht nur Staub, sondern auch Überraschungen zum Vorschein, die im jetzigen Zustand vor allem Restauratoren begeistern.

Unscheinbares Brett

Am jüngsten Fund im Audienzzimmer des Königs, über den die Schlossverwaltung am Dienstag die Medien informierte, gehen Schlossbesucher achtlos vorbei: Auf einem schmalen, in der Wand verankerten Holzbrett sind kaum erkennbare Bleistiftzeichnungen zu sehen.

Oberkonservatorin Patricia Peschel und Restaurator Felix Muhle identifizierten die Skizzen nach näherer Betrachtung als schnelle Entwürfe zweier repräsentativer Beistelltische. Die beiden Experten sind vor allem aber begeistert, weil wohl Nikolaus Friedrich von Thouret diese Zeichnungen angefertigt hat. Der geborene Ludwigsburger war ein berühmter Architekt und Maler seiner Zeit, der nach 1800 an der Innengestaltung des Neuen Schlosses in Stuttgart beteiligt war und dafür die Entwürfe machte. Handwerker hatten damals das Brett nicht weggeworfen, sondern es offenbar in Ludwigsburg weiterverwendet, um einen prachtvollen Konsoltisch an der Wand zu befestigen.

Greifen tragen die Tischplatte

Wegen der Renovierung ist der Tisch entfernt worden. So kamen die Skizzen nach über zwei Jahrhunderten zum Vorschein. Die schweren Wandtische mussten gereinigt werden, berichtet Restauratorin Liliane Keller, die diese Aufgabe übernommen hat. Es ist eine Großreinigung mit Wattestäbchen und etwas Benzin geworden. Damit hat sie in Kleinarbeit die Platten von der Schmutzschicht befreit. Während die hintere Tischkante an der Wand befestigt war, wurde die vordere von drei Figuren, sogenannten Greifen, getragen. Es sind Fabeltiere, eine Kreuzung von Greifvogel und Löwe. Ihre schwarze Oberfläche ist so sensibel, dass selbst Wattestäbchen Schaden angerichtet hätten, sagt Kurator Muhle. Die Figuren wurden mit Lasertechnik berührungsfrei soweit wie nötig von der Patina befreit.

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Einmal Schippen am Tag reicht? – So viel Winterdienst ist nötig

dpa/tmn, Uwe Roth, 28.10.2018

Schneeschippen gehört eindeutig nicht zu den schönen Dingen im Winter. Doch es ist so notwendig wie die Erfüllung der Streupflicht, damit Anwohner und Passanten nicht hinfallen und damit sich keiner verletzt. Ein Überblick zu den Pflichten für Hausbesitzer und Mieter.

Berlin (dpa/tmn) – Der erste Schneefall ist noch schön. Aber irgendwann wird es zu viel – wenn der Gehweg aufgrund der weißen Massen nicht mehr sichtbar ist, wenn Eiszapfen an den Dachrinnen über Nacht gefährliche Längen erreichen und sich auf dem Dach eine dicke Schneedecke staut. Dann müssen die Anwohner ran – mit Schneeschippen oder Streuen. Denn rutscht ein Spaziergänger auf dem Weg vor dem Haus aus, trifft ihn ein herabfallender Eiszapfen von der Regenrinne oder stürzen gefrorene Schneemassen vom Dach, tragen sie die Verantwortung und womöglich hohe Schadenersatzkosten. Was müssen Hausbesitzer und Mieter also mindestens tun, um sich abzusichern?

Muss man auch den öffentlichen Gehweg räumen?

Die Verkehrssicherungspflicht für den öffentlichen Straßenraum obliegt der Gemeinde. Aber üblicherweise übertragen die Kommunen diese Pflichten den Grundstücksbesitzern. Wie genau das geregelt ist, weiß die jeweilige Verwaltung.

Bin ich als Mieter überhaupt zuständig?

«Mieter müssen nur dann Schnee räumen, wenn dies im Mietvertrag ausdrücklich vereinbart wurde», erklärt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund. Eine Regelung nur in der Hausordnung reiche nicht aus.

Muss ich auch nachts die Wege räumen?

In der Regel beginnt die Räumpflicht zwischen 6.00 und 7.00 Uhr und endet etwa um 21.00 Uhr, erklärt Steffen Haase vom Dachverband Deutscher Immobilienverwalter. Ein Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz (Az.: 5 U 1479/14) zeigt aber, dass etwas anderes gilt, wenn der Eigentümer weiß, dass Passanten sein Grundstück schon früher betreten. Dann muss auch früher geräumt werden. Bei Glatteisbildung besteht grundsätzlich sofortige Streupflicht. Für Räumen und Streuen gilt aber auch: Lokale Ausnahmen sind möglich.

Reicht es, einmal am Tag die Wege zu befreien?

Schneit es ununterbrochen weiter, müssen Hausbesitzer nicht durchgängig immer wieder die Wege freiräumen, erläutert Haase. Aber er verweist darauf, dass dies in einzelnen Kommunen auch anders geregelt sein kann. Also am besten bei der Stadtverwaltung fragen. Der Bundesgerichtshof hat darüber hinaus festgestellt, dass Anlieger bei der Streupflicht mehrmals pro Tag in der Pflicht sein können (Az.: VI ZR 49/83).

Muss ich mein Dach von Schnee und Eiszapfen räumen?

Eiszapfen am Ende des Daches und eine dicke weiße Decke über den Ziegeln können sich bei Witterungsschwankungen lösen, herabsausen und darunter stehende Menschen schwer verletzen. Auch dafür tragen Hausbesitzer Verantwortung und müssen das Dach deshalb räumen. Jedoch betont Eva Neumann vom Eigentümerverband Haus & Grund, dass man sich dabei nicht selbst in Gefahr bringen, «sondern lieber Passanten mit einem Schild oder einer Absperrung warnen und einen Dachdecker oder notfalls die Feuerwehr zu Hilfe rufen» sollte. Man darf sie aber nur rufen, wenn Gefahr im Verzug ist – und der Einsatz kostet Geld.

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